Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 10 (1914)
- Issue
- Heft 3 (März 1914)
- Article
- Die Juden im Königreich Sachsen von 1832 bis 1910
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 39 (sequence 7)
- Language
- German
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- 39 - erst in der Altersklasse über 14 Jahre, wo 6 008 männliche und nur 5 010 weibliche Personen vorhanden sind. Etwas ausführlicher müssen wir bei der Unterscheidung nach der Staatsangehörigkeit verweilen, die in Sachen, wo die Zahl der Naturalisationen gering ist, mit der Unterscheidung nach der Gebürtigkeit nahezu identisch ist. Stellen wir die Ergebnisse der beiden Zählungen von 1905 und 1910 einander gegenüber: Zu- °/0 % Staatsangehörigkeit 1905 1910 nähme 1905 191*0 Sachsen..... 2549 2739 190 17,34 17,57 Sonst. Deutsch. Reich 4369 4470 101 29,73 25,42 Österreich .... 4701 6129 1428 31,98 34,84 Ungarn..... 217 321 104 1,48 1,82 Rußland..... 2271 3192 921 15,45 18,15 Andere Staaten. . . 589 718 129 4,01 4,08 Unbekannt .... 1 18 17 0,01 0,10 Zus.......14697 17587 2890 100,00 100,00 j Aus dieser Tabelle geht zweierlei hervor. Einmal, daß mehr als die Hälfte der sächsichen Judenheit rechtlich betrachtet Ausj 1 ander sind. Im Jahre 1910 waren es j 58,89% gegenüber 52,92% im Jahre 1905. j Zweitens, daß an der Zunahme der sächsichen Judenzeit fast ausschließlich diese Bevölkerungsschicht teil hat. Denn unter den 2 890 Personen, welche von 1905 bis 1910 hinzugekommen sind, waren nicht weniger als 2 582 89% Ausländer. Am stärksten ist der Anteil der Österreicher. Er; betrug 1905 31,98%, 1910 34,84%. Erst | an zweiter Stelle stehen die sonstigen Deutj sehen mit 29,73% bezw, 25,42%. Ihre Verj tretung sinkt im Verhältnis zu jener der j Ausländer. Im Steigen ist auch der Anteil j der aus Rußland zugewanderten Juden. j Was die Verteilung nach dem Geschlechte i anlangt, so ist charakteristisch, daß unter; den sächsischen Staatsangehörigen das weibj liehe Geschlecht überwiegt. Es betrug bei! ihnen die Zahl der Männer 1905 1247, die der I Frauen 1302. Am stärksten überwog das männliche Geschlecht bei den Juden aus dem übrigen deutschen Reich. Es trafen auf 1000 Frauen 1 275 Männer. Dann kommen die russischefi Juden mit 1249 Männern auf 1000 Frauen. Demgegenüber kann man bei den österreichischen Juden nahezu von einem Gleichgewicht der Geschlechter sprechen. Denn hier lauten die Zahlen 1000 Frauen zu 1085 Männern. Es kann hieraus vielleicht der Schluß gezogen werden, daß bei den Juden aus Österreich eine sogenannte Familieneinwanderung Platz greift, d. h. daß Mann, Frau und Kind einwandern. Dies ist eine Folge der bereits längere Zeit andauernden Einwanderungaus diesem Lande, während die Einwanderung aus Rußland jüngeren Datums ist. Es lassen sich zunächst Männer nieder, um hernach, wenn sie die Möglichkeit einer dauernden Niederlassung finden, ihre Familien, vor allem ihre Frauen nachkommen zu lassen. Bevor wir uns der Statistik von Dresden und Leipzig als Ergänzung unserer Darstellung von den Verhältnissen der Juden in Sachsen zuwenden, noch einige Worte über die Verteilung nach Stadt und Land und nach Kreishauptmannschaften. Wir haben schon oben bemerkt, daß das jahrhundertlange Verbot des Grundbesitzerwerbes zur Folge hatte, daß die Juden sich in den Städten ansammelten, und obwohl ihnen um die Mitte des vorigen Jahrhunderts das Recht der Freizügigkeit gewährt wurde, konnten sie sich nicht entschließen, auf das Land zu ziehen. Im Jahre 1834 wohnten nur 2 Juden auf dem Lande, 1849 waren es 6. Nur ganz langsam stieg die Zahl auf 70 im Jahre 1871. Von da ab vermehrt sich die ländliche jüdische Bevölkerung etwas stärker. Das gegenseitige Verhältnis von Stadt und Land seit 1871 bis 1900 — das letzte Jahr, für