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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1916-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1916) · p. Seite 83

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
12 (1916)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1916)
Article
Die Geburtenfrage bei den deutschen Juden
Date
1916-07-01
Page
Seite 83 (sequence 5)
Language
German
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— 83 - (Jahrg. 3, Heft 7) erörtert Prof. Silbergleit den Geburtenrückgang in Berlin. Den im Jahre 19 il geborenen 44 834 Kindern stehen 46 298 aus dem Jahre 1876 gegenüber. Das bedeutet für 1876: 47,19 Kinder auf das Tausend derBevölkerung und im Jahre 1911: 21,64 Prom. Und zwar sind es vor allen Dingen die Ehen, deren Fruchtbarkeit nachgelassen hat, während der Anteil der Geburtenfrequenz der Unehelichen von 15-16 Proz. in den 90er Jahren auf 22,2 Proz. im Jahre 1911 gestiegen ist. (Auch dies wiederum ein Beweis dafür, daß es sich nicht um ein Nachlassen der physiologischen Fruchtbarkeit, d. i. aber des Zeugungsvermögens, handelt.) Den 40095 ehelich Geborenen von 1876 standen 1910 nur 36 331 ehelich Geborene gegenüber. Der Geburtensatz auf 1000 Ehefrauen betrug 1876: 240,3, 1910 nur noch 90,5. Demgemäß finden wir in Berlin z. B. im Jahre 1905 bei einem Reichs-Geburtenüberschuß von 13,16 %o nur einen solchen von 8,3 °!oö und eine Uebersicht*) aus dem Jahre 1911 zeigt in absoluten Zahlen in Eheschlicß. Geborene Gestorbene Uebersch Westfalen 4176 148324 71692 76632 Rheinland 55349 220521 126757 93764 Berlin 22672 44849 33956 10893!n Berlin ein Geburtenüberschuß von einem Viertel aller Geborenen, in Westfalen von mehr als der Hälfte. Hier eine abnorm niedrige, dort eine erfreulich hohe Zahl von Geburten. Die Stadt mit ihren mannigfachen Genußaber auch Kultunnöglichkeiten, ihrer Wohndichte und Wohnteueruug, ihrer Verteuiung der Erziehungs und gesamten Lebenshaltung, ihrer Verschärfung des Lebenskampfes und endlich ihrer besseren Kenntnis antikonzeptioneller Mittel *) Vgl. Fürth: „Der Rückgang der Geburten als soziales Problem," Jahrbuches für Nationalökonomie und Statistik. Bd. 45, wirkt geburtenmindernd, so lange ihr nicht in der Möglichkeit guten Auskommens, wie wir es in den industriell engagierten Gegenden Deutschlands vor uns sehen, ein Gegengewicht geschaffen wird. Mit Momb e r t ist daher zu schließen*): „Je teurer die Lebenshaltung wird, je größer die öffentlichen Lasten, je höher die Lebensansprüche, in um so weiteren Kreisen und mit um so größeren Nachdruck werden wirtschaftliche Erwägungen eine Verminderung der Geburten herbeiführen." Und nun zu den Juden. Sie sind in Deutschland ein Stadtvolk geworden und werden es immer mehr. Nicht nur weil die Großstadt dem Tüchtigen, Umsichtigen und Klugen mehr Möglichkeiten des Emporkommens bereit hält, sondern auch weil man in vielen Gegenden Deutschlands den Juden das Leben auf dem Lande und in der Kleinstadt verleidet, ja ihnen sogar mancherorts (es .sei hier an die Provinz Posen erinnert) die ökonomische Lebensmöglichkeit durch wirtschaftlichen Boykott, Hetzereien und Quälereien mannigfacher Art geradezu abgeschnitten hat. Dieser Zug nach der Großstadt läßt sich zahlenmäßig verfolgen. So hatte das Rheinland im Jahre 1880 43694 Juden, 1890 waren es 52251, und 1905: 55408. Von der 3157 Köpfe betragenden Zunahme zwischen 1890 und 1905 entfallen 3064 auf die Städte Cöln, Essen, Düsseldorf, Duisburg. An der Zunahme in Hessen-Nassau (1890:48105; 1905: 50016) war Frankfurt a. M. mit 1502 Köpfen beteiligt. Trotz dieser Zuwanderung sehen wir dort den jüdischen Anteil an der Gesamtbevölkerung von 7,60;^ im Jahre 1900 auf 7,00;% im Jahre 1905 sinken. Die jü- *) „Ueber den Rückgang der Geburten- und Sterbeziffern in Deutschland/ Archiv für Soziologie. Bd. 34, S. 821.

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