Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 10 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Article
- Die gegenwärtige Sterblichkeit der jüdischen und christlichen Bevölkerung des Großherzogtums Hessen nach Geschlecht, Alter und Todesursachen
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
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— 51 — bei den Erkrankungen des Herzens, der Nerven usw.) Im Nachfolgenden soll die gegenwärtige Sterblichkeit der jüdischen und christlichen Bevölkerung des Großh. Hessen untersucht werden. Wie sich die Sterblichkeit im Laufe der letzten 40 Jahre verändert hat, bleibt einer späteren Darlegung vorbehalten. Wie schon erwähnt, bildet die Zahl der Lebenden undGestorbenenen nach Geschlecht und Altersklassen die Grundlage für die Berechnung der Sterblichkeit. Es muß deshalb die erste Aufgabe sein, die jüdische und christliche Bevölkerung, sowie die Sterbefälle nach Geschlecht und Altersklassen kennen zu lernen. 2. Der Altersaufbau der Juden und Christen des Großh. Hessen 1906/10. Der Berechnung der gegenwärtigen Sterblichkeit wird der Zeitraum 1906 bis 1910 zugrunde gelegt. Für ihn ist also die mittlere Bevölkerung festzustellen, indem das Mittel aus den Ergebnissen der beiden Volkszählungen in den Jahren 1905 und 1910 genommen wird. Als Altersklassen sind folgende 6 gewählt, und gerade diese, weil für sie nach den Bestimmungen der deutschen Todesursachenstatistik die Todesursachen ausgezählt werden. Die 6 Altersklassen sind : unter 1 Jahr 1 bis 14 Jahre 15 bis 29 Jahre 30 bis 59 Jahre 60 bis 69 Jahre 70 und mehr Jahre. Betrachtet man die Zahlen der Tabelle I, so wird man finden, daß der Altersaufbau der Juden von dem der Christen wesentlich abweicht. DieJuden sind kinderarm, die Christen kinderreich; die Zahl der unter 15\Jahre alten Knaben beträgt bei den Juden nur 26,3 % sämtlicher männlichen Personen, bei den Christen dagegen 34,3 % (bei den Mädchen 24,7 gegen 33,6). Dagegen beläuft sich der Anteil der über 60 Jahre alten männlichen Personen an der Gesamt- Tabelle I. Mittlere Bevölkerung 1906/10. Alters¬ Juden Christen klassen männl. weibl. männl. weibl. unter 1 210 198 16 215 15 570 1—14 2 900 2 903 192 669 189 536 15-29 3 054 3139 164 017 156 142 30-59 4 326 4811 191 724 197 702 60-69 859 973 29 946 34 645 70 und mehr 479 528 15 239 17 828 zusammen 11828 12552 609 810 611 423 Von je 100 kommen auf die nebenstehenden Altersklassen unter 1 1,8 1,6 2,7 2,6 1-14 24,5 23,1 31,6 31,0 15-29 25,8 25,0 26,9 25,5 30-59 36,6 38,3 31,4 32,3 60—69 7,3 7,8 4,9 5,7 70 und mehr 4,0 4/2 2,5 2,9 100,0 100,0 100,0 100,0 zahl der männlichen Personen bei den Juden auf 11,3^, bei den Christen nur auf 7,4 % (beim weiblichen Geschlecht auf 12,0 gegen 8,6). Die jüdische Bevölkerung hat also verhältnismäßig weit mehr alte Leute als die christliche. Für Juden und Christen gilt gleichmäßig, daß in den unteren Altersklassen (bis zu 30 Jahren) das männliche und das weibliche Geschlecht fast gleich stark vertreten ist, daß dagegen in den 3 oberen Altersklassen das weibliche Geschlecht stets überwiegt. In der Altersklasse von unter 1 Jahr ist die Zahl der Knaben immer größer als die der Mädchen, weil regelmäßig mehr Knaben als Mädchen zur Welt kommen. Da jedoch die Knabensterblichkeit die Mädchensterblichkeit in den ersten Jahren übertrifft, so werden