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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1914-04-01 · Heft 4 (April 1914) · p. Seite 50

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
10 (1914)
Issue
Heft 4 (April 1914)
Article
Die gegenwärtige Sterblichkeit der jüdischen und christlichen Bevölkerung des Großherzogtums Hessen nach Geschlecht, Alter und Todesursachen
Date
1914-04-01
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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— 50- Viel wertvoller ist es, bei einer Berech-; nung der Sterblichkeit nur solche Personen- I gruppen zu wählen, deren Sterblichkeit an- > nähernd gleich groß ist. Es liegen in dieser Hinsicht auch Untersuchungen nach folgenden Gesichtspunkten vor: Reiche, wohlhabende, arme Bevölkerung; Volksklassen in besseren und geringeren Wohnungen; städtische und ländliche Bevölkerung; landwirtschaftliche Bevölkerung, Industriebevölkerung, Beamte, bestimmte Berufsgruppen. Aber alle Untersuchungen, die bis jetzt vorgenommen worden sind, können wenig befriedigen, weil die Unterlagen für die Berechnung mehr oder weniger mangelhaft j sind. Als solche sind unbedingt notwendig: ] 1. Die Zahl der G e s t o r b e n e n einer j bestimmten Bevölkerungsgruppe nach Geschlecht und Altersklassen für ein Jahr oder einen mehrere Jahie umfassenden Zeitraum, 2. die Zahl der Lebenden derselben Bevölkerungsgruppe, ebenfalls nach Geschlecht und Altersklassen für den gleichen Zeitabschnitt. Es ist leicht einzusehen, daß zuverlässige Zahlenangaben nach beiden Beziehungen nur sehr schwer zu beschaffen sind. Am ehesten wäre noch die Zahl der Gestorbenen einer bestimmten Berufsgruppe zu erlangen, obwohl auch hier die Einreihung in bestimmte Gruppen auf Schwierigkeiten stößt. Ganz besonders schwierig aber ist es, die Zahl der Lebenden einer geschlossenen Volksklasse nach Geschlecht und Alter festzustellen. Die Berufszählungen lassen hier im Stich. Wer sich eingehender unterrichten will, sei auf das treffliche „Handbuch der medizinischen Statistik" von Dr. Fr. Prinzing, Verlag von Fischer in Jena, 1906, j verwiesen. j Eine Bevölkerungsgruppe, für die jedoch {; die obengenannten 2 Bedingungen erfüllt I werden können, sind die Juden. Die Zahl i der Lebenden wird bei jeder Volkszählung festgestellt und kann nach Altersklassen ausgezählt werden, was allerdings in der Regel nicht geschieht. Noch leichter ist es, die S t e r b e f ä II e nach Geschlecht und Altersklassen aufzuteilen. Es bleibt dabei nur noch die Frage offen, ob die jüdische Bevölkerung in bezug auf die Sterblichkeit eine einheitliche Personengruppe bildet. Sie ist im allgemeinen zu bejahen. Gewiß gibt es reiche, und arme Juden, ferner solche, die in besten Woh-! nungen und solche, die in geringeren Woh- I nungen wohnen; auch verteilen sich die j Juden auf Stadt und Land. Es sind mithin auch hier die gleichen Verhältnisse wie bei der Gesamtbevölkerung anzutreffen, die die Sterblichkeit verschieden beeinflussen. Aber es ist trotzdem keine Frage, daß die jüdische Bevölkerung eine viel einheitlichere Gruppe darstellt, als die christliche. Bei den Juden Deutschlands ist die Schicht derjenigen Personen, deren Sterblichkeit durch größte Armut erhöht wird, sehr gering im Vergleich zur christlichen Bevölkerung. Auch hinsichtlich des Berufs sind sie einheitlicher. Weiß man doch, daß sie hauptsächlich im Handel und in den freien Berufen tätig sind. Wenn man die Sterblichkeit der Juden derjenigen der Nichtjuden gegenüberstellt, so sind es hauptsächlich folgende Momente, die bei der Beurteilung zu berücksichtigen sind: Die Juden sind im allgemeinen wohlhabender als die Christen, und ferner sind sie einheitlicher im Berufe. Ihre größere Wohlhabenheit muß im allgemeinen die Sterblichkeit mindern; die einseitige Be- I rufstätigkeit der Juden wirkt weiterhin teil- | weise mindernd (z. B. hinsichtlich der Verj unglückungen), teilweise erhöhend, (z. B.

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