Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 11 (1915)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Article
- Die sprachlichen Verhältnisse der Juden in Österreich
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 10 - mehr von rumänischen Emigranten. Sie suchen diese ihnen benachbarten und ihren früheren Anfenthaltsgebieten verwandten 1 Länder auf, weil sich ihnen hier viel günstigere, zumindest ertraglichere Existenzbedingungen bieten, als sie in der Heimat hatten. Zur italienischen Umgangssprache bekennen sich hauptsächlich die Juden in Tri est, und zwar sowohl 4/5der inländischen Judenschaft, als auch die hier zahlreich (mit ungefähr 40 % \ vertretenen Staatsfremden hauptsächlich reichsitalienischen Ursprunges. Nur ungefähr der fünfte Teil, vermutlich meist aus den nördlichen Kronländein stammende Juden, haben die deutsche Sprache als Umgangssprache augegeben. Zur italienischen Sprache bekennt sich j auch der größte Teil der Juden in G ö r z j und Gradiska, während in Istrien die j deutsche Sprache die italienische überwiegt. In letzterem Kronlande ist übrigens die Zahl der Juden im letzten Dezennium, insbesondere durch den Zuwachs von Ausländern, (Reichsitalienern und Ungarn) um mehr als das Doppelte gestiegen. In D a 1 m a t i e n , wo die Juden gleich-! falls eine kleine Vermehrung, hauptsächlich j von Staatsfremden (Ungarn und Italienern), erfahren haben, bekennen sie sich in ungefähr gleicher Anzahl zur deutschen, italienischen und serbokroatischen Sprache, Außerhalb Daimatiens ist die Anzahl der serbokroatischen Juden nur verschwindend klein, ebenso wie auch die Zahl der slovenisch sprechenden Juden minimal ist. Von den einheimischen Juden gesondert sind die Staatsfremden zu behandeln, weil sie besonderen Zählungen unterzogen wurden. Infolge der Regsamkeit der Juden und des ihnen innewohnenden Wandertriebes ist die Anzahl der Juden unter den Staatsfremden verhältnismäßig groß. Es wurde ihrer bereits bei der Besprechung der jüdischen Verhältnisse in den einzelnen Kronländern gedacht, und es soll hier nur noch eine zusammenfassende übersichtliche Darstellung erfolgen, welche durch Tabelle IV ergänzt wird, in der Heimatsland und Aufenthalt der staatsfremden Juden Österreichs gemäß den beiden Volkszählungen angeführt sind, ferner insbesondere die Verteilung auf die Reichshauptstadt Wien, die an das betreffende Ausland grenzenden Gebiete und das sonstige Staatsgebiet übersichtlich dargestellt wird, endlich die Verhältnisziffern der jüdischen Staatsfremden im Vergleich zu den Staatsfremden der betreffenden Staaten überhaupt, sowie die Beteiligung der einzelnen Staaten an ihren in Österreich wohnhaften Juden angegeben ist. Auf je 10000 Staatsfremde überhaupt entfallen 1404 Juden, während auf 10 000 Personen einheimischer Bevölkerung Österreichs nur ungefähr 460 Juden kommen. Am zahlreichsten sind unter den Staatsfremden im allgemeinen und unter den Juden im besonderen absolut und relativ die ungarischen Staatsangehörigen vertreten und am weitesten und gleichmäßigsten im Lande verteilt. Von rund 80000 ausländischen Juden waren im Jahre 1900 fast 60 000, im Jahre 1910 über 56 000 oder 68?/ ungarische Staatsbürger. Am dichtesten bewohnen sie die an Ungarn grenzenden GebieteSchlesiens, Mährens, Niederösterreichs und Steiermarks, dehnen sich aber vom Grenzgebiete weiter aus z. B. im Ostrauer Kohlenrevier und repräsentieren auch bereits in den anderen Alpenländern, dem Küstenlande und Dalmatien ansehnliche Bevölkerungskomplexe. Viel schwächer sind sie in Galizien und der Bukowina vertreten, obwohl kein Land mit einer so langen Grenze an Ungarn anstößt als Galizien. Hierfür mögen weniger der den Verkehr erschwerende Zug der Karpathen und die nationalen Gegensätze, maßgebend