Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 10 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Article
- Die jüdischen Frauenvereine in Deutschland
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 1)
- Language
- German
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- 2 — Die jüdischen Frauenvei Von Dr. o e c. p u b 1. J; Im Rahmen der jüdischen Wohlxahrts- \ pflege spielen die Frauen-Vereine eine bei deutende Rolle. Ihre Tätigkeit läßt sich j aus dem Gebiete der sozialen Fürsorge nicht wegdenken, und es würde eine Arbeit für sich darstellen, wollte man im einzelnen; die Leistungen der jüdischen Frauen-Vereine i zu schildern versuchen, wie sie in zahlreichen Berichten uns vorliegen. Ihre Entstehung reicht ziemlich weit zurück, wenn auch nicht in so ferne Zeit, wie bei den Chewras Kadischas oder Männer- Vereinen. Immerhin besitzen wir eine ganz stattliche Anzahl von jüdischen Frauen- Vereinen, die mehr als 100 Jahre zählen. Wir nennen nur die Frauen -Vereine in i Kassel, Frankfurt a. CX, Grätz, Chemnitz, Köln, Breslau, deren Gründungszeit uns bekannt geworden ist. Weitaus die meisten aber stammen aus der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts und sehr viele aus den letzten Jahrzehnten. Die modernen Aufgaben, welche die Frauen-Vereine zu erfüllen haben, vor allem die Jugendpflege sind erst in dieser Zeit entstanden und haben die Begründung von Frauen-Vereinen zur Folge gehabt. Leider existieren nur wenige historische Darstellungen der Frauen- Vereine, die zweifellos ein hochinteressantes Bild der Entwicklung jüdischer Wohlfahrtspflege, wenn auch auf einem begrenzten Gebiete, entrollen könnten. Ganz besonders instruktiv aber scheint uns der Bericht aus Kassel zu sein, der anläßlich des 100jährigen Bestehens des Vereins im Jahre 1911 veröffentlicht wurde. Nach vieler Richtung l) Auszug aus Kap. 4. „Die jüdischen Frauenvereine" des Heft X der Veröffentlichungen des Bureaus für Statistik der Juden „Jüdische Wo hlfahrtspflege inDeutschlandB. eine in Deutschland.1) c o b S e g a 11, Berlin. hin dürfte er typisch auch für den Werdegang anderer jüdischer Frauen-Vereine sein, sodaß wir ihn in seinen Grundzügen wiedergeben wollen. Die Gründung reicht zurück in die ersten Tage der Befreiung aus dem Ghetto durch Bonaparte. Als man die Pforten des Ghetto öffnete, wurde von 2 Frauen begonnen, eine geregelte Armen- und insbesondere Krankenpflege auszuüben. Die Notwendigkeit scheint sich aus dem Grunde gezeigt zu haben, weil man im Ghetto, wo die Juden dicht nebeneinander wohnten und ihre persönlichen Verhältnisse genau kannten, mehr in der Lage war, den Armen wirklich zu helfen, während draußen außerhalb des Ghetto die zufällige Wohltätigkeit der einzelnen Mitglieder zwischen schlechten und faulen Armen auf der einen Seite und wirklich arbeitsunfähigen und bedürftigen auf der anderen Seite nicht recht unterscheiden konnte. Der jüdische Frauen- Verein war am Orte der erste seiner Art. Einige Jahre später, nämlich 1817, erfolgte die Gründung des israelitischen Schwesternbundes zur Erziehung und Ausbildung armer jüdischer Mädchen und erst 1840 entstand ein allgemeiner Frauen - Verein für Krankenpflege, der denselben Zweck, wie der jüdische Frauen - Verein verfolgt. Der Hauptzweck war, wie aus § 5 des ersten Statuts hervorgeht, dafür zu sorgen, daß die ortsanwesenden armen Kranken während ihrer Krankheit einen Arzt und die notwendigen Heilmittel und Labungen erhalten, daß ihnen auch nötigenfalls jemand zur Aufwartung gestellt werde. § 6 regelt die spezielle Fürsorge armer Wöchnerinnen und § 7 bestimmt, daß bei einem Sterbefalle sämtliche Mitglieder der Gesellschaft zum Nähen der Totenkleider eingeladen werden sollten, ohne denselben jedoch in dieser