Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 10 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Article
- Die jüdischen Frauenvereine in Deutschland
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 3)
- Language
- German
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— 4 — wahrscheinlich damals in den meisten jüj dischen Vereinen erfolgt sein, und es wäre j eine besondere Aufgabe, zu untersuchen, in I welchem Maße sich die jüdischen Frauen- J Vereine in den kriegerischen Zeiten an den j Leistungen für das Vaterland neben den nichtjüdischen Frauen-Vereinen, namentlich den vaterländischen beteiligt haben. — Auch dieser Verein ist bei seinen ursprünglichen Aufgaben nicht stehengeblieben, hat vielmehr die Grenzen seiner Betätigung immer weiter gezogen und befaßt sich jetzt insbesondere mit Jugenderziehung. Wenn wir im folgenden nunmehr daran gehen, das Tätigkeitsgebiet der jüdischen Frauen-Vereine im einzelnen zu skizieren und ihre hauptsächlichen Leistungen darzustellen versuchen, so soll damit nicht etwa gesagt sein, daß alle jüdischen Frauen-Vereine diese Aufgaben auch wirklich erfüllen.; Es gibt selbstverständlich eine ganz bej deutende Anzahl von Frauen-Vereinen, vorj züglich in den kleinen Orten, die nur die I eine oder andere Aufgabe zum Gegenstande I ihrer Tätigkeit sich gemacht haben, denen I es vor allem an den Mitteln fehlt, um alle I jene Gebiete zu bearbeiten, die wir im \ folgenden aufzeichnen werden. Uns aber j kommt es vor allem darauf an, aus der j Fülle des Materials, das uns in den Jahresj berichten und handschriftlichen Mitteilungen j aus den einzelnen Gemeinden zur Verfügung j steht, in übersichtlicher Reihenfolge die einj zelnen Tätigkeitsgebiete herauszukristalli-! sieren, damit wenigstens über den Umfang j derselben eine Vorstellung geschaffen werden! kann. Die wesentlichsten Aufgaben, die; wir nachher charakterisieren, werden, wie aus den Satzungen hervorgeht, von einer recht großen Anzahl jüdischer Frauen-Vereine ausgefüllt. Wir nennen nur Dirschaii, Stolp, Stralsund, Leobschütz, Zabrze, Kolberg, j Frankfurt a. O., Spandau, Gnesen, Glogau, : Liegnitz, Oppeln, Osnabrück, Hannover, usw. In den Großgemeinden haben sich die Frauenvereine in die Erfüllung der Aufgaben geteilt, um wirksamer tätig sein zu können. Jeder Frauen-Verein hat ein fest begrenztes Gebiet sich gestellt, auf welchem er infolgedessen auch Tüchtiges zu leisten vermag. Da gibt es besondere jüdische Frauen-Vereine für Arme, besondere für Krankenpflege, besondere weibliche Chewras-Kadischas, besondere Jungfrauen-Vereine, besondere Witwen- und Weisenvereine, so in Berlin, Königsberg, Heidelberg, Dan dg, Nürnberg etc. Aber sie wirken doch Hand in Hand miteinander, sie verständigen sich gegenseitig dort, wo ihr Arbeitsgebiet sich berührt. Es herrscht nicht etwa eifersüchtiges Wachen darüber, daß der eine Verein nicht in das Gebiet des anderen hinübergreift, im Gegenteil, man vereinbart besondere Besprechungen, Sitzungen, man schließt sich, wie es in Nürnberg der Fall ist, zu einem Verbände zusammen. Im allgemeinen soll von den Frauen- Vereinen das ganze Gebiet der tätigen Nächstenliebe umfaßt werden, der werktätigen Nächstenliebe, das Helfen nicht bloß mit einem Rat, sondern durch die Tat, durch enge Beziehung, in welche man zu der unterstützten Person tritt. Das ist das besondere Kennzeichen der Frauen-Vereine. In Ihnen sucht man die enge Fühlung mit der Person, welche der Hilfe bedarf, herbeizuführen, man pflegt den Kranken, die Wöchnerin, man widmet sich den Kindern, der Jugend, den schulentlassenen weiblichen Personen, um sie einem bestimmten Berufe zuzuführen. Beginnen wir mit der allgemeinsten Aufgabe, die, wie wir oben gesagt haben, nicht überall die ursprünglichste, aber nahezu allen Vereinen gemeinsam ist, mit der Unterstützung Armer, besonders armer