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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1914-01-01 · Heft 1 (Januar 1914) · p. Seite 3

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
10 (1914)
Issue
Heft 1 (Januar 1914)
Article
Die jüdischen Frauenvereine in Deutschland
Date
1914-01-01
Page
Seite 3 (sequence 2)
Language
German
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— 3 - Beziehung eine Verpflichtung aufzuerlegen. Erst mehr als 40 Jahre später wurde für den Beistand in der Todesstunde und für die Leichenpflege eine besondere Verbindung solcher Frauen gestiftet, welche diesen frommen Diensten sich unterziehen wollten. Das Bedürfnis bestand schon lange Zeit und wie bei den Männer-Vereinen war auch in den meisten Frauen-Vereinen Deutschlands die Erfüllung dieser Aufgabe eine der Hauptpflichten der betreffenden Vereine. Es wurde vom Frauen-Verein ein besonderes Reglement für den Dienst bei den Toten ausgearbeitet. Die Leistungen des Vereins bestanden in baren Geldunterstützungen, in der Stellung eines Arztes, einer Apotheke, aber auch in Naturalien und zwar von den frühen Zeiten an bis auf die Gegenwart in der unentgeltlichen Gewährung von Brennmaterial, Kartoffeln, Wein, später namentlich Milch. Es zeigt sich hier bei der Entwicklung des Kasseler Vereins, wie allmählich sich der Aufgabenkreis der Frauen-Vereine entfaltet hat. Neben den Ortsarmen wurden bald auch die Durchreisenden unterstützt. Dann wird 1877 begonnen, auch auswärtige Arme zu unterstützen, soweit die Mittel reichen. In der Krankenpflege tritt eine weitere Ausgestaltung ein, indem Badereisen und Landaufenthalt gewährt werden. Die Kinderpflege beginnt einzudringen in den Bereich der Aufgaben, die sich die Frauenvereine gestellt haben. Die Ausgaben wachsen von Jahr zu Jahr, aber auch die Mittel fließen immer reichlicher. Das Bewußtsein von der hohen Bedeutung des Vereins dringt in immer weitere Kreise, die Mitgliederzahl mehrt sich. Auch das Vermögen, das in manchen Jahren angegriffen werden mußte, steigt durch Legate und Geschenke. Der Verein selbst arbeitet Hand in Hand mit denam Orte bestehenden jüdischen und nichtjüdischen Wohlfahrtseinrichtungen I und wird zu einem wichtigen Faktor im i jüdischen Gemeindeleben. Ähnlich wird die Geschichte der meisten | jüdischen Frauen-Vereine sein, nur daß bei j manchen, wie bei den Männer - Vereinen.! neben der Sorge für Kranke die Ausübung von Wohltätigkeit an Sterbenden und Gestorbenen den Hauptanlaß zur Gründung | abgegeben hat. Noch für zwei andere Ver-! eine liegen uns Berichte, die sich auf die! Geschichte seit der Begründung beziehen, | vor, für Essen und H o e r d e i. West- | falen. Auch der Essener Verein, der 1905! das Jubiläum seines 50jährigen Bestehens I feiern konnte, verdankt seine Gründung dem! Bedürfnis nach Krankenpflege und Unter- | stützungHilfsbedürftigerbeiderleiGeschlechts. Auen hier ist aus kleinen Anfängen heraus der Kreis der Tätigkeit stark gewachsen und umfaßt heute neben der Krankenpflege die Unterstützung von Armen, namentlich notleidenden russischen und galizischen Familien, j deren Grundübel die Unsicherheit des Hau- | siergewerbes und die ungesunden Wohnungsi Verhältnisse sind. Ferner werden gefährdete I Mädchen, insbesondere Kinder, die in einer j sittlich bedenklichen Umgebung aufwachsen, \ in Privatpflege, Waisen- oder Erziehungs-; häuser gebracht, in H o e r d e i. Westfalen; bildete die geregelte Durchführung der! Krankenpflege den ersten Anstoß zur Grün-; dung des Frauen-Vereins. Den besonderen i Anlaß bildete das Auftreten der Blattern, die : nach dem italienischen Feldzuge 1859 in; Deutschland eingeschleppt wurden und i namentlich in den Industriegegenden Ver-; heerungen anrichteten. Besonders interessant | ist die Mitteilung, daß der Frauen-Verein j in den Kriegsjahren 1866 und 1870 sich | durch große Spenden, die Lieferung von! Verbandszeug, aber auch durch Pflegen der j Verwundeten rühmlich hervorgetan hat. Was hier für einen Verein bezeugt ist, wird

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