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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1914-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1914) · p. Seite 103

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
10 (1914)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1914)
Article
Die Leistungen der Armenkommission der jüdischen Gemeinde zu Berlin
Date
1914-07-01
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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— 103 — allzusehr gewachsen. Die geringste Zahl war im Jahre 1906, wo sie 6 182 betrug, die Höchstzahl im Jahre 1910 mit 7 355. Auffallenderweise ist von 1903 bis 1907 eine Abnahme zu beobachten, obwohl gerade in diesen Jahren infolge der unglücklichen Lage der Juden in Rußland ein großer Zustrom armer Juden nach Berlin erfolgte, während umgekehrt in den drei folgenden Jahren ein plötzliches Anschwellen um nicht weniger als 1000 Gesuche zu verzeichnen, ist. Es mag dies vielleicht damit zusammenhängen, daß gerade in jenen Jahren sich die großen allgemeinen jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen wie der Hilfsverein der deutschen Juden, die Alliance Israelite Universelle, die einzelnen speziellen Unterstützungsvereine sowie die private Wohltätigkeit in starkem Maße der Hergewanderien annahmen. Als aber ruhigere Zeiten anbrachen und die j privaten Hilfsquellen versiegten, da mußte die Gemeinde helfend eingreifen. Entsprechend den viel geringeren Mitteln, die aus dem Fonds für verschämte Arme zur Verteilung zur Verfügung stehen, und der sorgfältigeren Auslese, j die unter den Empfängern getroffen I wird, ist die Zahl der bei diesem Fonds j einlaufenden Gesuche verglichen mit der j Zahl der bei der Armenkommission wegen j Unterstützung aus den allgemeinen Mitteln, j einlaufenden Gesuche sehr niedrig. Auch j sie zeigt ein Schwanken von Jahr zu Jahr, i im großen und ganzen aber eine Abnahmej tendenz. Im Durchschnitt werden von den | Gesuchen der Armenkommission etwas 1 weniger als Vs abgewiesen, teils weil bei der \ Prüfung der Verhältnisse der Bittsteller ein Notstand nicht vorgefunden wurde, teils weil; sie bereits kurze Zeit vorher eine Beihilfe j erhalten hatten, oder auch weil andere zur \ Unterstützung verpflichtete Personen vor-! handen waren. Es ist charakteristisch, daß i in den Jahren, in welchen die meisten Gesuche eingingen, auch die meisten Abweisungen erfolgten. Es werden in solchen Zeiten vielleicht eingehendere Recherchen vorgenommen. In der Befürchtung, die vorhandenen Mittel könnten zur Befriedigung aller Gesuche nicht ausreichen, wird eine relativ geringere Anzahl von Gesuchen genehmigt als in normalen Zeiten. Sobald aber der Ansturm abflaut oder der Zustand längere Zeit anhält, kehrt man zur alten Methode der milderen Beurteilung zurück. Weit größer als bei der Armenkommission ist der Prozentsatz der abgewiesenen Gesuche beim Fonds für verschämte Arme. Es werden jetzt weniger Gesuche als früher zurückgewiesen. Der Prozentsatz ist von 38 auf 34 gefallen. In einem Jahre allerdings — es war dies 1902 — sind von 100 Gesuchen 41 abgewiesen worden. Am mildesten ging man 1904 vor. Die Hauptgründe für die größere Zahl von Abweisungen sind, daß einmal die Mittel des Fonds nur beschränkte sind, dann aber vor allem, weil in allen diesen Fällen mit einer größeren Summe geholfen wird, da es sich ja vorzüglich um Erhaltung von schwankenden und Wiederaufrichtung sinkender Existenzen handelt. Es muß daher die Auswahl mit größter Vorsicht geschehen, damit nur der wirklich Bedürftige unterstützt wird. Die Höhe der alljährlich verausgabten Unterstützungssumme mit Unterscheidung der baren Unterstützungen der Armenkommission, des Fonds für verschämte Arme, sowie der Naturalien ist aus folgender Tabelle II ersichtlich, die auch über den Zuschuß der Gemeinde für die Zeitstrecke von 1897 bis 1911 Aufschluß erteilt. Das erste Jahr 1893 bildet hinsichtlich der Höhe der Summe ein Ausnahmejahr. Es wurde damals der außergewöhnlich große Betrag von 152 358 Mk. verausgabt. Erst

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