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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1913-09-01 · Heft 9 (September 1913) · p. Seite 127

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
9 (1913)
Issue
Heft 9 (September 1913)
Article
Die Sterblichkeit der Juden in früheren Jahrhunderten
Date
1913-09-01
Page
Seite 127 (sequence 4)
Language
German
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— 127 — den Christen 2900, bei den Juden 164. Theilhaber steht es frei, die Höhe der Sterblichkeit auch der christlichen Bevölkerung anzuzweifeln mit der Begründung, daß unter diesen Umständen auch die christliche Bevölkerung ausgestorben wäre. Bei der Berechnung der Sterblichkeit sind für die Einwohnerziffer die von D i e t z in seinem Bürgerbuch angegebenen Ziffern der Bevölkerung zu Grunde gelegt für die Ziffer der Gestorbenen die in den Kirchenbüchern aufgezeichneten Zahlen. Es ist Jedem eine Nachprüfung möglich, und so lange mir nicht nachzuweisen ist, daß meine Berechnungen und ihre Grundlagen falsch sind, halte ich trotz Theilhaber meine Behauptung, daß im 16. und 17. Jahrhundert die Sterblichkeit der Frankfurter Juden relativ größer war als die der Christen, durchaus aufrecht. Theilhaber bestreitet, daß die Sterblichkeit der Frankfurter Juden enorm hoch gewesen sei mit dem Hinweis, daß D i e t z die Zahl der im Jahre 1643 beerdigten Frankfurter Juden mit 30 angibt, was einer Mortalität von 17—20% entspricht. Es widerstreitet natürlich jeder wissenschaftlichen Methode, aus einem einzigen Jahr, in dem zufällig die Sterblichkeit eine niedrige gewesen sein kann, allgemeine Schlüsse für Jahrhunderte zu ziehen. Übrigens ist sogar die Ziffer 40, die D i e t z angibt, zu hoch und falsch, sie betrug effektiv in diesem Jahre nach Horovitz 23. Wie übrigens Theilhaber hier eine relative Sterblichkeit von 17—20% berechnet, bleibt sein Geheimnis; falsch ist sie jedenfalls. Denn die jüdische Bevölkerungsziffer betrug zu jener Zeit, wie wir gesehen, etwa 500. Die Sterblichkeit auf 1000 betrug demnach nicht 17—20, sondern 40—50. Sehr bemerkenswert ist auch in diesem Zusammenhang festzustellen, daß die Juden in Frankfurt wenigstens nicht von der Pest verschont geblieben sind; die These von der von Theilhaber behaupteten Immunität kann also, soweit die Frankfurter Juden in Betracht kommen, nicht aufrecht erhalten werden. Daß die Sterblichkeit der Juden noch im 18. Jahrhundert größer war als die der Christen, dafür führe ich noch Kracauer an, wohl den besten Kenner der Geschichte des alten Frankfurter Gettos, dessen Autorität Theilhaber doch wohl anerkennen dürfte. Kracauer schreibt in seiner „Geschichte der Judengasse in Frankfurt a/M." (Festschrift zur Jahrhundertfeier der Realschule der israel. Gemeinde, Philanthropin), S. 464 wörtlich: „Wie unzureichend auch vorliegendes Material ist, so geht doch daraus hervor, daß für das 18. Jahrhundert die Sterblichkeit unter den Juden größer war als unter den Christen". Besonders groß war sie unter den Kindern, in manchen Jahren zwischen 1745 und 1770 waren über 50% der verstorbenen Juden Kinder unter 15 Jahren. Nach Theilhaber sollen die Angaben von D i e t z über die niedrige Sterblichkeit der alten Frankfurter Juden einen weiteren Beweis erhalten in den Zahlen, die er für die Jahre 1817/18 anführt, also für eine Zeit, wo die Juden noch im Frankfurter Getto wohnen mußten. Zunächst ist es ein starkes Stück, ein Jahr des 19. Jahrhundert mit einem des 17. ohne weiteres in Vergleich zu ziehen und zu deduzieren, weil im 19. Jahrhundert die Sterblichkeit günstig war, sei sie es auch im 18. Jahrhundert gewesen. Denn die Verhältnisse lagen doch in sanitärer Hinsicht so ungleichartig, daß sie gar nicht miteinander verglichen werden können. Übrigens ist es auch ganz falsch, daß die Juden 1817/18 noch im Getto zusammengepfercht wohnen mußten. Bekanntlich

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