Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 10 (1914)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1914)
- Article
- Die Leistungen der Armenkommission der jüdischen Gemeinde zu Berlin
- Date
- 1914-07-01
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
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— 102 — im Jahre 1897, nachdem die Gemeindeverwaltung ihre Beteiligung zugesagt hatte. Der Verband vereinigt in sich fast alle Anstalten und Vereine in Berlin, die sich mit jüdischer Wohlfahrtspflege befassen und geht auch über den Kreis der Gemeinde hinaus. Es gehören ihm gegenwärtig 93 Anstalten, Vereine und Stiftungen an. Was die Höhe des Armenetats anlangt, so steht natürlich unter allen jüdischen Gemeinden Deutschlands an erster Stelle die jüdische Gemeinde Berlin, deren Zuschuß zu den Ausgaben der Armenkommission von 1887 bis 1911 von 40000 M. auf 120000 M. angewachsen ist. Dieser Umstand sowohl, wie die Tatsache, daß bisher über die Leistungen der Berliner jüdischen Armenverwaltung keine zusammenhängende Darstellung existiert, veranlassen uns, eine Übersicht über die Entwickj lungder Armenverwaltungseit 1893, also für die j letzten 20 Jahre zu geben. Wir haben das! gesamte Zahlenmaterial, das in den alle drei j Jahre erscheinenden Berichten der Armenkommission enthalten ist, tabellarisch zusammengestellt und berechnet Eine so bedeutende Armenverwaltung hat naturgemäß einen starken Geschäftsgang. Es läuft bei ihr alljährlich eine Fülle von Gesuchen ein. Aus der Höhe derselben in den einzelnen Jahren läßt sich ein Rückschluß nicht nur auf die Arbeitslast, welche die Armenkommission zu bewältigen hat, machen, sondern auch auf das steigende oder fallende Unterstützungsbedürfnis eines Teils der Berliner Judenheit ziehen. Die nachstehende Tabelle orientiert über die j Zahl der seit 1900 — für eine frühere Zeit j besitzen wir keine vergleichenden Angaben — eingelaufenen Gesuche um Unterstützung aus den Mitteln der Armenkommission, dem Fonds für verschämte Arme und über das Verhältnis der abgewiesenen zu den bewilligten Gesuchen. Tabelle I. Jahr Gesuche an die] Armenkom. Gesuche an den Fonds für verschämte Arme Gesamtzahl der Gesuche Abgw. Ges. vonj der Armenkom. Abgew.Ges. vom Fonds f. v, A. (>/0 der abgew. Ges. v. d. Armenkom. % der abgew. Oes. vorn Fonds für verschämte Arme 1900 5991 434 6425 1931 165 32,2 38,0 1901 5736 510 6246 1440 197 25,1 38,6 1902 6640 446 7086 1956 183 29,4 41,0 1903 6233 453 6686 1991 136 31,9 30,0 1904 6021 424 6445 1762 98 29,2 23,1 1905 6077 364 6441 1646 100 27,1 27,4 1906 5678 504 6182 1650 185 29,5 36,7 1907 5811 484 6295 1777 179 30,6 36,9 1908 6722 519 7241 2373 193 35,3 37,1 1909 6551 53 i 7082 2402 201 36,6 37,8 1910 6803 552 7355 2064 202 30,3 36,6 1911 6386 518 6904 1842 178 28,8 34,3 Zum besseren Verständnis des folgenden sei bemerkt, daß die Armenkommission den Unterstützungsbedürftigen Unterstützungen in barem Gelde und in Naturalien gewährt, und zwar Mazzoth während der Passahwoche sowie Gefangenen- und Soldatenspeisung. Bis zum Jahre 1910 wurde auch warme Kost aus der israelitischen Volksküche auf Anweisung der Armenverwaltung an Bedürftige verabreicht. Die Geldunterstützungen werden allen Armen unterschiedslos gegeben entweder als einmalige oder als laufende und periodische. Eine besondere Kategorie der unterstützten Armen bilden die sogenannten verschämten Armen, für die ein eigener Fonds existiert. Die Unterstützung der letzteren trägt einen mehr persönlichen Charakter. Sie soll in erster Linie dazu dienen, achtbare Familien, die ohne Verschulden heruntergekommen sind, vor dem wirtschaftlichen Niedergang zu bewahren, den Untergang von Existenzen zu verhüten und durch Gewährung eines größeren Betrages ihnen die Möglichkeit zu bieten, sich über die schlechte Zeit hinwegzuhelfen. Die Zahl der alljährlich einlaufenden Unterstützungsgesuche ist seit 1900 nicht