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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1916-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1916) · p. Seite 82

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
12 (1916)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1916)
Article
Die Geburtenfrage bei den deutschen Juden
Date
1916-07-01
Page
Seite 82 (sequence 4)
Language
German
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— 82 — scheint. An und für sich ist gegen diese | wirtschaftliche Vorsicht nichts einzuwenden. Sie wird aber, wie die Zahlen zeigen, zu j einer unmittelbaren Gefahr für den Fortbei stand des Judentums, wenn und weil sie \ die Formen übersteigerter Vorsicht und allzu; hoch geschraubter Lebensansprüche annimmt, j Es kann nicht geleugnet werden, daß die j Entwicklung vor dem Kriege diesen Weg | genommen hatte. Noch stärker als bei den Eheschliesj sungen setzte sich diese rationalisierende j Tendenz, wie wir gezeigt haben, bei den | Geburten durch. Der sich hier zwischen; der jüdischen und der Allbemeinbevölke-; rung ergebende Abstand wäre noch größer, wenn nicht die aus Osteuropa zuwandern-; den Juden größere Geburtenziffern aufzuweisen hätten. In Bayern ergibt sich im Jahre 1905 bei 903 jüdischen Geburten ein Ueber-; schuß von 246—27,0 %, j 1908 bei 853 jüdischen Geburten ein Ueber- \ schuß von 108-12,6 %, j 1909 bei 759 jüdischen Geburten ein Ueberschuß von 32 -4,2 %. Die aus dem Osten Zugewanderten stellten die Hälfte des Nachwuchses. \ Ihr Anteil an der jüdischen Bevölkerung j Münchens bezifferte sich nur auf ein Drittel, j Aus weichen besonderen Ursachen der j erschreckende Absturz von 1908 auf 1909 j hervorgegangen ist, entzieht sich meiner j Kenntnis. Aber selbst wenn wir ihn unberücksichtigt lassen, ergibt sich im Ganzen eine so stark rückläufige Tendenz der jüdischen Volksvermehrung in Bayern wie im ganzen Reich, daß wir den Ursachen sorgfältig nachgehen müssen. Dabei ist von vornherein die Unterstellung auszuschließen, daß der Geburtenrückgang auf einem Nachlassen der Zeugungsfähigkeit beruhe. Wäre das der Fall, so müßte sich das auch bei außerehelichen Geburten geltend machen. Hier haben wir im Gegenteil eine im Vergleich zu den ehelichen steigende Zahl von Geburten festzustellen. Somit kann nur eine Minderung des Zeugungswillens als erste Ursache des Geburtenrückganges angenommen werden. Geburtenminderud wirkt weiter der! Umstand, daß das Ehealter bei den Juden! und zwar besonders beim männlichen Gej schlecht durchgängig höher ist als in der | übrigen Bevölkerung. In Berlin waren am | 1. 12. 1900 von allen über 20 Jahre alten Personen bei den männlichen Christen 60,38% , bei den Juden nur 51,62% verheiratet. Beim weiblichen Geschlecht lauten die betreffenden Zahlen auf 53,83% bezw. 52,51 %. Naturgemäß ist bei den Spätehen die Zahl der zeugungsfähigen, noch mehr aber die der zeugungswilligen Jahre kleiner. Der späte Eheschluß läßt aber überdies vermuten, daß bei den bezüglichen Eheschließenden die vorsischtige Abwägung und Zurückhaltung ein bestimmendes und daher auch die Geburtenwilligkeit erheblich beeinflußendes Moment ist. Von noch wesentlicherem Einfluß auf die allgemeine Geburtlichkeit bei den Juden sind aber eine Reihe anderer Faktorei], die zwar für die übrige Bevölkerung ebenso geltend zu macheu sind, wie für die Juden, die sich aber bei ihnen darum stärker auswirken, weil es sich dabei um ein Zusammentreffen verschiedener Ursachenreihen handelt. Die Juden sind ein Stadtvolk. (Aus welchen Gründen sie das wurden und werden mußten, wird weiterhin zu erörtern sein.) Nirgends aber machen sich die geburtenmindernden Einflüsse stärker geltend, als in den Großstädten. Als typisches Beispiel ist Berlin anzusprechen. In den „Statistischen Monatsberichten Groß-Berlin"

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