Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 10 (1914)
- Issue
- Heft 3 (März 1914)
- Article
- Die Juden im Königreich Sachsen von 1832 bis 1910
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
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- 36 - samen Rückschläge in den 50 er Jahren be- I gann eine ruhige, aber sicher aufsteigende j Entwicklung bis in unsere Tage. Deutlich | veranschaulicht den Werdegang der Gej meinde von 1832 bis 1885 die nachfolgende | Tabelle Jahr Gesamtbevölkerung Juden % der Jude? 1832 64 399 712 1,11 1834 66 133 682 1,03 1837 69 523 647 0,93 1840 74 122 644 0,87 1843 78 995 626 0,79 1846 89 327 660 0,74 1849 94 092 672 0,71 1855 108 966 700 0,64 1858 117 750 679 0,58 1861 128 152 719 0,56 1864 145 728 859 0,59 1867 156 024 870 0,56 1871 177 040 1246 0,70 1875 197 295 1956 0,99 1880 220 818 2228 1,01 1885 246 088 2315 0,94 Ganz anders die Geschichte der L e i p - ziger Judengemeinde. In Leipzig hat sich die jüdische Bevölkerung auch während der schlimmen Zeit vor 1849 vermehrt. Sie hat sich von 1832 bis 1849 mehr als verdoppelt, ist von 140 auf 320 gestiegen. Ganz besonders stark war die Zunahme von 1849 bis 1858, nämlich nahezu 400 Personen. Zweifellos war daran der Umstand schuld, daß damals die Messe in Leipzig sehr bedeutend war. Es vollzog sich gerade um jene Zeit eine allmähliche Konzentration des gesamten Meßverkehrs in Leipzig, namentlich soweit der Verkehr in einheimischen Waren in Frage kam. Leipzig war unbestritten der bedeutendste Handelsplatz Sachsens, und einer der wichtigsten im ganzen Zollverein. Aber auch abgesehen von den Messen, entwickelte sich Leipzig zu einem grossen Handelsplatz, vorzüglich, was den Verkehr mit Rauchwaren anlangt, für welche Leipzig der Hauptstapelplatz war, ebenso für Kolonialwaren. Die Steigerung des Verkehrs in beiden Waren ist ungeheuer rasch vor sich gegangen, und die Ziffern der umgesetzten Werte in der Handelsstatistik Leipzigs.zeigen ganz deutlich, welche Stellung sich Leipzig auch als Handelsplatz für diese vom Meßverkehr unabhängigen Artikel errungen hat. Das Jahrzehnt 1849 bis 1859, das die große Zunahme der jüdischen Bevölkerung aufweist, ist wirtschaftlich eines der glücklichsten in der Geschichte des 19. Jahrhunderts. Verfolgen wir auch für Leipzig die Entwicklung der Bevölkerung an Hand der Tabelle von 1832 bis 1885: Jahr Gesamtbevölkerung Juden % der Juden 1832 43 189 140 0.32 1849 62 374 320 0,51 1858 74 209 713 0,96 1861 78 495 786 1,00 1864 85 394 1027 1,20 1867 90 824 1148 1,26 1871 161 091 1768 1,09 1875 200 149 2616 1,34 1880 244 285 3265 1,29 1885 291 050 3749 1,16 Die große Zeit nach dem Kriege von 1864, 1866 und 1871, die zu einem Aufschwung der Bevölkerung in allen Staaten Deutschlands führte, ist auch an der jüdischen Bevölkerung in Sachsen nicht spurlos vorübergegangen. Wie anderswo wuchs sie auch hier sprunghaft. Ebenso aber sind die beiden Jahrfünfte 1875 bis 1880 und 1881 bis 1885 Jahre der Ernüchterung. Zum besseren Verständnis wollen wir die Zählungsergebnisse von 1849 bis 1885 dem Leser vorführen und gleichzeitig das prozentuale Zunahmeverhältnis während der einzelnen Zählungen angeben. Prozentuale Prozent¬ Gesamt- Zunahme satz Jahr Bevöikerung Juden der Juden der Jude 1849 1 894 431 1022 17,4 0,05 1855 2 039 176 1200 18,2 0,06 1858 2 122 148 1419 9,6 0,07 1861 2 225 240 1555 26,3 0,07 1864 2 337 192 1964 7,1 0,08 1867 2 423 586 2103 59,1 0,09 1871 2 556 244 3346 60,2 0,13 1875 2 760 586 5360 21,6 0,19 1880 2 972 805 6516 19,0 0,22 1885 3 182 003 7755 — 0,24