Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 10 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Article
- Die jüdischen Frauenvereine in Deutschland
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
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- 19 - Frauen-Vereine bildet die Ausübung: religiöser Gebräuche bei Sterbenden und gestorbenen weiblichen; Personen, ähnlich wie bei den Männer- Vereinen, den sogenannten heiligen Bruderschaften oder Chewras-Kadischas. Man darf wohl annehmen, daß von fast allen Frauen- Vereinen diese Pflicht erfüllt wird, die haupt- \ sächlich in der Totenwache, im Waschen; und Kleiden der Toten, im Liefern der Leichenwäsche, welche im Frauen-Verein selbst hergestellt ist, besteht. Es ist nicht I ausgeschlossen, daß bei sehr vielen Vereinen j die Ausübung dieser Gebräuche den Anstoß \ zur Bildung des Frauen-Vereins gegeben hat, und in den kleineren Gemeinden bildet j sie fast den ausschließlichen Zweck desselben. I Wir kennen in Deutschland auch eigene Frauen-Chewras-Kadischas, so die Chewra-! Kadischa in Heidelberg, die dort 1891 gegrün- | det wurde. Aber auch dieser Verein ^orgt, wie j aus dem Bericht hervorgeht, für Kranke und j arme Personen, denn nahezu die Hälfte! der Ausgaben im Jahre 1911, nämlich 654 M. \ von insgesamt 1561 M. war für bedürftige j Kranke und Verpflegung derselben bestimmt, j Ein besonderes Kapitel bildet die Kinderj Fürsorge, der sich neuerdings die jüdischen ] Frauen-Vereine in starkem Maße widmen. \ Wir verstehen darunter die Fürsorge für \ kranke und schwächliche, sowie erholungsbedürftige Kinder, welche von ihnen in Ferienkolonien und in Kinderheilstätten geschickt; werden. Ferner die Speisung und Beklei- \ dung von Schulkindern, die Gründung von : Säuglingsmilchküchen, Kindergärten, Kinderheimen und Kinderhorten usw. Im einzel- 1 nen wird an den betreffenden Stellen (im; Kapitel Jugendfürsorge) hierüber ausführlich j gehandelt. Die Bekleidung armer Kinder; erfolgt in der Regel durch Channukah- und Purim-Bescherungen. Die Veranstaltung von Bescherungen lag früher häufig in den Häni den der Jungfrauen-Vereine, welche ursprünglich zu dem Zweck gegründet waren, arme Bräute auszustatten und arme Kinder zu bekleiden. Sie haben indessen, wie wir bald sehen werden, ihren Aufgabenkreis sehr erweitert. Etwas eingehender müssen wir ein weiteres Gebiet der Frauen - Vereine, das von immer größerer Bedeutung wird, berühren, nämlich die Fürsorge für die schulentlassene weibliche Jugend, die Heranbildung derselben zu einem Berufe, die Ausbildung für die Hauswirtschaft, die Unterbringung in Geschäften usw. Hier betätigen sich namentlich die Jungfrauen- Vereine, von denen vorhin die Rede war, Sie sind unbemittelten Mädchen zur Erlangung einer selbständigen Existenz behilflich, so in Beuthen, Stuttgart, Breslau. Besonders weitreichend ist das Tätigkeitsgebiet des Breslauer Jungfrauen-Vereins, dessen Zweck nach der Satzung die Beförderung ehrenhafter Erwerbstätigkeit unter den armen Mädchen am Orte ist, namentlich die Heranbildung zu einem ihren Fähigkeiten angemessenen Lebensberufe, sowie Unterstützung Belohnung verdienenden Fleißes. Der Verein gewährt Unterstützungen: a) zu dem Zweck einer Ausbildung für Lehrerinnen, Erzieherinnen in öffentlichen Lehranstalten, b) zur Erlernung einer den künftigen Lebensunterhalt sichernden gewerblichen oder hauswirtschaftlichen Tätigkeit, c) Prämien an weibliche Dienstboten, d) ausnahmsweise vorübergehende bare Geldunterstützungen an weibliche Personen, die sich durch ihrer Hände Arbeit ernähren, und ohne ihr Verschulden erwerbsunfähig geworden sind. Dann auch Gewährung von Schulgeld an Schü-