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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1916-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1916) · p. Seite 84

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
12 (1916)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1916)
Article
Die Geburtenfrage bei den deutschen Juden
Date
1916-07-01
Page
Seite 84 (sequence 6)
Language
German
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— 84 - dische Bevölkerung der Provinz Brandenburg hat sich in den angezogenen Zählperioden von 25706 auf 40427 erhöht. Von dieser Erhöhung entfallen 64,3?/ auf Charlottenburg, Schöneberg und Rixdorf. Berlin hat heute etwa 140 000 bis 150 000 Juden. Also ein Viertel des deutschen Judentums lebt in dieser einzigen Stadt, die, wie wir gezeigt haben, in bezug auf Geburtenfrequenz französische Zustände erreicht, wenn nicht übertroffen hat. 1905 wohnten in Berlin 98893 Juden — 24,14% aller preußischen Juden. Insgesamt finden wir von den 607 862 Juden des Jahres 1905:314265, also über die Hälfte in Städten mit über 50 000 Einwohnern, und in Städten über 100 000 Einwohnern 294 614. (Segall a. a. 0. S. 9.) Selbst wenn sie wollten, könnten sich die Großstadtjuden den geburtenrninderndeu Milieueinflüssen nicht entziehen. Aber sie wollen gar nicht und könnten es auch schon darum nicht, weil die in der Allgemeinbebevölkerung denn doch noch vorhandenen Gegentendenzen geburtenerhöhender Art bei den Juden fast ganz in Wegfall kommen. Die Juden gehören zu einem ziemlich großen Teil den Volkskreisen an, in denen die Kleinhaltung der Familie allmählich traditionelle Formen angenommen hat. Die Intellektuellen, die Beamten, der mittlere und der reich begüterte Kaufmannsstand gehören hierhin. Nach Grassl (bei Brentano: Die Malthuslehre und die Bevölkerungsbewegung der letzten Dezennien, Abh. der Kgl. Bayer. Akademie d. Wissenschaften, Bd. 24, 3. Abt.) gehörten nach der Berufszählung von 1905 in Bayern an: dem Bürgerstand 20,57% Arbeiterstand 52,98 % Beamtenstand 26,45 % Es trafen von Geburten auf diese Stände : den Bürgerstand 18,7% Arbeiferstand 65,4 % Beamtenstand 15,9 % Von der jüdischen im Hauptberuf erwerbstätigen Bevölkerung, die im Jahre 1907 sich einschließlich der Dienenden und berufslosen Selbständigen auf 292.759 Köpfe belief, gehörten 55, 2 % der Gruppe Handel und Verkehr, 6,6 % den freien Berufen, 14,2 % den berufslosen Selbständigen an. Daneben müssen wir aus der Tatsache, daß z. B. in der Wäschekonfektion 18,58% der hier beschäftigten Juden, in der Brennerei 12,01 und in der Fabrikation von Sprengstoffen 10,42% dem Unternehmertum angehören, schließen, daß auch ein großer Teii der in Industrie und Gewerbe tätigen Juden jener Gesellschaftsschicht angehört, bei der die geburtenmindernden Einflüsse sich ziemlich stark auswirken. Da in Gewerbe und Industrie 22,60 % aller jüdischen Erwerbstätigen beschäftigt sind, gehen wir nicht fehl, wenn wir unterstellen, daß etwa vier Fünftel aller deutschen Juden einem Milieu angehören, das geburtenmindernden Tendenzen zumindest sehr zugänglich ist. So kommt alles zusammen, das Volk des Kindersegens, dem das „Seid fruchtbar und mehret euch!" als göttliches Gebot mit auf den Lebensweg gegeben war, seiner traditionellen Sendung zu entfremden. Und, so paradox es klingt, gerade die tamilienbildenden und erhaltenden Eigenschaften des Judentums, die Familientreue und Familiensorge, sind es, die dem Kinderreichtum hindernd im Wege stehen. Bei den Juden ist das generative Verantwortlichkeitsgefühl gerade infolge ihrer Familienhaftigkeit besonders ausgebildet. Sie fühlen sich verpflichtet, ihren Kindern die Wege in und durch das Leben allseitig zu ebnen, ihnen alle Bildungsmöglichkeiten zu erschließen, ihnen soviel an Geld und Gut zu hinterlassen, daß ihre ökonomische Unabhängigkeit und Stoßkraft gesichert, ihr gesellschaftliches An-

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