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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1916-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1916) · p. Seite 87

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
12 (1916)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1916)
Article
Die Geburtenfrage bei den deutschen Juden
Date
1916-07-01
Page
Seite 87 (sequence 9)
Language
German
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— 87 - Diese Aufgabe kann aber nicht dadurch : gelöst werden, daß man die Erwerbstätigkeit; der Frauen verbietet und sie wiederum auf! das Haus als ihr ausschließliches Arbeitsj und Daseinsgebiet verweist. Ein solches j Unterfangen hieße, das Rad der Entwickelung j zurückdrehen wollen. Es sei uns erlassen, j die oft dargelegten persönlichen und famij lienhaften, produktions- und konsumtionsj technischen Gründe für die Unmöglichkeit j dieser Rückwärtsentwickeiung an dieser Stelle j noch einmal zu wiederholen. Sie sind j heute wesentlicher denn je, und nie noch i gab es eine Zei,t die die Unentbehrlichkeit; der Frauenarbeit als Produktionsfaktor so j klar vor Augen gestellt hat, als diese Kriegstage. | Aber auch nach dem Kriege wird das nicht anders sein/) Angesichts der schweren i Verluste, die wir draußen auf den Schlacht- \ leidern erlitten haben und erleiden, ange- : gesichts der Tatsache, daß wir von allen j lebenswichtigen Rohstoffen und Fabrikaten j entblößt sind und der daraus erfließenden Auf- ' gäbe, nach Friedenschluß alles daran zusetzen, \ um den Inlandsbedarf zu decken und j wieder exportfähig zu werden,müssen wir I auf Jahre und vielleicht Jahrzehnte hin- I aus jede irgend verfügbare Arbeitskraft; in den Dienst der Gütererzeugung stellen, j So treten zu den persönlichen und familien- ' wirtschaftlichen Gründen der angespannten; weiblichen Erwerbstätigkeit auch noch die all-; gemeinen volkswirtschaftlichen Notwendig-; keiten.; Daher kann von einem Aufhören der \ weiblichen Erwerbtstätigkeit nach dem Kriege; nicht die Rede sein, kaum von einem Nachj lassen und höchstens von einer Umordnung j der Berufsarten.. Damit ist auch für das j Judentum die Nötigung gegeben, sich mit; *) Vgl. Furth: „Die deutschen Frauen im Kriege".; J. G. B. Mohr, Tübingen 1917. | der Frauenarbeit als mit einer feststehenden Tatsache abzufinden. Es kann sich nur darum handeln, dieses Entwickelungsmuß seiner Härten und besonders seiner lebensfeindlichen und herabziehenden Wirkungen zu entkleiden. Das kann geschehen, indem wir innere und äußere Gegenkräfte bereit machen. Die schweren Tage, die wir miteinander durchleben, sollten für Alle, die Ohren haben zu hören, Augen zu sehen und Herzen zu empfinden, zu eindrucksvollen Lehrern auf dem Gebiete der inneren Erziehung, das ist aber der Kultus des Herzens, werden* Wem die Quellen seiner Kraft aus dem tiefen Born der Naturbetrachtung und Naturfreude, aus des Schöpfungen des Geistes und der Kunst zuströmen, der ist wohl ausgerüstet zum Lebenskampf. Hier gilt es fort-, und wo es not tut, neu zu bauen. Die tiefsten Gründe tnenschwerten Lebens all jenen zu erschließen, die bis dahin noch nichts von den dort zu hebenden Lebensreichtümern wußten. Und ihnen in der Familie eine Heimstatt zu bereiten. Dort einen Kristallisations- und Ausstrahlungspunkt solcher Kultur des Herzens und Geistes zu schaffen, daß alle Glieder der Familie immer und gerne wieder zu ihr zurückstreben, als einer Oase im Lebensgewühl und einem ewigen Jungborn für Geist und Gemüt. Das ist keine Utopie und kein Traum. Es gibt heute schon solche Heimstätten des Gemüts, und an den Frauen, den Hausfrauen, Gattinnen und Müttern wird es sein, ihre Zahl zu mehren. Wir können es uns versagen, näher auf die äußeren Hilfsmittel einzugehen, durch die den Frauen das Erwerbenmüssen erleichtert und seiner Schädigungsmöglichkeit vorgebeugt werden kann. Sie sind für das Judentum keine anderen, wie für die Allgemeinheit. Tüchtige Berufsschulung,

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