Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 10 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Article
- Die jüdischen Frauenvereine in Deutschland
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
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- 20 — lerinnen der beiden höchsten Unterrichtsl klassen, sowie Gewährung von Lehrmitteln. Die Fürsorge für die Erziehung zu einem Beruf geht auch dahin, minderbemittelte Knaben und Mädchen des Ortes auf Kosten des Vereins erziehen, unterrichten zu lassen und sie zwecks Erreichung eines Berufes auszustatten, so in Braunschweig. Während bei einer Anzahl von Frauen- \ Vereinen die eben geschilderte Fürsorge für die schulentlassene Jugend, die Ausbildung : derselben zu einem bestimmten Berufe, nur einen Teil der Tätigkeit bildet, gibt es in T h o r n einen Frauen-Verein, der sich ausschließlich diesen Zwecken widmet. Viele Frauen-Vereine begnügen sich i aber nicht damit, einzelnen Mädchen zu ihrer Fortbildung behilflich zu sein, sie - suchen die weibliche Jugend zusammen,; einander näher zu bringen, namentlich die ■ kaufmännische weibliche Jugend in besoni deren Heimen zu vereinen und sorgen für I ihre persönlichen und sozialen Bedürfnisse. \ Der immer stärker werdende Eintritt des; weiblichen Elementes in das Wirtschaftsleben! hatte zur Folge, daß die heutige Jugend j mehr als früher das Eiternhaus verläßt und j von kleinen Orten in die Großstadt zieht, j Diese Mädchen vor den Gefahren der Großj Stadt zu schützen und ihnen das Elternhaus j zu ersetzen, bezwecken eine größere Anzahl j Heime, die zwar nicht sämtlich von Frauen-; Vereinen, sondern auch von anderen Wohlj tätigkeitsinstitutionen, wie namentlich von; Logen, ins Leben gerufen wurden, die wir j der Vollständigkeit halber jedoch an dieser! Stelle erwähnen wollen. Nennen wir in erster Linie den j Stettiner Verein, der ein Komitee außerj ordentlicher Mitglieder ins Leben gerufen; hat mit 59 im Erwerbsleben stehenden Mäd-; chen zu dem Zweck, das Hauptaugenmerk auf die soziale Fürsorge für die weibliche Jugend zu richten. Den Vorsitz in diesem Komitee führt eine Dame des Frauen-Vereins, außerdem gehören noch 30 Damen dem Komitee an, darunter 8 beruflich arbeitende junge Mädchen. Seit 1. 10. 1908 besteht bereits ein eigenes Heim für junge Mädchen, wo sie nach den Mühen des Tages sich versammeln. Der Versuch wurde mit 2 jungen Mädchen gemacht; er glückte in überraschender Weise. Nach wenigen Monaten waren die Räume mit 6 Pensionärinnen besetzt und zu klein. Jetzt ist das Heim voll besetzt. Die Pensionärinnen zahlen je nach der Lage und Größe der Zimmer 50—70 M im Monat, Angestellte mit einem Monatsgehalt unter 50 ,46. entsprechend weniger« Mit dem Pensionat ist eine Küche und Haushaltungsschule verbunden, welche unter Leitung der Vorstandsdame Gelegenheit bietet, die rituelle Küche zu erlernen. Durch Stellenvermittelung hat das Komitee vielen jungen Mädchen, im letzten Berichtsjahre 20, ein Fortkommen verschafft. Allwöchentlich findet ein Klubabend statt. Auch eine Bibliothek ist vorhanden, die reichlich benutzt wird. Allmonatlich werden Vorträge belehrenden Inhalts gehalten. Kurse zur kaufmännischen Ausbildung sind einge - richtet Ferner seien erwähnt das israelitische Mädchenheim in F r a n k f u r t am M. (Heim weiblicher jüdischer Angestellter) gegr. 1908, das 35 Insassen zählt; ebendort der Mädc h e n k 1 u b , welcher schulentlassenen Mädchen, die bereits im Berufe stehen, Gelegenheit zur Fortbildung und Unterhaltung gewähren soll. Er verdankt sein Entstehen der Weiblichen Fürsorge in Frankfurt a. M. Es hatte sich für die beobachtenden Männer und Frauen dieser Organisation die Not-