Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 12 (1916)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1916)
- Article
- Die Aufgaben der Statistik der Juden nach dem Kriege
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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— 3 — nach ihren Kräften die jüdischen Krieger, ihre Frauen, Kinder und Eltern zu unterstützen, wie sie es schon während des Krieges getan haben. Und hier ist zu beachten, daß es eine nicht geringe Anzahl unterstützungsbedürftiger Personen giebt, welche gesetzliche Ansprüche an den Staat oder die Stadt nicht stellen können und daß auch die eigenartigen sozialen, beruflichen und Familienverhältnisse der Juden, welche von der Gesetzgebung naturgemäß nicht berücksichtigt werden können, eine Sonderunterstützung von jüdischer Seite erforderlich und angebracht erscheinen lassen* Als einzelne Gebiete der Fürsorgetätigkeit sind zu nennen: 1) die Fürsorge für ganz oder teilweise erwerbsunfähige Kriegsbeschädigte, insbesondere ihre Zuführung zu neuen Berufen, 2) die Hinterbliebenenfürsorge, 3) die wirtschaftliche Stärkung von Kriegsteilnehmern, ihre Unterstüzung bei der Begründung einer neuen Existenz einschließlich Arbeits- und Stellenvermittelung. Die hier erforderlichen Maßnahmen müssen, wenn sie rationell durchgeführt werden sollen, eine zuverlässige statistische Grundlage haben. III. Nach dem Kriege werden der jüdischen Gemeinschaft ganz besonders schwierige bevölkerungspolitische Aufgaben obliegen; war doch bekanntlich schon vor dem Kriege bei den westeuropäischen Juden die Bevölkerungsbilanz infolge der Abnahme der Geburtenhäufigkeit eine recht ungünstige, so daß man schon von dem „Untergang der deutschen Juden" sprach. In welchem Maße diese Abwärtsbewegung durch den Krieg beeinflußt wird, bedarf keiner näheren Darlegung. Abgesehen von dem positiven Verlust an Menschen, der ohnehin die Bevölkerungsziffer herabsinken läßt, betrifft der Verlust gerade diejenigen, welche für die Fortpflanzung in Betracht kommen. Man wird also nach dem Kriege mit einer besonders starken Verringerung der Geburtenziffer zu rechnen haben. Dem entgegenzuwirken, wird die bei weitem wichtigste Aufgabe der jüdischen Gemeinschaft sein. Zur Durchführung bevölkerungspolitischer Maßnahmen großen Stiles, wie sie hier erforderlich sind, ist es naturgemäß notwendig, alle in Betracht kommenden gesellschaftlichen Erscheinungen auf das sorgfältigste statistisch zu erforschen. Um die durch den Krieg entstandenen Lücken aufzufüllen, wird vielleicht auch eine Umsiedelung von Juden aus gewissen Gebieten nach anderen Ländern und Landesteilen in Frage kommen, über deren Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit die jüdischen Politiker an der Hand des ihnen von der Statistik darzubietenden Materials zu entscheiden haben werden. IV. Damit im Zusammenhang steht die Erforschung von Gebieten, welche etwa von dem deutschen Reiche neu erworben werden. Sollte letzteres der Fall sein, so erwächst der Statistik dadurch ein weiteres, umfangreiches Tätigkeitsfeld. Die Untersuchung der gesellschaftlichen, biotischen und wirtschaftlichenVerhältnisse der jüdischen Bevölkerung in neu eroberten Gebieten ist aus mehreren Gesichtspunkten erforderlich. Da wir ja hier zunächst, an die Juden Polens denken, denen schon von jeher die soziale Fürsorge der westlichen Juden gegolten hat, so wird im Falle einer Neugestaltung der politischen Verhältnisse voraussichtlich die Hilfstätigkeit für die durch die russische Herrschaft gedrückten und geknechteten Brüder in besonderem Maße einsetzen.