Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 10 (1914)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1914)
- Article
- Die Juden der Stadt Kertsch
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 90 (sequence 3)
- Language
- German
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- 90 - Tabelle III. Familienstand der gesamten und der jüdischen Bevölkerung im Gouvernement Taurien. Tabelle IV. Analphabeten unter der jüd. Bevölkerung Kertsch's mit Berücksichtigung der Umgangsprache u. d. Alters. Gesamtbev. Jüd. Bev. männlich j weiblich zusammen! _ männl. weibl. männl. weibl. Alter u .22 73 32 o C/3 i *o ~u Vi o C/3 3 *a cc "c/5 ' Vi CS C/3 "o o Ledig....... 34,0 20,7 37,7 23,0 <c <n - 3! w i 5 cz s V) .O tö a j 61,5 68,3 59,0 64,5 20-291. l 4 _; 26! 8 2 41 15,4 Verwitwet..... 4,3 10,8 2,8 11,5 30-39 J. 3 4 _ j 47 i 13 8 75 28,3 Geschieden .... 0,1 0,1 0,4 0,9 über 401. 23 » 2! 87! 20 6 149 56,3 Es fehlt uns lek er jegliche Möglichkeit, zus. 27 19 2; 160 1 41 16 265 U 00,0 die Familienverhältnisse der Bevölkerung für eine Reihe von Jahren zurück zu verfolgen; aber schon die angegebenen Zahlen lassen auf eine normale Entwicklung schließen. Als ihre Umgangssprache gaben die Juden der Stadt Kertsch drei Sprachen an, und zwar jiddisch (Jargon) 425 Familien, d. h. 56,2^, russisch 255, d. h. 33,9 # und tatarisch 74, d. h. 9,93? Familien; als Umgangssprache wurde dabei diejenige bezeichnet, die die Eltern im Verkehr mit ihren Kindern brauchen und nicht etwa die Eltern unter sich. Nur deshalb ist vielleicht die große Verschiebung verständlich, die sich auf diesem Gebiete seit dem Jahre 1897 vollzog; so sprachen im Jahre 1897 im Gouvernement Taurien 91,1 % aller Juden jiddisch und nur 3,4% russisch und 5,4%' tatarisch. Aber es ist auch sehr wohl möglich, daß die Russifizierung, die sich zu allererst im Wechsel der Sprache dokumentiert, in den letzten 13 Jahren große Fortschritte gemacht hat. Im Gouvernement Taurien, wo die jüdische Bevölkerung nur 13,3/% der Gesamtbevölkerung ausmacht und ökonomisch verhältnismäßig gut gestellt ist, ist dieser fortschreitende Assirnilationsprozeß auch nicht weiter verwunderlich. Was die Bildungs Verhältnisse (siehe Tabelle IV) anbetrifft, so konnte man auf Grund der Antworten nur die Zahl der Analphabeten, und zwar nur unter der Bevölkerung vom 20. Lebensjahre ab feststellen. Die Zahl der weiblichen Analphabeten (22,4^) ist dabei bedeutend größer als die der männlichen (5,1 Ihre Zah l wächst ferner bei Männern wie bei Frauen bei fortschreitendem Alter: so fällt mehr als die Hälfte auf das Alter über 40 Jahren (56,3,%). Recht interessant ist hier die Wahrnehmung, daß die Zahl der Analphabeten von der Umgangssprache abhängig ist, wobei die russisch-sprechenden Juden am günstigten dastehen. So gab es unter Analpabeten 41 tatarisch-sprechende Juden oder 22,6% aller Analphabeten; 187 jiddisch-sprechende Juden oder 70,5 % und nur 18 russisch-sprechende Juden oder 6,7%'. Ihr Anteil an der gesamten jüdischen Bevölkerung der Stadt entspricht aber nicht der Zahl der Analphabeten; so machen die tatarisch-sprechenden Juden nur 9,9% der gesamten jüdischen Bevölkerung aus (und 22,6% aller Analphabeten), die jiddischsprechenden Juden 56,2 % (70,5^ Analphabeten), die russisch-sprechenden Juden 33,9 % (6,7^ Analphabeten). Man kann also die Tatsache nicht wegleugnen, daß einstweilen — und zwar im Süden Rußlands — die Russifizierung der jüdischen Bevölkerung gleichzeitig eine Verminderung der Analphabeten mit sich bringt. Die Kinderzahl in den jüdischen