Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 12 (1916)
- Issue
- Heft 4-6 (April 1916)
- Article
- Grundzüge einer Bevölkerungsstatistik der Juden
- Date
- 1916-04-01
- Page
- Seite 49 (sequence 7)
- Language
- German
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- 49 - mengesetzt ist. Es ist dies der Fall in Oesterreich-Ungarn, Rußland, Bulgarien, den Vereinigten Staaten von Nordamerika. In all diesen Ländern ist die Muttersprache der jüdischen Bevölkerung teils in ihrer Eigenschaft als konfessioneller teils als nationaler; Bestandteil der Gesamtbevölkerung in den letzten Zählungen festgestellt worden. Von besonderer Bedeutung ist der letzte Census \ (1910) in den Vereinigten Staaten von Nord-; Amerika, bei welchem die jiddische und hebräische Muttersprache erfragt worden ist.; Die Träger dieser Muttersprache wurden j nach dem Herkunftsland ausgeschieden. Von [ den westeuropäischen Staaten besitzt nur i Preußen eine Statistik nach Muttersprache j und Religion, die zu wiederholten Malen, | zuletzt 1910, aufgenommen worden ist In das Gebiet der Unterscheidung der; Bevölkerung nach sozialen Gesichtspunkten j gehört endlich abgesehen vom Beruf, der; in einem besonderen Zweig der Statistik, I nämlich der Berufs- und Wirtschaftsstatistik; zur Behandlung gelangt, die Gliederung nach : der Staatsangehörigkeit, Natio -! n a 1 i t ä t und Gebürtigkeit. j Eine Statistik der Juden nach der Staatsangehörigkeit ist in den Ländern von : Wichtigkeit, wo größere Massen eingewandert j sind, welche die Staatsangehörigkeit des \ Einwanderungslandes nicht besitzen, so unter; den deutschen Bundesstaaten in Preußen, ' Sachsen und Hessen, ferner in Oesterreich und der Schweiz. Für diese Länder existieren auch Volkszählungsangaben in dem gewünschten Sinne. In einem Lande besitzen auch die eingeborenen Juden nur zu einem geringen Teil die Staatsangehörigkeit, nämlich in Rumänien; auch hier unterrichtet die amtliche Statistik über den Anteil der jüdischen Bevölkerung an der Gesamtzahl der rumänischen Staatsangehörigen. Eine Statistik^ der jüdischen Nationalität in dem Sinne, daß festgestellt ist, wieviele Juden sich als Nationaljuden bekennen, existiert nur in ganz beschränktem Umfang. Nur die russische und bulgarische Statistik kennt eine jüdische Nationalität. Ebenso fehlen leider in den meisten Ländern statistische Feststellungen der Gebürtigkeitsverhältnisse der Konfessionen, sodaß wir eine allgemeine Gebürtigkeitssta^stik der jüdischen Masse nicht besitzen, und gerade dieser Zweig wäre von größter Bedeutung, da er über die räumlichen Verschiebungen der jüdischen Bevölkerung interessante Aufschlüsse erteilen könnte. Wir besitzen nur Bruchstücke einer solchen Statistik. Im Deutschen Reich wurde im Jahre 1900 eine derartige Feststellung getroffen. Im folgenden zweiten Teil unserer Darstellung wollen wir uns mit der S t a t i s t i k d er Bev/egun g" u n d Entfaltung der jüdischen Bevölkerung befassen. Das Material, weiches als Unterlage der Betrachtung der Vorgänge auf diesen beiden Gebieten dient, ist so reichhaltig, daß auch nur eine unvollständige Aufzählung weit den Rahmen des uns zur Verfügung stehenden Raumes übersteigen würde. Es gibt kaum eine statistischer Untersuchung zugängliche Frage, die in das Kapitel der Bevölkerungsbewegung einschlägt, zu deren Beantwortung es an geeignetem Material vollständig fehlt Wohl sind nicht alle Teile dieses so reich verzweigten Gebietes gleichmäßig gut ausgestattet, ganz leer'ist keiner von ihnen ausgegangen. Darauf ist es wohl auch zurückzuführen, daß die Bevölkerungsbewegung der Juden am frühesten und eingehendsten wissenschaftlich studiert wurde und wegen typischer und demologisch wichtiger Erscheinungen, die in ihr zutage traten, die