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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1916-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1916) · p. Seite 85

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
12 (1916)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1916)
Article
Die Geburtenfrage bei den deutschen Juden
Date
1916-07-01
Page
Seite 85 (sequence 7)
Language
German
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- 85 - sehen erhöht und gefestigt werde. Der Jude will jeweils für sich, immer aber für seine Kinder höher hinaus, als die ihm selbst zugewiesene Geseilschaftstufe war. Das „auf daß es Dir wohl ergehe auf Erden" wird in die Nachkommenschaft projiziert Sie sollen es besser haben, als die Eltern es hatten. So wird ein Ewigkeitsbegriff geschaffen, der eine irdische Unsterblichkeit höchst persönlicher Art verkörpert, ein Fortleben in den Kindern so gedacht, daß der Abglanz der Lebenshöhe und des Lebenserfolges rückstrahlend auch das Andenken der Eltern und Vorväter umfließen soll. Eine neue Art des „Kadisch", dessen, d^r das Andenken an die Eltern aufrecht erhält, und zwar eine Art, die man nicht ohne Ergriffenheit anschauen kann. Aber sie enthält in sich die große Gefahr, daß man im Eifer der Zielsetzung und Zielstrebigkeit den Blick für die Beurteilung der besten Wege zu diesem Ziele verliert und verhängnisvolle Irrwege einschlägt Gerade die Zeit, in der wir uns befinden, muß uns ein Memento sein und uns von einem Wege zurückrufen, der für das Judentum als Stammesgemeinschaft unfehlbar bei der Vernichtung enden muß, wenn er nicht rechtzeitig verlassen wird. Blicken wir uns doch im jüdischen Mitbürgertum um. Wie oft sind wir in diesen Tagen Anzeigen begegnet, in denen der Verlust des eigenen Sohnes oder gar des einzigen Kindes von trostlosen Eltern beklagt wurde. Das sind oft dieselben Eltern, die aus mißschaffener Nachkommenschaftsliebe auf ein Mehr von Kindern verzichtet haben und die nun am Abend ihres Lebens einsam und verlassen in einer für sie verödeten Welt zurückgeblieben sind. Wir haben solchem Einzelschicksal, tragisch, wie es sein mag, nicht nachzugehen, wenn es nicht, wie hier, zum Ausgangspunkt die Gemeinschaft bedrohender katastrophaler; Ein Wickelung wird oder zu werden sich anschickt. Eine solche Gefahr hat aber das Zusammentreffen des fürchterlichsten Weltgeschehens mit geburtenmindernden Tendenzen in der Tat für das Judentum heraufbeschworen. Wir werden weiterhin davon zu reden | haben, wie man solcher Gefahr begegnen I könne. Zuvor sei aber noch weniger all-! gemeiner Zusammenhänge der Geburten- \ frage und ihrer besonderen Einwirkung auf \ das Judentum gedacht. Eine solche Sonderfrage ist die Aus-; breitung der Geschlechtskrankheiten und ihre : Einwirkung auf Zahl und Beschaffenheit des; Nachwuchses. Es kann dabei nicht unsere Aufgabe rein, näher auf das Wesen, die : Ursachen und Folgeerscheinungen dieser I Volksgefahr einzugehen.*) Wir haben uns i an dieser Stelle nur mit den für das Juden- I tum wesentlichen inneren Gründen für die I Ausbreitung der Geschlechtskrankheiten zu; beschäftigen. Da treffen wir an erster Stelle auf die beklagenswerte Erscheinung, daß I das Palladium und der Stolz des Judentums, i daß innige, alle Glieder fest umspannende I und in der Tiefe des Gemüts erfassende | Familienleben der Juden sich in einem Auflösungs- und Abbröckelungsprozesse befindet. Das ist nicht nur eine Folge der j für unsere Zeit vor dem Kriege so charak-! teristischen gesteigerten Genussucht bei I gleichzeitiger Veräußerlichung und Ver- | flachung des Lebens, sondern es wird i weiterhin durch den umstand bedingt, daß! auch die jüdischen Frauen und Mädchen in immer größerem Ausmaß in das Erwerbs- | *) Vgl dazu Fürth: „Die Bekämpfung der : Geschlechtskrankheiten, der Krieg und die Bcvülke-! riiiigsfrage im Lichte der Bevölkerungspolitik." Zcit- | schriit für Ikkümpiiiug der Geschlechtskrankheiten, IXVI Bd. Barth. Leipzig.

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