Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 12 (1916)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1916)
- Article
- Die Wohnverhältnisse der minderbemittelten jüdischen Bevölkerung in Frankfurt a. M. vor dem Kriege
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 92 (sequence 2)
- Language
- German
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tische Abhilfe bei dringlichsten Mißständen, schuf aber auch durch Aufzeichnungen die Möglichkeit zur theoretischen Erfassung der gemachten Beobachtungen. Die Aufzeichnungen wurden nach dem Vorschlage des beratenden Arztes auf einem einheitlichen Fragebogen gemacht. Dieser war ungefähr nach dem Vorbilde des von Kalle und Flesch (Die Wohnungsfrage vom Standpunkte der Armenpflege 1888) angewandten Formulars gefertigt. Die Aufzeichnungen, auf die wir die folgenden Ausführungen gründen, erstrecken sich auf den Zeitraum der Jahre 1910 bis 1913 incl. Die Verarbeitung der Ergebnisse wurde durch die vom Krieg bedingte berufliche Ueberlastung des Arztes wider unsern Wunsch bis jetzt verzögert. Wir waren uns bei der Benutzung und Wertung des Materials bewrußt, daß wir eine reine Statistik von wissenschaftlichem Werte aus verschiedenen Gründen nicht liefern können; denn erstens erfolgten unsere Erhebungen nicht gleichzeitig; zweitens wurden sie von zu unterschiedlichen Personen angestellt. Es wurden zwar in einer Reihe von Fällen durch den Armenarzt oder die Annenschwestern die Ergebnisse nachgeprüft, doch war dies nicht in allen Fällen angängig. Insbesondere mußte darauf verzichtet werden, unbedingt zuverlässige Angaben über die Ausmaße der Wohnräume zu erzielen, weshalb wir die Verwertung dieser Zahlen überhaupt unterließen. Auch allgemeine, für wohnungsstatistische Arbeiten jedoch schwer erläßliche Angaben bezw, Werturteile, wie die über den allgemeinen Eindruck und Zustand der Wohnungen erscheinen uns — und zwar nicht bei unserem Material zu subjektiv, als daß wir sie für eine statistische Verwendung geeignet erachteten. Bei der Beurteilung der wirtschaftlichen Lage der untersuchten Haushaltungen sahen wir uns, wie auch alle Voruntersucher, auf diesem Schaffensgebiet dem Mißstande gegenüber, daß wir großenteils auf die Angaben und die Zuverlässigkeit der Haushaltungsvorstände angewiesen waren. Dies gilt insbesondere, wie w7ir im Hauptteil noch zu zeigen haben werden, für das Einkommen und die Unterstützungen. Alle diese mit großem Zweifel hinzunehmenden Erklärungen ertragen nur schwer eine wissenschaftlich statistische Ausbeutung. Andrerseits bot uns die Art, wrie wir zu unserm Material gelangten, Vorzüge, wie sie bei Erhebungen von Statistiken nur ausnahmsweise zu Tage treten dürften. Es handelte sich um eine Menschengruppe, die insbesondere vom Armenarzte des öfteren besucht und' infolgedessen, soweit der allgemeine Eindruck ihres Wohnens, ihrer wirtschaftlichen Lage und ihres gesundheitlichen Zustandes in Frage kommt, gut gekannt ist. Auch soweit Fälle verwendet sind, die nur von den Mitgliedern der „Weiblichen Fürsorge14 besucht wurden, d. h. nicht vom Arzte, wurden fast ausnahmslos mehrere Besuche und Beobachtungen angestellt, da ja nicht die Erhebung einer Statistik, sondern andere soziale Aufgaben in die Behausungen führte Gerade hierdurch waren aber Einzelbeobachtungen möglich, die unsern Ausführungen, wie wir glauben, den Charakter einer deniologischen Studie zu geben vermögen. Unser Fragebogen enthält folgende Rubriken, aus denen sich ergibt, nach welchen Richtungen die Beobachtungen angestellt wurden : Bezeichnung von Haus und Stockwerk, Stadtteil, ob Vorder- oder Hinterhaus, alt oder neu, dann A) Bewohner: Nach Zahl, Altersklassen, Familie und Aftermieter getrennt, Beruf, Verdienst, Unterstützungen» Einkünfte ausAftermiete, Gesundheitszustand.