Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 12 (1916)
- Issue
- Heft 4-6 (April 1916)
- Article
- Grundzüge einer Bevölkerungsstatistik der Juden
- Date
- 1916-04-01
- Page
- Seite 48 (sequence 6)
- Language
- German
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— 48 — Vorsicht die Verbreitung der Gebrechen j unterdenJuden mit denen unter denNichtjuden zu vergleichen. Preußen hat im Jahre 1871, 1880, 1895, 1900, 1905 und 1910 die oben genannten vier Gruppen der Gebrechlichen nach der Konfession ausgezählt In den Zählungen 1880,1895 und 1900 wurde zwischen angeborenen und später erworbenen Gebrechen unterschieden. Im Jahre 1895, 1900 und 1905 wurde auch das Vorkommen von mehrfachen Gebrechen festgestellt. Bayern hat die Blinden und Taubstummen 1871 und 1900 nach der Konfession ermittelt, die übri- | gen Gruppen nur 1871 angegeben. Für j das Deutsche Reich mit Unterscheidung nach | Bundesstaaten besitzen wir aus dem Jahre! 1900 eine Statistik der Blinden und Taubj stummen, welche für jedes der beiden Gej brechen die Unterscheidung zwischen „angej boren" und „später erworben" kennt. Von den! übrigen Staaten sind zu erwähnen Rußland, j das bei der Volkszählung von 1897 eine Kombination zwischen Muttersprache und Gebrechlichkeit durchgeführt hat. Es sind hier die Blindgeborenen, später Blindgewordenen, Taubstummen, Stummen, Geisteskranken unter den Juden jenen unter Russen, Polen, Deutschen etc. gegenübergestellt; endlich Serbien (1900) und Rumänien (1899). Die Unterscheidung der Masse nach s o - z i a 1 e n Gesichtspunkten läßt sich ebenfalls in den wesentlichsten Beziehungen durchführen. So vor allem inbezug auf den Familienstand. Hier handelt es sich ebenso wie beim Altersaufbau um die Aufstellung gewisser Typen, und wie dort können wir auch hier mit dem vorhandenen Material die erforderliche Untersuchung vornehmen. Der Westen ist vertreten durch Holland (1909), Luxemburg (1905), Großherzogtum Hessen (1910), die Mitte durch Oesterreich, insbesondere Galizien (1890), der Osten durch Rußj iand (1897), ferner existieren noch Angaben j für Italien (1901) und Westaustralien (1901). Ein tieferes Eindringen in die Familienstandsverhältnisse ist bedingt durch die Kenntnis von Familienstand undAltersaufbau. Auch diese Möglichkeit ist gegeben, indem in Holland, Luxemburg. Hessen, Oesterreich, Galizien, der Familienstand der jüdischen Bevölkerung in den einzelnen Altersklassen ermittelt ist. Von den übrigen sozialen Gruppieruugen sind noch von Bedeutung jene nach dem Bildungstand und nach der Muttersprache. Unter Bildungsstand ist die Verbreitung derAnalphabeten und der Elementarbildung zu verstehen. Natürlich kommt hierfür nur die Statistik der Länder in Frage, deren Bevölkerung auf einer niederen Bildungsstufe steht, so Rußland, Italien, Bulgarien, Rumänien, Serbien, Aegypten, die australischen Staaten. In allen den genannten Ländern mit Ausnahme Rußlands ist eine Statistik des Analphabetentums vorhanden. Es ist in der Regel Muttersprache oder Staatsangehörigkeit, selten Religion mit dem Bildungsstand kombiniert worden. In fast allen genannten Ländern ist auch der Altersaufbau der betreffenden Bevölkerungsschichten angegeben. Jedenfalls sind wir über das Analphabetentum der Juden in diesen Ländern wohl unterrichtet. Besonders verdient erwähnt zu werden, daß die russische Statistik eine Scheidung derjenigen Volksteile, die Elementarbildung besitzen und eine höhere als Elementarbildung haben, vorgenommen hat. Auch hier ist der Altersaufbau berücksichtigt. Eine interessante Gegenüberstellung bildet die Aufnahme der Analphabeten nach der Religion in Preußen, die allerdings aus dem Jahre 1871 stammt. Was die Muttersprache anbelangt, so wird sie von amtswegen faßt ausschließlich in den Ländern ermittelt, wo die Bevölkerung aus vielen Nationalitäten zusam-