Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 12 (1916)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1916)
- Article
- Bevölkerungsbewegung der Juden in Berlin
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 63 (sequence 7)
- Language
- German
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Der in der Folge eintretende Rückgang war aber keineswegs so geartet, wie seiner Zeit in den 70er Jahren und hielt auch nur bis in die Mitte des betreffenden Jahrzehnts an, wo abermals ein Aufschwung erfolgte, der allerdings nicht so konstant war und bis gegen Ende des Jahrhunderts anhielt. Dann aber machten sich bereits die Vorboten der herannahenden Depression geltend, j die 1902 einsetzte und bis 1904 dauerte. Dann aber kam eine kurze Zeit der Besserung bis 1905 und eine nur etwa 2 Jahre dauernde Hochkonjunktur bis 1907, die von einem abermaligen Niedergaug abgelöst wurde. Kehren wir nun zu den Eheschließungen zurück, so ist die Entwicklung der Ehefrequenz bei allen drei Konfessionen von 1880 bis 1885 die gleiche gewesen und analog der oben festgestellten Allgemeinentwicklung. Entsprechend der langsam aber unaufhaltsam sich vollziehenden Besserung der wirtschaftlichen Lage stieg von Jahr zu Jahr die Zahl der ungemischten Ehen. Bei den Katholiken betrugen die Zahlen in den einzelnen Jahren von 1880 bis 1885 folgendermaßen: 1880 8764, 1881 8990, 1882 95677 1883 10023, 1884 10534, 1885 11229. Bei den Evangelischen verhielt es sich, wie aus den nachstehend aufgeführten Ziffern herrvorgeht, ebenso :1880 250, 1881 298, 1882 246, 1883 272, 1884 31(5, 1885 352, und endlich bei den Juden können wir die gleiche Erscheinung konstatieren, denn die Zahl der von ihnen gej schlossenen ungemischten Ehen behug: 1880 310, 1881 327, 1882 347, 1883 354, 1884 374 und 1885 405. Die gemischten Ehen haben von 1880 j bis 1885 ebenfalls langsam zugenommen, j Greifen wir nur die Mischehen zwischen j evangelischen Männern mit katholischen j Frauen, katholischen Männern mit evani gelischen Frauen und jüdischen Männern mit evangelischen Frauen heraus. Da die Ziffern für die übrigen Mischehen zu klein sind, so lauten die Zahlen der erstgenannten Gruppe in den einzelnen Jahren folgendermaßen: 1880 525, 1881 549, 1882 6185 1883 618, 1884 644, 1885 711. Man sieht ganz deutlich, daß der absolute Zuwachs immer sich auf ungefähr gleicher Flöhe hielt, und daß das Jahr 1885 sich durch ein stärkeres Ansteigen hervorhebt. Es ist eigentümlich, daß 1883 die Mischehen bei allen drei Konfessionen heruntergingen. Worauf dieser vorübergehende Rückgang zurückzuführen istv läßt sich nicht teststellen. Man könnte lediglich anführen, daß im gleichen Jahre auch die ungemischten Ehen im Vergleich zu den vorangegangenen und folgenden Jahren dieses Jahrfünfts die relativ geringste Zunahme aufwiesen. Für die Mischehen zwischen Juden und Evangelischen (Männern und Frauen) lauter: die entsprechenden Zahlen: 1880 57, 1881 60, 1882 76, 1883 51, 1884 48 und 1885 67: auch hier also die absolut und relativ größte Zunahme 1885. Nun zu dem Jahrfünft 1886 bis 1890. Wie oben konstatiert, brachte dieses Jahrfünft Berlin einen gewaltigen Zustrom an Menschen; es ist das Jahrfünft einer wirtschaftlichen Hochkonjunktur, und als Folgeerscheinung sehen wir ein Emporschnellen der Eheschließungen bei der Gesamtbevölkerung und naturgemäß auch bei den einzelnen Konfessionen. Von 1885 bis 1886 stieg die Eheschießungszahl von 13866 auf 14451, im darauf folgenden Jahre auf 15 209, im Jahr 1888 auf 15792, im Jahr 1889 auf 16760 und wuchs an auf 17810 bis 1890; in den letzten beiden Jahren betrug demnach die Zunahme ca. 1000. Vergleicht mau damit die Tabelle der Zu- und Fortzüge, so sieht man, daß in diesen bei-