Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 12 (1916)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1916)
- Article
- Die Aufgaben der Statistik der Juden nach dem Kriege
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 - Wir wissen es heute natürlich nicht, wie man sich nach dem Kriege in den einzelnen Ländern den Juden gegenüber verhalten wird, ob sich in den einen Ländern das Bestreben geltend machen wird, die Lage der jüdischen Bevölkerung zu verbessern, ob in anderen Staaten das Gegenteil der Fall sein wird. Um letzteres zu verhindern, um ersteres zu begünstigen, um namentlich auch der gesellschaftlichen Abneigung, die den Juden gegenüber noch vielfach besteht und die auch durch die treueste Waffengemeinschaft nicht gänzlich überwunden werden wird, ihre Schärfe zu nehmen, wird es ein wirksames Mittel sein, wenn zahlenmäßig einwandfrei erwiesen werden kann, daß das Verhalten der Juden im Kriege ein gutes war, d. h. daß sie einerseits ebenso kriegsfreudig waj ren wie ihre andersgläubigen Mitbürger und j daß sie andererseits an den bösen Erschei-; nungen, welche der Krieg im Erwerbsleben j gezeitigt hat, nicht 'mehr beteiligt sind als j die Nichtjuden. I Bei der Behandlung dieser Fragen wer- I den natürlich die Berufsstellung der Juden und der Umstand, daß sie durch die jahrhundertelange Knechtung des Waffenhandwerks entwöhnt sind, zu berücksichtigen sein. | Die statistischen Unterlagen für diese; Dinge, und zwar für einen möglichst groj ßen Teil der kriegführenden Länder zu j schaffen, ist eine Aufgabe, welche des Schweij ßes der Edlen wert ist. Und es muß alles j daran gesetzt werden, daß das Ziel, wenn 1 auch unter großen materiellen Opfern, er- : reicht wird. Denn die Schwierigkeiten,! welche dieser Statistik im Wege stehen, sind : ungeheuere, da das Material durch eigene I Erhebungen und Umfragen beschafft werden muß. Was Deutschland betrifft, so ist eine derartige Erhebung durch den „Ausschuß für Kriegsstatistik", zu dem sich die großen jüdischen Organisationen Deutschlands auf Anregung des Bureaus für Statistik der Juden zusammengeschlossen haben, in die Wege geleitet. Hoffentlich ist es möglich, die begonnenen Arbeiten bis zu einem vollen Erfolge durchzuführen. Es handelt sich hier darum, folgende Feststellungen zu treffen: 1) die Teilnahme der Juden am Kriege als Militärpersonen, 2) die Art ihrer militärischen Verwendung, 3) ihre militärische Tauglichkeit, 4) die Tätigkeit der jüdischen Männer und Frauen in der Kriegskrankenpflege, 5) die Beteiligung der Juden an der Verwaltung staatlicher und kommunaler Einrichtungen, die sozialen oder wirtschaftlichen Kriegsmaßnahmen dienen, 6) die Betätigung jüdischer Gemeinden, Vereinigungen und Einzelpersonen in der Kriegswohlfahrtspflege, 7) durch den Krieg hervorgerufene oder beeinflußte Unredlichkeiten im Erwerbsleben (Verbot des Handels wegen Unzuverlässigkeit, Bestrafungen wegen Kriegswuchers u. dgl). IL Ein nicht minder bedeutsames Betätigungsfeld erwächst der Statistik, wenn es gilt, die Grundlagen für die soziale Fürsorge zu schaffen, welche die jüdischen Gemeinden und Vereine den Kriegsteilnehmern und ihren Angehörigen angedeihen lassen werden. Ob man grundsätzlich eine solche Sonderfürsorge neben der allgemeinen staatlichen und kommunalen Tätigkeit befürworten soll, kann hier unerörtert bleiben. Zu dieser Frage Stellung zu nehmen, ist nicht Sache der statistischen Wissenschaft. Diese hat es nur mit den gegebenen Tatsachen zu tun. Und in dieser Beziehung unterliegt es keinem Zweifel, daß die Gemeinden und Vereine es für ihre Pflicht halten werden,