Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 12 (1916)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1916)
- Article
- Die Wohnverhältnisse der minderbemittelten jüdischen Bevölkerung in Frankfurt a. M. vor dem Kriege
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 93 (sequence 3)
- Language
- German
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- 93 — R) Wohnung: Art der Ermietung, Zahl, Lage j und Fenster, Nachteile der Räume, Nebenj gelasse, Mobiliar, Gesamteindruck und bauj licher Zustand, Ausnutzung der Betten, Unj terbringung Kranker, Mietspreis und Art der j der Zahlung, Wohnungswechsel. j Die Untersuchung erstreckte sisch auf j insgesamt 250 W7ohnungen mit zusammen \ 205 Familien. Die geringe Anzahl der Fa-! milien gegenüber der der Wohnungen er-! klärt sich aus dem Umstand, daß im Laufe j der Beobachtungszeit einige Familien meh-; rere Wohnungen inne hatten und zwar zo- : gen 33 Familien einmal, 3 Familien zweimal und 2 Familien sogar dreimal in den : drei Jahren der Beobachtungszeit um. Es erschien auch interessant, im Gegensatz dazu festzustellen, wie lange die Familien in einer Wohnung in Miete blieben. Statistisch genaue Zahlen anzuführen, scheint uns deshalb nicht ratsam, weil mitunter die Erhebung in einer erst kürzlich bezogenen Wohnung gemacht wurde und die Angabc fehlt, wie lange der Mieter in der Vorwohnung aushielt. Immerhin gewannen wir' den allgemeinen Eindruck, daß die minderbemittelte jüdische Volksklasse keine Neigung zu häufigen Umzügen besitzt, auch in schlechten Wohnungen gerne verbleibt und infolge ihres Konservatismus auch mit- : unter dann schwer zu einem Umzüge zu : bestimmen war, wenn wir einen solchen für; dringend nötig erachteten. Der von unserer Bevölkerungsschicht bevorzugte Stadtteil ist ' der Osten. Es lagen von den 250 Wohnungen 189 in Ostend, 49 im Nordosten,; je 5 im Zentrum und Südwesten, je 1 im | Süden und Nordwesten. Da gerade im Ostend der Zustand der meist alten Wohnungen wenig befriedigend ist, so wurde verj sucht, auf die Leute in dem Sinne einzuj wirken, daß sie bei Umzügen sich nach der j Peripherie der Stadt wendeten. Wie wenig j diese Bemühung von Erfolg begleitet war, ergiebt sich aus unserer Zusammenstellung, wonach von den 27 Umzügen nur 4 den Zug vom Osten weg erkennen ließen und nur einer sich unverkennbar nach der Peripherie bewegte. (3 nach N. O., 1 nach S.W.) Erwägt man das Für und Wider dieses Festhaltens am Ostend, so fällt freilich ein Gegensatz zu dem Verhalten der sozial gleichgestellten christlichen Bevölkerung unerwünscht ins Auge. Es wäre freilich begrüßenswert, wenn auch das jüdische Proletariat die neueren verhältnismäßig billigeren und wohnungstechnisch vorzüglichen Behausungen in den entlegeneren Stadtteilen mehr benützten, insbesondere auch von der nicht genug anzuerkennenden Einrichtung der Aktienbaugenossenschaft mehr Gebrauch machten. Jedoch muß eingeräumt werden, daß dies für die geringbemittelte jüdische Bevölkerung im Gegensatz zu der entsprechenden christlichen mit einigen Schwierigkeiten verknüpft ist. Als solche ist besonders zu betrachten, die große Entfernung von den Kultanstalten (Synagoge und Schule) und den Geschäften mit rituellen Lebensmitteln, auf die sie angewiesen sind. Von den im Zeitraum unserer Erhebung bewohnten Häusern waren 201 alt und 49 neu. Unter Berücksichtigung der Verteilung von Vorder- und Hinterhaus lauten die Zahlen : 193 mal Vorder-, 57 mal Hinterhaus. Die Verteilung auf die Stockwerke der Häuser ergiebt sich aus der folgenden Zusammenstellung. Es wohnten im Erdgeschoß 32 Familien, im 1. Stock 52, im 2. Stock 73, im 3. Stock 36, im 4. Stock 22 und im 5* Stock 1 Familie. Bei 35 fehlten Angaben über das Stockwerk. Was Ermietung der Wohnung betrifft, so ist nur in einem unserer Fälle der indirekte Weg der Aftermiete verzeichne