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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1914-06-01 · Heft 6 (Juni 1914) · p. Seite 86

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
10 (1914)
Issue
Heft 6 (Juni 1914)
Article
Das Lernbedürfnis der preussischen Juden im Lichte der Statistik
Date
1914-06-01
Page
Seite 86 (sequence 6)
Language
German
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— 86 — sich geringer vermehrt als die der nichtjüdischen Volksgenossen, läßt sich leicht aus der Schulstatistik (Vgl. Verwaltung und Statistik 1914, Heft 2) beweisen. ,Bei der Volkszählung von 1910,* so heißt es a.a.O. ungefähr, „wurden in Preußen rund 7 166000 Kinder im schulpflichtigen Alter gezählt, d. s. rund 18^ der Gesamtbevölkerung von 40165000. Mitte des Jahres 1911 waren bei der Schülerzählung 7191000 schulpflichtige Kinder, also auch rund 18 ^, ermittelt worden. Zerlegt man die 7191000 schulpflichtigen Kinder der Schulzählung in Bekenntnisgruppen, so kommen auf jüdische Kinder 0,71 °/0. In der Gesamtbevölkerung Preussens machen aber die Juden 1,04 aus. Danach bleibt also die schulpflichtige jüdische Bevölkerung hinter dem Gesamtbevölkerungsanteil ihrer Religionsgemeinschaft zurück, d. h. also, die Juden haben weniger schulpflichtige Kinder, als ihrer Volkszahl entspricht." Schließlich wollen wir den Bevölkerungsanteil der Juden in Preußen (1,04^) auch noch mit dem Anteil der jüdischen Kinder an den einzelnen Schularten vergleichen. „Von 100 Schülern der höheren Knabenschulen," so heißt es weiter in dem eben zitierten Artikel, „waren 1911 anstelle des 1,04% des Volksanteils 6,02^ Juden, von 100 Schülerinnen der höheren Mädchenschulen anstelle von 1,04^ 7,48^, bei den Mittelschulen anstelle von 1,04 ^> 3,51 °/o, und nur bei den Volkschulen betrug der Anteil weniger als der Volksanteil, nämlich 0,31 </a anstatt 1,04 %. Die Juden stehen also in der Beschulung ihrer schulpflichtigen Kinder sehr viel vorteilhafter da als die nichtjüdische Bevölkerung Preußens, der Anteil der jüdischen Schüler an der Gesamtheit ist aber im steten Sinken begriffen, denn die Kinderzahl der jüdischen Familien erreicht nicht den ihr zukommenden Anteil an der Gesamtkinderzahl im Staate." Wenden wir uns nun den Hochschulen zu (Vgl Preußische Statistik, Heft 236). Wie wir oben gesehen haben, betrug der Anteil der Juden an der Gesaratbevölkerung Preußens etwas mehr als 1 $ bei beiden Geschlechtern, und zwar nimmt dieser Anteil ab. 1902 waren es noch 1,12 vom Hundert der männlichen Bevölkerung, 1905: 1,10, 1911: 1,03. Wie wir weiter gesehen haben, ist der Anteil der jüdischen Schüler auf höheren Lehranstalten größer als der Volksanteil, freilich auch mit sinkender Tendenz. Er betrug an den höheren Knabenschulen 1902: 6,99^, 1905: 6,25^, 1911: 5,40^. Die meisten Studenten der Universitäten sind noch immer Gymnasialabiturienten, trotz der Berechtigung der Realgymnasien und der Oberrealschulen. Deshalb seien auch die konfessionellen Zahlen für die Abiturienten der Gymnasien genannt. Auf die Juden entfielen hier 1902: 7,36^, 1905: 7,25^/, 1908: 6,12^, 1911: 5,35^, also die gleiche fallende Reihe, die nicht wesentlich verschieden von der Reihe der Schüler überhaupt ist. Und schließlich der Anteil der Juden an den auf preußischen Universitäten studierenden Reichsinländern: 1902: 7,41 1905: 6,97^, 1908: 6,82^, 1911: 5,60 f^, also eine Zahlenreihe mit genau der gleichen Tendenz. Im übrigen nimmt, nebenbei bemerkt, nicht nur der relative Anteil der jüdischen Studierenden ab, sondern seit neuestem auch deren absolute Zahl. 1902 studierten an preußischen Universitäten 1221 Juden, 1905: 1301 Juden, 1908: 1440 Juden, 1911 aber nur 1 356 Juden. Würde man übrigens die Studierenden nach der Maßgabe der männlichen Bevölkerung auf die einzelnen Religionsbekenntnisse verteilen, wie das in Rußland Sitte ist, so kämen auf die Juden für 1911: 249 gegen 1356. Wir sehen also auch hier wieder das ausgeprägte Interesse der Juden an höherer Bildung.

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