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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1913-01-01 · Heft 1 (Januar 1913) · p. Seite 9

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
11 (1915)
Issue
Heft 1 (Januar 1913)
Article
Die sprachlichen Verhältnisse der Juden in Österreich
Date
1913-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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- 9 — was auf eine fortschreitende Naturalisierung hindeutet. In viel größerem Masse als zu Gunsten der böhmischen hat die deutsche Sprache zu Gunsten der polnischen, hauptsächlich in G a 1 i z i e n weichen müssen. Während sich bei der Volkszählung im Jahre 1900 nur ungefähr die Hälfte der österreichischen Judenschaft bzw. s/4e der galizischen Juden zur polnischen Sprache bekannten, haben im Jahre 1910 fast 2k der österreichischen bzw. 90 der galizischen Juden die polnische Sprache als Umgangssprache angegeben. Hierbei hat nicht einmal die Anzahl der galizischen Juden eine solche Zunahme erfahren, denn die Zunahme der österreichischen Juden Galiziens betrug innerhalb des erwähnten Zeitraumes nur rund 55 000, während die Anzahl der polnisch sprechenden Juden von 622 358 auf 810 460, sohin um fast 200 000 gestiegen ist. Die Anzahl der sich dortselbst zur deutschen Sprache bekennenden Juden sank von rund 138 000 auf rund 25 000. Diese Zunahme des polnischen Elementes unter den Juden erscheint freilich, wenn auch hauptsächlich, so doch nicht ausschließlich als Folge des Überganges der galizischen Juden von der deutschen zur polnischen Umgangssprache; außerdem wurde sie dadurch hervorgerufen, daß viele Juden, welche im Jahre 1900 die r u t h e - nische Sprache als Umgangssprache angaben, sich neuerdings, jedenfalls zufolge Einwirkung des im Lande dominierenden polnischen Einflusses und der auch durch die Vermehrung der von der jüdischen Jugend besuchten Schulen hervorgerufenen Polonisierung zur polnischen Nationalität bekannten; v/ie überhaupt die ruthenischen Juden die relativ größte Verminderung (von rund 41 000 auf 21 000 in Galizien oder 23000 überhaupt, also fast um 50#) aufweisen. Andererseits hat die polnische Sprache, welche auch unter den Juden Mährens, Schlesiens und der Bukowina als Umgangssprache angeführt wird, in allen diesen 3 Kronländern an Zahl abgenommen. Die Ursache davon ist darin zu suchen, daß die aus Galizien nach Mähren und Schlesien, hauptsächlich in das Ostrauer Kohlenrevier eingewanderten Juden, (um solche handelt es sich hierbei hauptsächlich) sich der im Lande dominierenden deutschen Sprache allmählich assimilieren. In Schlesien selbst, wo der Zunahmeprozentsatz der jüdischen Bevölkerung den der Gesamtbevölkerung stark übersteigt, zählt die deutsche Sprache einen Zuwachs von 2000 Juden, was sowohl auf die assimilierten polnisch-galizischen Immigranten als auch auf die vielfach naturalisierten Staatsfremden, insbesondere Ungarn, auf welche beide die Industriegebiete Ostschlesiens, insbesondere um Ostrau und Teschen herum, eine starke Anziehungskraft ausüben, zurückzuführen ist. In Schlesien erscheint übrigens auch eine verhältnismäßig geringe Anzahl tschechisch sprechender Juden, Die Anzahl der polnisch sprechenden Juden in der Bukowina hat um rund 1 000 abgenommen, hingegen hat sich die Anzahl der ruthenisch und rumänisch sprechenden Juden fast verfünffacht. Auch zu der dort versprengten magyarischen Sprache bekannten sich einige Juden, wenn auch viel weniger wie vor 10 Jahren. Zum größten Teil (95 bekennen sich die dortigen Juden, deren Zahl im letzten Dezennium um 8000 zugenommen hat, wie erwähnt, zur deutschen Unigangssprache. Die Anzahl der dortigen ohnehin stark vertretenen Staatsfremden Juden ist im abgelaufenen Dezennium noch gestiegen. Galizien und die Bukowina sind überhaupt stark von Staatsfremden bewohnt, und zwar Galizien mehr von russischen, Bukowina

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