Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 12 (1916)
- Issue
- Heft 4-6 (April 1916)
- Article
- Grundzüge einer Bevölkerungsstatistik der Juden
- Date
- 1916-04-01
- Page
- Seite 50 (sequence 8)
- Language
- German
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- 50 - Aufmerksamkeit breiter Kreise, auch amtlicher Stellen erregte. Wir müssen uns damit begnügen, systematisch in großen Zügen die einzelnen Abteilungen und Unterabteilungen aus der Statistik der Bevölkerungsbewegung der Juden? zu deren Bearbeitung Material vorliegt, auf-; zuführen und gleichzeitig die Länder zu nennen, deren amtliche Statistik die Quellen liefert. Die eingeklammerten Jahresahlen geben den Zeitpunkt an, von dem ab Material existiert. Wir beginnen mit der Statistik der Geburten. Ganz allgemein über die rein zahlenmäßige Entwicklung der Geburtlichkeit bei den Juden orientieren uns die amtlichen; Veröffentlichungen in Preußen (1821). Bayern j (1876), Württemberg (1898), Sachsen (1912), j Baden (1908), Hessen (1866), Hamburgischer j Staat (1905), Holland (1906), Oesterreich I (1895), Ungarn (1881), Europ. Rußland (ohne Polen) (1868), Polen (?), Rumänien (1870), Bulgarien (1881), Serbien (1895), Algerien (1873?). Hervorgehoben sei, daß für Preußen seit 1875 die Bevölkerungsbewegung nach Kreisen ausgeschieden wird; dasselbe geschieht; in Hessen. Oesterreich veröffentlicht die; i Zahlen für die Verwaltungsdistrikte, Rußland \ für die einzelnen Gouvernements. In einem Teile der genannten Länder werden nur die Zahlen der Lebendgeburten angegeben, so \ in Württemberg. Holland, Ungarn und Rumänien; da aber in den übrigen Ländern sowohl die Gesamtzahl der Geburten, wie die Zahl der Totgeburten besonders ermittelt wird, ist eine Vergleichung der Geburtenbewegungmöglich. DieGegenüberstellungder 1 Geburtenzahlen für die jüdische Bevölkerung und Gesamtbevölkerung innerhalb der betreffenden Länder sowie der Vergleich zwischen dem Verlauf der jüdischen Geburtenbewegung in den einzelnen Ländern zeigt einerseits, daß der Geburtenrückgang bei den Juden überall viel früher begonnen hat als bei der übrigen Bevölkerung, daß es sich ferner hierbei um eine soziale Erscheinung handelt, die bei allen Juden, auch den russischen, galizischen und rumänischen zu beobachten ist, sodaßalso von einer spezifischen Fruchtbarkeit der Juden nicht gesprochen werden kann. Ob bei den jüdischen Geburten der allgemein festgestellte Knabenüberschuß ebenfalls zu beobachten ist, kann an der Hand des vorliegenden Materials ermittelt werden. Von den oben aufgezählten Ländern fehlen lediglich Württemberg, Baden, Sachsen, Hessen, Hamburgischer Staat, Serbien Doch muß darauf hingewiesen werden, daß die Angaben der russischen Statistik aus den ersten Jahrzehnten mit Vorsicht aufzunehmen sind. Es sind nämlich damals nicht alle männlichen Geburten von den Juden den Behörden mitgeteilt worden. Die Legitimität der jüdischen. Geburten, mit andern Worten, die Zahl der unehelich geborenen jüdischen Kinder ist in allen Ländern, die eine allgemeine Statistik der jüdischen Geburten besitzen, für die gleiche Anzahl von Jahren festgestellt worden. Ob und in welchem Maße man also von einer Zunahme der Unehelichkeit unter den Juden sprechen kann, ist statistisch erfaßbar. Man kennt die Gesamtzahl der jüdischen ehelichen und unehelichen Geburten, und kann sie mit den entsprechenden Ziffern der Gesamtbevölkerung in Vergleich setzen. Auch hier, ist zu beachten, daß die Angaben für Rußland aus dem oben angeführten Grunde wenigstens zeitweise der Wirklichkeit nicht ganz entsprechen dürften. Ferner muß bei der österreichischen Statistik Galizien unberücksichtigt bleiben, da hier zu den unehelichen Geburten auch jene gerechnet sind,