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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1915-02-01 · Heft 2-3 (Februar 1915) · p. Seite 25

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
11 (1915)
Issue
Heft 2-3 (Februar 1915)
Article
Arbeiter-Kolonie, Brockensammlung, Arbeitsnachweis, Darlehnsvereine
Date
1915-02-01
Page
Seite 25 (sequence 9)
Language
German
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Notwendigkeit kann kein Zweifel bestehen. Bei letzteren ist das Interesse der Vermittler ausschlaggebend. Sie wollen, daß die in Stellung gebrachten Personen möglichst oft ihre Position wechseln, damit sie von neuem die Vermittlungsgebühr erhalten. Der humanitäre Arbeitsnachweis dagegen stellt seine Dienste unentgeltlich dem Arbeitgeber und Arbeitnehmer zur Verfügung. Er hat umgekehrt ein Interesse daran, daß der Bewerber in der nachgewiesenen Stellung möglichst verbleibt und in der Lage ist, sich dauernd seinen Unterhalt zu verdienen. Der älteste Arbeitsnachweis ist der im j Jahre 1896 von den vereinigten Berliner j Logen gegründete. Er kann also auf I eine fast zwanzigjährige Wirksamkeit j zurückschauen. Wir besitzen über seine Tätigkeit eingehendes Material, das wir bald näher betrachten werden. Bis zum Jahre 1904 waren nur vereinzelt von den Logen in den größeren Ge- , meinden Arbeitsnachweise geschaffen wor-; dem Von da ab begann die Großloge in i erhöhtem Maße diesem sozialen Problem! i sich zuzuwenden. Noch im Jahre 190/ waj ren unter 69 Logenstädten nur sieben mit j ausreichenden Logenarbeitsnachweisen ver- \ sehen (Berlin, Frankfurt a. M., Basel, Harnj bürg, Posen, Leipzig, Dortmund). In acht j Logenstädten (Mannheim, Stettin, Halberj Stadt, Nürnberg, Breslau, Metz, Darmstadt, j Landsberg a. W.) gab es nur unvollständige J Einrichtungen, in 41 Städten überhaupt J nichts. Es wurde damals nach eingehenden j Beratungen ein großzügiger Plan entworfen, j der auch im Laufe der Jahre der Erfüllung j näher gebracht wurde. Es sollten alle Gej meinden mit mehr als tausend Juden bei sondere Arbeitsnachweisvereine gründen, in j Gemeinden von 500 bis 1000 Gemeindej mitgliedern sollte ein größeres Arbeitsnach- I weiskomite geschaffen, für jeden Landesteil sollte der Arbeitsnachweis der größten und an Juden reichsten Logenstadt zur Zentralstelle für den betreffenden Landesteil gemachtwerden, und diese Zentralstellen sollten wiederum ihrerseits miteinander im Konnex stehen, um Angebot undNachfrage in den verschiedenen Landesteilen zu regeln. Es wurden auch in den folgenden Jahren zahlreiche Arbeitsnachweise geschaffen, sodaß im Jahre 1911 bereits ein Verband der Arbeitsnachweise mit der Großloge als Zentrale begründet werden konnte, Im Jahre 1913 existierten 67 Arbeitsnachweise, somit fast an allen jüdischen Logenplätzen. Der Verband selbst befaßt sich auch mit der Fürsorge für entlassene jüdische Strafgefangene und hat auf Ersuchen des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes die Unterbringung von Fürsorgezöglingen in die Hand genommen. Einzelne Arbeitsnachweise haben eine Stellenvermittlung für jüdisches Haus- und Wirtschaftspersonal eingeführt, und in neuerer Zeit werden schulentlassenen Knaben und Mädchen nach genauer Prüfung der Fähigkeiten der Kinder geeignete Lehrstellen nachgewiesen. lieber die Tätigkeit der einzelnen Arbeitsnachweise, mit Ausnahme des Arbeitsnachweises in Berlin, sind wir leider nicht unterrichtet. Nur ganz summarisch ist festgestellt daß vom Januar 1911 bis Juli 1913 9089 Arbeitssuchende untergebracht wurden, davon 5257 in fester Stellung, 3832 in Aushilfsstellung. Dem Geschlechte nach waren 6178 Männer und 2911 Frauen. Der BerlinerArbeitsnachweis, als der größte und bedeutungsvollste, soll in folgendem kurz dargestellt werden. Er umfaßt gegenwärtig fünf Abteilungen: eine Stellenvermittlung für Kautieute, gewerbliliches Personal, weibliche Arbeitskräfte, fer-

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