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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1913-01-01 · Heft 1 (Januar 1913) · p. Seite 8

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
11 (1915)
Issue
Heft 1 (Januar 1913)
Article
Die sprachlichen Verhältnisse der Juden in Österreich
Date
1913-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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- 8 - stiegen, während sich die böhmisch sprechenden Juden, gleich der gesamten Judenschaft Böhmens, im Dezennium 1900 bis 1910 um rund 7000 verminderten. Der Grund liegt größtenteils in der Abwanderung der Juden aus dem Lande, hauptsächlich nach Wien. Trotzdem läßt sich jedoch nicht behaupten, daß ausschließlich böhmisch sprechende Juden ausgewandert sind, sondern es sind gewiß auch solche Juden ausgewandert, welche sich im Jahre 1900 zur deutschen Umgangssprache bekannten, während andererseits viele Juden, welche damals die deutsche Sprache als Umgangssprache anführten, sich bereits im Jahre 1910 I zur böhmischen Umgangssprache bekannten, j sodaß nur zufälligerweise die Abnahme der böhmisch sprechenden Juden der Abnahme der Juden Böhmens überhaupt entspricht. In Mähren, dem national gleichartigen Nachbarlande Böhmens, wo die jüdische j Bevölkerung im letzten Dezennium gleichfalls, und zwar um rund 3 000 Einwohner, abgenommen hat, bekennen sich noch immer ungefähr 4/ß der Juden zur deutschen und nur */6 zur böhmischen Umgangssprache. Hier hat jedoch umgekehrt wieder die Zahl der deutsch sprechenden Juden um rund 3 200, abgenommen, während die Zahl der böhmisch sprechenden Juden ungefähr gleich groß blieb, ohne daß hier wieder behauptet werden kann, daß gerade die deutsch sprechenden Juden ausgewandert sind. Die Abwanderung der Juden aus Mähren ist ebenso wie die aus Böhmen darauf zurückzuführen, daß der vielfach zu Tage tretende nationale und konfessionelle Boykott und die wirtschaftliche Emanzipation der christlichen Bevölkerung die wirtschaftliche Lage der Juden in diesen beiden Kronländern, insbesondere auf dem flachen Lande und \ in den Provinzstädten, immer schwieriger gestaltet hat Es sind hier, ebenso wie aus Böhmen, sowohl solche Juden ausgewandert, welche sich im Jahre 1900 zur deutschen als auch solche, welche sich zur böhmischen Umgangssprache bekannten. Aber verhältnismäßig stark hat die Zahl der im Lande verbliebenen sich zur tschechischen Umgangssprache bekennenden Juden zugenommen, weil die auch inMähren überhandnehmendeTschechisierung in denSchulenund dem öffentlichen Leben naturgemäß auch auf die unter der tschechischen Bevölkerung wohnhaften Juden ihren Einfluß ausübte. | Die böhmische Sprache weist infolge | dieser Abwanderung der Juden aus Böhmen und Mähren und der hierdurch hervorgerufenen Abnahme der jüdischen Bevölkerung in diesen beiden Kronländern eine absolute und relative Abnahme unter den Juden auf. Im Jahre 1900 haben sich i um 7 000 Juden oder 6,6'7o der gesamten Judenschaft mehr zur böhmischen Sprache bekannt als im Jahre 1910. Denn die ausgewanderten Juden behalten naturgemäß die böhmische Sprache in ihrer meist deutschen Heimat nur in geringem Made als Umgangssprache bei, verschmelzen vielmehr sprachlich vielfach mit ihrer neuen Umgebung. Dies beweist insbesondere die verhältnismäßig geringe Zahl jener in Wien wohnhaften Juden, welche die böhmische Sprache als Umgangssprache angegeben haben. Böhmen, noch mehr aber Mähren, besitzen viele staatsfremde jüdische Einwohner. Es sind dies hauptsächlich Ungarn, welche insbesondere aus den benachbarten westungarischen Komitaten sich sowohl längs der mährischen Grenzgebiete als auch nach und nach im Innern des Landes niedergelassen haben. Ihre Zahl ist gemäß der j letzten Volkszählung im Abnehmen begriffen,

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