Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 12 (1916)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1916)
- Article
- Die Geburtenfrage bei den deutschen Juden
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 88 (sequence 10)
- Language
- German
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- 88 - gleicher Lohn für gleiche Arbeit und damit; die Möglichkeit, daß berufstätige Frauen ■ Kriegsbeschädigte heiraten und die Haupt-; last der Familienerhaltung tragen können, Veranstaltungen zu Schutz und Fürsorge für Mutter undKind, hauswirtschaftliche, küchentechnische und erziehliche Erleichterungen (Krippen,Kindergärten, Horte, etc.), die die Vereinigung von Ehe uud Beruf ihrer Härten und Schadenmöglichkeiten entkleiden, Lösung j der Wohnfrage und ähnliche Dinge mehr j sind es, durch die, unabhängig vom Be- : kenntnis, Ehehäufigkeit gesteigert, die Geburtenfreudigkeit gemehrt werden kann Daneben gibt es allerdings e i n äußeres 1 Mittel zur Hebung der Geburtenfreudigkeit, das nur für die Juden in Betracht kommt. Ein äußeres Mittel, das verblüffend einfach ist und ebenso selbstverständlich sein sollte:; daß man endlich einmal das Kaiserwort; vom 4. August 1914 wahr machte, nach; dem es im deutschen Vaterlande keine ■ Parteien, aber auch keine Konfession .mehr geben sollte, sondern nur noch Deutsche. Und das Wort des Kanzlers, das allen Tüch- : tigen freie Bahn verhieß. Die Juden haben sich als Deutsche; und als Tüchtige erwiesen in diesen blutreichen Tagen. So dürften sie billig fordern und erwarten, nicht anders behandelt zu werden, als alle andern. Gibt man ihnen dies Bürgerrecht der; gleichen Behandlung, nimmt man von ihnen die schicksalschwere iprage, welchen Beruf kann ich meinen Sohn, meine Tochter er-; greifen lassen, ohne fürchten zu müssen, daß sie darin als Juden nicht vorankommen können und ihnen so den Lebensweg zu erschweren, statt ihn zu erleichtern: dann wird man auch ihren Willen zum Kinde neu beleben. Heute sagt sich der Jude und muß sich sagen: nur wenn ich meinem Kinde den goldenen Schlüssel mitgeben kann, der alle Tore der Welt aufschließt (von dem anderen, von vielen mit Recht für schimpflich gehaltenen Weg der Taufe soll hier nicht die Rede sein), darf ich hoffen, es einigermaßen unangefochten durch die Weit kommen zu sehen. So will ich sorgen, daß dieser Schlüssel recht massiv sei und nicht in zu viele Teile zerlegt werden muß. Das Zweikindersystem ist die Folge dieser Sorge. So wirken die den Juden auferlegten Beschränkungen, die ihnen zugefügten Ungerechtigkeiten geburtenmindernd. Mögen sich darum die, die an den verantwortlichen Stellen sitzen, fragen, ob es nach allem, was die Juden für das Vaterland sind und zu sein vermögen, wohlgetan ist, die Geburtenwiiligkeit bei ihnen zu vermindern. Von dieser Grundlage aus, auf deren Gestaltung wir allerdings einstweilen wenig Einfluß haben, kommen wir abschließend zu der Erörterung einer für das Wesen und die Beeinflußung der Geburtenfrage bei den Juden wichtigsten Seite des Geburtenproblems. Von vielen Seiten ist schon vor dem Krieg und wird erst recht heute die Ansicht vertreten, daß nur eine außerordentliche Erhöhung der Geburtenzahl uns auf die Dauer vor feindlichem Anprall und der GefahrdesUeberrantwerdens schirmen könne. Prüfen wir diese Annahme auf ihre Richtigkeit. Gerade der Geburtenverlauf bezw. die Bevölkerungsbewegung innerhalb der jüdischen Bevölkerung ist hier ein Schulbeispiel. Die von uns mitgeteilte Altersgliederung der hessischen Bevölkerung hat uns gezeigt, daß trotz der vergleichsweise schwachen Besetzung der kindlichen Altersklassen bei den Juden eine ungemein starke Besetzung der produktiven Altersklassen vorhanden ist Der Einfachheit halber seien die bezüglichen Zahlen noch einmal wiederholt. Auf je 1000 Personen der Gesammt-