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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1915-02-01 · Heft 2-3 (Februar 1915) · p. Seite 24

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
11 (1915)
Issue
Heft 2-3 (Februar 1915)
Article
Arbeiter-Kolonie, Brockensammlung, Arbeitsnachweis, Darlehnsvereine
Date
1915-02-01
Page
Seite 24 (sequence 8)
Language
German
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- 24 — keit durch Krankheit oder dauernde Not vermindert ist. Es wird ihnen Gelegenheit gegeben, sich ihren Unterhalt zu verdienen, indem sie unter sachverständiger Leitung aus wertverminderten Gegenständen neue Werte schaffen. In den Fällen, wo die Leute ihre volle Arbeitskraft einzusetzen haben, wird der Lohn absichtlich etwas unter dem ortsüblichen Satz gehalten, damit sie nach geregelter Tätigkeit, nach einer Verbesserung ihrer Lage bestrebt sind. Es strömen den Brockensammlungen ständig in reichem Maße abgelegte Kleider, Wäschestücke etc. auch Möbel zu, ebenso sammeln sie Flaschen, Krüge, Eisen, Verpackungsmaterial, Papier. Ständig wird eine Anzahl von Arbeitern beschäftigt, welche die Gegenstände aus den Häusern abholen. Dazu kommen, je nach Bedarf, Schneider, Schuhmacher, Tapezierer, Schreiner, Weißnäherinnen, Putzmacherinnen, Stopferinnen etc. Es bestehen gegenwärtig derartige Institute in Berlin (1906), Breslau (1907), in Frankfurt (1908), Hamburg und Köln (1909), Posen, Mannheim, Nürnberg, Essen, Charlottenburg. Die Peahinstitute sind im allgemeinen von Vereinen ins Leben gerufen worden, die sich eigens zu diesem Zwecke gebildet haben. In Berlin und Hamburg sind es die Vereine der Sabbathfreunde, von welchen die Gründung ausging und die auch die Verwaltung haben. Ueber die Leistungen der Brockensammlungen ist folgendes zu berichten: Es betrugen die Einnahmen im Jahre 1911 in Berlin M. 19300,—, Frankfurt a. Main M. 11800—, Cöln M. 8 500,-, Nürnberg M. 5000—, Hamburg 4800,—, Mannheim 2400,-, Posen 1500,--; die Ausgaben waren fast ebenso hoch wie die Einnahmen. Es fanden Beschäftigung in Berlin durchschnittlich 13 Arbeiter, Frankfurt a. M. 10, Köln 6, Nürnberg 5, Hamburg 4 und Posen 2. Es wurden demnach durchschnittlich vierzig beschäftigungslose Arbeiter mit einem Durchschnittslohn von M. 3,20 pro Tag beschäftigt; für Löhne und Gehälter wurden insgesamt 150000 M. verausgabt. In Berlin wurden aus dem Erlöse der Brocken im Jahre 1909 M. 15 311,—, 1910 M. 16538—, 1912 M. 18710— vereinnahmt. In Hamburg beträgt der Urnsatz ca. M. 5000,— , davon werden für Löhne und Saläre ca. 4000,- M. hergegeben. Die Kölner jüdische Arbeitsstätte der Brockensammlung gibt M. 4200 für Löhne aus und unterstützt 600 Personen. Die hohe Zahl der Unterstützten erklärt sich hier daraus, daß jene Personen eingerechnet sind, welche die Gegenstände zu einem ganz billigen Preise kaufen, außerdem natürlich die Arbeiter und Handwerker, welche in der Arbeitsstätte Beschäftigung finden. 3. Arbeitsnachweise. Während die bisher behandelten Einrichtungen das Ziel verfolgten, arbeitswilligen Wanderarmen oder Personen, die keine eigentliche Berufsausbildung hatten, mit Arbeit zu versorgen und sie dadurch wieder zu nützlichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft zu machen, erstreben die Arbeitsnachweise, stellungslos gewordenen männlichen und weiblichen Personen wieder zu einer Stellung zu verhelfen und sie dadurch vor Verarmung und den damit verbundenen Gefahren zu schützen. In jüdischen Kreisen ist es der „Unabhängige Orden Bne Brith", welcher diesen Zweig sozialer Betätigung in ausgedehntem Maße seit vielen Jahren pflegt. Hier bot sich ihm eine günstige Gelegenheit, auf humanitärer Grundlage sozial-politisch zu wirken. Die von den Logen eingerichteten Arbeitsnachweise stehen den gewerblichen Stellungsnachweisen gegenüber. Ueber ihre

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