Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 11 (1915)
- Issue
- Heft 4-6 (April 1915)
- Article
- Die Statistik der Juden und die statistischen Aemter
- Date
- 1915-04-01
- Page
- Seite 51 (sequence 4)
- Language
- German
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Schichtsschreibern des 18. und der ersten Hallte des 19. Jahrhunderts erwähnt wird, könnte heute mit Fug die Kinderarmut der Juden als d3S sie von den Christen unterscheidende Merkmal angesehen werden. In weniger als 80 Jahren ist die durchschnittliche Kinderzahl der jüdischen Familie fa-st um die Hälfte gesunken." (Dr. Arthur Rup pin, Die Juden im Großherzogtum Hessen). 5) Die Statistik der gestorbenen Juden darf sich nicht mit der summarischen Feststellung allein begnügen. Die Auszählung muß vielmehr nach Altersklassen erfolgen, damit mit Hilfe des bei der Volkszählung festgestellten Altersaufbaues die Sterblichkeit der einzelnen Altersklassen berechnet weiden kann. Auch hier zeigen sich charakteristische Unterschiede bei der jüdischen und christlichen Bevölkerung. Vergl. meine Abhandlung „Die gegenwärtige Sterblichkeit der Juden und Christen im Großherzogtum Hessen" in der Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden, 1914, S. 49. Der große Gegensatz zwischen Juden und Christen, hinsichtlich der Sterblichkeit möge durch folgende Feststellung gekennzeichnet werden: Im Großherzogtum Hessen sind unter 100 gestorbenen Juden nur 14 unter 15 Jahre alt, unter 100 gestorbenen Christen dagegen 36. Dieses Verhältnis kehrt sich in den höheren Altersklassen geradezu um. Denn bei den Juden ist mehr wie die Hälfte der Gestorbenen über 60 alt (57 '^), bei den Christen nur ein Drittel (35#). Was die Sterblichkeit selbst anlangt, so ist für Hessen die wichtige Tatsache, die wohl auch für die Juden Deutschlands allgemein zutreffen wird, festzustellen, daß die Kindersterblichkeit (im Alter bis zu 15 Jahren) bei den Juden nur halb so groß ist wie bei den Christen, daß sich aber im erwerbstätigen Alter, wo ungünstige Einflüsse des Berufslebens mehr und mehr hervortreten, dieser gioße Vorsprung der Juden mit zunehmendem Alter verkleinert und vom 60. Lebensjahr nur noch wenig bemerkbar macht. 6) Wenn schon einmal die Sterblichkeit der Juden berechnet wird, so sollten ferner die Todesursachen mitberücksichtigt werden. Auch diese Untersuchung ist für Hessen vorgenommen und veröffentlicht in der schon genannten Zeitschrift 1914, S, 65. Eine ähnliche Arbeit, die die Todesursachen der Juden nach Altersklassen wiedergibt, liegt bis jetzt noch nicht vor. Das Ergebnis jener Untersuchung ist wie folgt kurz zusammengefaßt: Unterschiede in der Sterblichkeit der Juden und Christen nach Todesursachen sind tatsächlich vorhanden (geringe Tuberkulosesterblichkeit, größere Sterblichkeit an Herzkrankheiten, auch an Gehirnschlag, geringe Zahl an Verunglückungen bei den männlichen Juden, häufigere Erkrankungen der Harnorgane bei den älteren jüdischen Männern). Die Bedeutung der Statistik der Juden ist treffend gekennzeichnet worden von Dr. A. Ru ppin in seinem Buche „Die Juden im Großherzogtum Hessen". Er schreibt daselbst: „Es zeigt sich hier wiederum die in der Statistik der Juden so häufige Beobachtung, daß die Juden in vielen sozialen Beziehungen gewissermaßen ihrer Zeit vorauseilen und soziale Veränderungei bereits ausgereift aufweisen, die bei den indem Volkern erst im Keime vorhanden sind. Der Grund dieses Verhältnisses ist leiel t zu finden. In fast allen europäischen Staaten haben Industrie und Handel im 19. Jahrhundert gegenüber der früher allein bedeutsamen Landwirtschaft an Wichtigkeit gewonnen, hat der Wohlstand, die hyg enische Fürsorge und