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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1916-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1916) · p. Seite 89

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
12 (1916)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1916)
Article
Die Geburtenfrage bei den deutschen Juden
Date
1916-07-01
Page
Seite 89 (sequence 11)
Language
German
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— 89 — bevölkerung entfielen auf das Alter 0 — 15 Jahre 329, bei den Juden 258, auf das Alter 15—50 Jahre im Allgemeinen 510, bei den Juden 529. Eine völlige Umkehrung sonach, die, wie wir gleichfalls gezeigt haben, dadurch zustande kommt, daß die Sterblichkeit der jüdischen Säuglinge um mehr als die Hälfte geringer ist, als in der christlichen Bevölkerung. Bevölkerungspolitisch und ohne Rücksicht auf die sich hier ergebenden Besonderheiten betrachtet, ist eine Gestaltung der Geburtennnd Bevölkerungsfrage im Sinne der Kleinhaltung der Geburten bei gleichzeitiger Verminderung der Säuglingssterblichkeit und der allgemeinen Sterbehäufigkeit als durchaus gesund zu bezeichnen. Würden alle im Säuglings- und Kindesalter Weg sterbenden überhaupt nicht geboren, so bedeutete das zwar einen nicht unbeträchtlichen Unterschied in der Zahl der Geburten und im ziffernmäßigen Aufbau des Volkganzen; an seiner biologischen Wertigkeit, seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und Stoß, kraft würde sich höchstens eine Aenderung nach der günstigen Seite darum vollziehen, weil die für die wieder Wegsterbenden gemachten Aufwendungen dann in Wegfall kämen. Was diese jung Weggerafften ihre Mütter an Zeit Kraft und Gesundheit gekostet haben, das Maß an Pflege, LicV: Luft und Nahrung, um das sie ihre Geschwister verkürzt haben, die Kosten für Hebamme, Arzt, Nahrung und Kleidung und endlich für den Sarg und das Begräbnis: alles das sind Passivposten der volkswirtschaftlichen Bilanz, denen keinerlei Aktivum an Leistung und wertschaffender Arbeit gegenübersteht. So wäre es besser, sie wären überhaupt nicht geboren oder nur in einem solchen Ausmaß geboren worden, wie es der für unvermeidlich gehaltenen natürlichen Sterbequote entspricht. Man hat lange Zeit hindurch als das Optimum der Säuglingssterbeziffer 10 °0 der Geborenen bezeichnet. Die Erfahrungen in den nordgermanischen Ländern haben aber gezeigt, daß dies Optimum bei einer Säuglingssterbeziffer von 6—7% liegen kann. Ebenso gut ist es um die jüdische Säuglingssterblichkeit besteilt, und die Tatsache, daß in ganz Deutschland inmitten des Krieges die Säuglingssterblichkeit bedeutend gesunken ist, läßt Günstiges erhoffen. Und was es bedeutet, welche wirtschaftliche und physische Widerstands- und Stoßkraft ein Volk entwickeln kann, das bei geringen Geburtenquoten durch sorgliche Nachkommenpflege und damit einhergehender Kleinhaltung der Sterbeziffer der Säuglinge und Kinder eine hohe Besetzung der produktiven, das heißt aber der arbeits- und wehrtüchtigsten Schichten erreicht, das hat in diesem Kriege das geburtenarme Frankreich überzeugend dargetan. Ganz dasselbe Bild wird sich ergeben, wenn eines späteren Tages möglich sein wird, zahlenmäßig nachzuprüfen, ob nicht die Juden in einem ihre zahlenmäßige Anteilnahme an der Gesamtbevölkerung weitaus übertreffenden Maße Heeresdienst getan haben. Nach meinem Dafürhalten wird eine solche Feststellung erfolgen und noch einmal die Legende vom jüdischen Drückeberger widerlegen und hoffentlich aus der Welt schaffen. Jedenfalls ist aber — und das ist das einzige, was uns vom Standpunkt unserer Sonderfrage aus beschäftigen darf — die Gestaltung des Altersaufbaus innerhalb der jüdischen Bevölkerung zusammen mit der veranlassenden, auf sorglicher Kinderpflege beruhenden geringen Sterblichkeit als eine durchaus gesunde Grundlage der Bevölkerungspolitik zu bezeichnen. Trotzdem hat die Sache eine für das

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