Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 10 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Article
- Die jüdischen Frauenvereine in Deutschland
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 4)
- Language
- German
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_ 5 — Frauen und Mädchen, armer Witwen und Waisen, alterschwacher und siecher Personen. Es werden natürlich in erster Linie Angehörige des eigenen Geschlechts berücksichtigt, wie es in manchen Statuten ausdrücklich vorgesehen ist. Nicht selten aber findet sich die Bestimmung, daß ganz allgemein Armenunterstützungen gewährt werden sollen, wie in Corbach und zwar nicht nur an Ortsarme, sondern wenn die Mittel reichen, auch an Durchreisende, ganz in derselben Weise, wie es von den Armenvereinen aus geschieht, so in Lübeck, Schweinfurt. In manchen Orten wird sogar den Frauen-Vereinen die gesamte Armenpflege innerhalb der Gemeinde übertragen, so in Bamberg. Die Form, in welcher die Unterstützung gewährt wird, ist eine überaus mannigfache. Teils wird sie in barem Gelde als wöchentliche oder monatliche Unterstützung gegeben, oder auch als außerordentliche Unterstützung bei besonderen Notfällen, als Zuschuß zur Miete, wie beispielweise in Lübeck, wo besonders in das Statut eine diesbezügliche Bestimmung aufgenommen ist, teils aber auch in Form von Naturalien, die früher noch eine viel größere Rolle als heute spielten, und zwar als Zerealien, nämlich Brot, Kartoffeln, Fleisch, Milch, namentlich vor den Feiertagen Pessach, Rosch-Haschono, auch am Purim, insbesondere Feuerungsmaterial, Holz und Kohle, die im Herbst an die Armen verteilt werden, endlich in der Gewährung von Kleidungsstücken, namentlich für Kinder. Hierfür werden die Channukah-Bescherungen veranstaltet, die in den meisten Vereinen stattfinden. Es gibt in den größeren Orten auch selbstständige Channukah-Kommitees, die sich lediglich diesen Zweig sozialer Hilfe ausgesucht haben, so in Berlin und anderen Orten. (Fortsetzung folgt.) Die Bevölkerungsbewegung Her Stoßt Wien von 1900 üis 1911 mit besonderer Berücksichtigung der Juden. Von Horator. Der Geburtenrückgang ist heute ein charakteristisches Merkmal größeren Wohlstandes und höherer Kultur und kann nur teilweise, weil begrenzt, durch die geringere Sterblichkeit wettgemacht werden. Dies ist fast "in ganz West-Europa der Fall. Er macht sich hauptsächlich beim Mittelstand bemerkbar, wo er den schädlichsten Einfluß ausübt, während bei den unteren Schichten, wo er weniger nachteilig, vielleicht gar von Vorteil wäre, gar nicht vorkommt Diese Ansicht wird noch von manchen Seiten bestritten, ist aber durch die letzten statistischen Berichte aus Nord-Amerika bestätigt worden. Es ist nämlich dort die Wahrnehmung gemacht worden, daß die Nachkommen der osteuropäischen Einwanderer und sogar diese selbst, wenn sie in jugendlichem Alter hinkommen und erst dort heiraten, einen geringen Familienzuwachs haben, während Ost-Europa noch heute große Geburten-Ziffern mit viel größerer Sterblichkeit aufweist. Von dieser Kalamität wird hauptsächlich die Bevölkerung der größeren Städte betroffen, und die Stadt Wien liefert hierfür den besten Beweis.