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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1915-02-01 · Heft 2-3 (Februar 1915) · p. Seite 23

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
11 (1915)
Issue
Heft 2-3 (Februar 1915)
Article
Arbeiter-Kolonie, Brockensammlung, Arbeitsnachweis, Darlehnsvereine
Date
1915-02-01
Page
Seite 23 (sequence 7)
Language
German
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- 23 - land existiert. In Köln wurde vom Israelitischen Unterstützungsverein im Jahre 1902 eine Holzarbeitsstätte errichtet, die jetzt der Centraiarmenkasse für die Rheinprovinz und Birkenfeld angegliedert ist. Ihr Zweck besteht darin, auf die Wanderarmen dadurch erzieherisch einzuwirken, daß sie veranlaßt werden sollen, durch eigener Hände Arbeit ihren Unterhalt zu verdienen. Ihre Bestrebungen waren, wie die Zahlen erweisen, von Erfolg begleitet. Die Zahl der Arbeitenden betrug im Jahre 1902 nur 133, im Jahre 1911 495. 2. Brockensammlungen. Mit geringeren Mitteln verfolgen einen ähnlichen Zweck wie die Arbeiterkolonien — arbeitslosen Personen dauernde oder vorübergehende Beschäftigung zu gewähren, um dadurch zur Verbesserung ihrer materiellen Lage und ihrer sittlichen Hebung hilfreiche Hand zu bieten und sie vor dem Bettel zu bewahren — die sogenannten Brockensammlungen oder Peahs. Die Brockensammlung ist ebenfalls eine vom Pastor von Bodelschwingh in Bielefeld geschaffene Einrichtung, die in Haushaltungen etc. entbehrlich gewordene Sachen unentgeltlich entgegennimmt, um sie, wieder in brauchbaren Zustand gebracht, an wenig Bemittelte gegen einen mäßigen Preis zu veräußern. Sie entstammt dem Bedürfnis, den Pfeglingen der Bodelschwingh'schen protestantischen Liebesanstalten passende Beschäftigung zu geben und wurde hier hauptsächlich zu dem Zwecke der Krankenpflege behufs Anlernung von Idioten etc. unterhalten. Später wurde die Brockensammlung in Berlin zu einer allgemeinen Einrichtung erhoben, die lediglich der Armenpflege dient und schnell weite Verbreitung fand. Innerhalb der jüdischen Wohlfahrtspflege hat diese Institution in den letzten zehn Jahren in mehreren Großgemeinden Eingang gefunden. Der Name „Peah" ist auf den jüdischen biblischen Ausspruch zurückzuführen: „Du sollst die Ecke Deines Feldes (Peah) nicht völlig abernten, den Armen und Fremdlingen sollst Du sie überlassen/' Man darf das Feld nicht völlig abernten, denn das hieße, der Armen vergessen, aber man soll auch nicht den ganzen Ertrag"einheimsen und einen Teil davon den Armen geben,; denn das hieße, ihn zum Bettler erniedrigen. Es soll vielmehr einen Teil vom: Ertrage des Feldes der Arme durch eigene Arbeit erwerben, so daß er sich zu seinem Genüsse berechtigt fühlt In der Brockensammlung findet sowohl der Unbemittelte wie der Bemittelte nahezu alle Geräte, die er zu persönlichen und Haushaltungszwecken braucht. Es werden Kleider, Schuhwerk, Wäsche geliefert, Haus¬ und Küchengeräte, Bücher, Spielzeug, kurz alles, was zur Einrichtung eines einfachen Haushaltes und zur Führung eines bescheidenen Lebens notwendig ist,aberauchder wenig Bemittelte muß es bezahlen. Dieser Umstand stärkt das Selbstgefühl des Armen, wenn er, statt als Almosenempfänger zu erscheinen, als Käufer dasteht, und es treibt ihn an, sparsamer zu wirtschaften, die erworbenen Gegenstände schonender zu behandeln, wenn sie durch" Bezahlung, nicht aber als milde Gabe, in seinen"; Besitz gelangt sind. Das ist die einje Aufgabe der Peah, dann aber will sie vor allem Arbeitslose beschäftigen. Den Juden, welche den Sabbath heiligen und aus diesem Grunde nur schwer eine Stellung finden können, gilt in erster Linie die Fürsorge. Es werden als Arbeiter hauptsächlich solche Leute angestellt, die nur schwer anderswo ihr Brot finden können. Manche sind darunter, die nie ein Handwerk richtig erlernt haben, manche, deren Erwerbsfähig-

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