Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 10 (1914)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1914)
- Article
- Die Juden der Stadt Kertsch
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 91 (sequence 4)
- Language
- German
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— 91 — Familien der Stadt Zusammenstellung Es hatten 1 Kind „ 2 Kinder » * 3 „ 4 » » * » » » » 6 7 » r» ' » » » 8 » Q » » ~ r» Et hatten\ 1 H mthr ah / 1U » Es hatten keine „ Kertsch ist aus folgender j zu ersehen : | 102 Familien) 207 Familien j 105 126 90 88 62 45 14 6 3 96 | d.h. 28,08% 216 Familien d. h. 29,30/o 150 Familien d. h.20,3'70 59 Familien d.h. 8,0% 9 Familien d. h 1,2% Familien d. h. 13,1% Gewerbe: Handel: in Kertsch 399 Erwerbstätige o h n 333 Es herrscht also in der Stadt Kertsch noch das Drei- und Vierkindersystem; aber auch Familien mit 5 und 6 Kindern sind gar nicht so selten (20,3#). Die große Kinderzahl ist hier jedoch nicht nur der schlechten ökonomischen Lage allein zuzuschreiben, sondern einer höheren Ethik und Kultur, die die Rationalisierung des Sexuallebens noch nicht kennt. Die berufliche Gliederung der jüdischen Bevölkerung Kertsch's stellt sich folgendermaßen dar: im Gouvernement Taurien (in Proz.) e Familienangehörige d.h. 43,3 % 41,89 „ 36,2 # 39,90 Dienstbot., Tagelöhner und Privatbeamte 77 „ Freie Berufe: 71 Verkehrswesen: 9 Unbestimmte und unproduktive Berufe: 32 „ Diese Zusammensetzung nach dem Berufe unterscheidet sich nicht sehr von der im ganzen Reiche und in dem Gouvernement Taurien, ist jedoch etwas günstiger als im Gouvernement; hervorzuheben ist dabei die stärkere Besetzung der gewerblichen Berufe auf Kosten des Handels. Interessanter ist es, die verschiedenen Berufsarten zu verfolgen (siehe Tabelle V). So stehen an der Spitze die Händler und Kaufleute (204); es kommen dann die Schneider (150), Schuhmacher (83), Handlungsgehülfen (67) und Buchhalter (53) — all die Berufe, auf die sich in Süd-Rußland die ganze jüdische „Volkswirtschaft41 gründet. Was die Beteiligung von Frauen im Erwerbsleben betrifft, so kommen auf 100 selbständige Männer 13,4 Frauen, ein Verhältnis, das sicher nur noch im Süden Rußlands anzutreffen ist, da im übrigen An- 8,4 $ 7,7«* 0,9^ 2,96 5,59 1,21 „ 3,5^ 4,37 siedlungsrayon jüdische Frauen sich schon viel stärker am Erwerbsleben beteiligen. Dank der besonderen Art der Zählung konnte man die interessante Frage über den Gebrauch von k o s c h e r e m Fle i sch untersuchen; von 755 Familien kauften 626 Familien oder 82,9 % koscheres Fleisch, 125 Familien oder 17 % russisches, 2 gar kein Fleisch und 2 lebten vegetarisch. Die große Zahl der koscheres Fleisch konsumierenden Familien fällt unwillkürlich auf. Doch darf man, wie mir an Ort und Stelle gesagt wurde, nicht allen Aussagen in dieser Beziehung unbedingtes Vertrauen schenken; denn Viele, die in Wirklichkeit russisches Fleisch kaufen — das letztere ist (wegen der Karobkasteuer) immer 3 bis 4 Kopeken billiger als das koschere — schämten sich, das zuzugeben. Aber es ist jedenfalls