Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1915-04-01 · Heft 4-6 (April 1915) · p. Seite 52

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
11 (1915)
Issue
Heft 4-6 (April 1915)
Article
Die Statistik der Juden und die statistischen Aemter
Date
1915-04-01
Page
Seite 52 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2650397-3187753-3187756-3193916--4531-3193943
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

die Volksbildung z igenommen, haben die großen Städte einen minier erheblicheren Teil der Bevölkerung an sich gezogen. All diese Veränderungen auf wirtschaftlichem Gebiete haben die Juden, ( e schon von jeher eine vorwiegend städtisc e, dem Handel und der Industiie angehörig Bevölkerung waren und im 19. Jahrhundert urch besonders intensive Anteilnahme an ■ em modernen kapitalistischen Wirtsch.- tslcben zu Verhältnismäßigem Wohlstand : gelangten, den Christen vorweggenommen. Da aber auch die meisten anderen -sozialen Erscheinungen, nicht nur die Geburisrafp, sondern auch die Sterblichkeit, die Kriminalität (die Binnenwanderungen) usw., von jenen wirtschaftlichen Veränderungen beeinflußt werden, so kommt es, daß auch hier die Juden g e - w i s s e r m a ß e n das Barometer für die übrige Bevölkerung sind und Zustände schon jetzt zeigen, die bei jener erst in der Zukunft zu erwarten sind. Hierin liegt beiläufig der Wert der Statistik der Juden für die Sozialwissenschaft überhaupt." (DieJuden im Großherzogtum Hessen, S. 43f.) Daß die Juden, wie oben gesagt, in vielen sozialen Beziehungen gewissermaßen ihrer Zeit vorauseilen, dafür nur einige Bei- MistMn unter den Jutisn In FrunMuri a. Von I. Meyer Neben der Kindertaufe ist die Mischehe zweifellos das schwierigste Problem, dem das heutige Judentum gegenübersteht. In den jüdischen GrofJgcmeinden ist sie eine fast alltägliche Erscheinung geworden. Es soll in folgenden Ziffern gezeigt werden, wie die Verhältnisse in dieser Beziehung in der zweitgrößten jüdischen Gespiele: Die in neuerer Zeit viel besprochen Landflucht ist bei den Juden eine alte Erscheinung. Handel und Wandel führten die Juden immer mehr vom Laude zuerst in die mittleren Städte, dann in die Großstädte. Der berüchtigte Geburtenrückgang setzte bei der jüdischen Bevölkerung schon in den 1880 er Jahren ein. Die christliche Bevölkerung ist hinsichtlich der Geburtenhäufigkeit gegenwärtig da angelangt, wo die Juden in den 1870 er Jahren bereits standen. Dasrelbe gilt ungefähr für die Abnahme der Sterblichkeit, insbesondere für die Säuglingssterblichkeit. Die-:- ist in Hessen in den letzten 40 Jahren bei Christen und Juden erheblich gesunken, nimmt aber bei den Christen erst jetzt den günstigen Stand ein, dessen sich die Juden schon vor 30 Jahren erfreuten. Ebensc ist die Tuberkulose bei den Juden schon viel früher zurückgegangen als bei den Christen. Die Beispiele könnten noch vermehr; werden. Sie mögen genügen, um zu zeigen, von welcher allgemeinen Bedeutung die Statistik der Juden ist und daß deren Ausbau .im Sinne vorsteilender Ausführungen wünschenswert erscheint. N. nach dem Stande vom 1. April 1914. , Frankfurt a. M. meinde Deutschlands, nämlich in Frankfurt a. M., liegen. Am 1. April 1914 gab es in Frankfurt a. NL 333 Mischehen bei einer Seelenzahl von rund 2C500 Juden. Rechnet man auf den Hausstand die bei der Gesamtbevülkerung Frankfurts angenommene Zahl von 4,4 Personen, so ergeben sich bei den Juden auf 6023 Hausstände 333 Mischehen, also 5,54*;.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.