Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 9 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Article
- Die Sterblichkeit der Juden in früheren Jahrhunderten
- Date
- 1913-09-01
- Page
- Seite 126 (sequence 3)
- Language
- German
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126 — an, (Horovitz, „Die Inschriften des alten; israelitischen Friedhofes zu Frankfurt a. M.M, j Frankfurt 1901), die dieser den Verzeichnissen; des Frankfurter israelitischen Beerdigungs- Vereins entnommen hat. Dieser Verein be-; sitzt ein altes Buch, das ein fortlaufendes j ununterbrochenes Verzeichnis aller Beerdii gungen enthält, die in den letzten 200 Jahren j von 1624 bis Anfangs des 20. Jahrhunderts j auf dem Frankfurter israelitischen Friedhof j stattgefunden haben. Auf Seite XXXIV j finden sich folgende absoluten Zahlen der j Gestorbenen : 1631 70 1637 97 1632 ■= 164 1638 101 1633 178 1639 72 1634 96 1640 60 1635 223 1636 175 zus. 1231 Es starben demnach nach absolut ein wandsfreier Feststellung in 10 Jahren 1231, j das ist durchschnittlich in einem Jahre 123 j Personen. Nun betrug die Zahl der Frankfurter Juden nach den Berechnungen Dr. D i e t z ' j (D i e t z , Frankfurter Bürgerbuch, Frank- \ furt a. M. 1897, S. 191), also eines Autors, ] den Theilhaber wohl gelten lassen dürfte, da er ihn ja S. 117 mir gegenüber anführt und sich auf ihn beruft: 1625—26 J000 1639-40 600 1645—46 500 Der Leser möge nun überlegen, ob unter Zugrundelegung dieser Einwohnerzahl und der authentischen Zahl der Gestorbenen für 1631/40 die Relativzahl von 206 so ungeheuerlich erscheint, wie es Theilhaber hinzustellen beliebt. Tatsächlich ist die Sterblichkeit der Frankfurter Juden in den Jahren 1624—1640 so erschrecklich groß gewesen, daß dieselben bis zu einem Fünftel dezimiert wurden und wahrscheinzlich gänzlich ausgestorben wären, wenn nicht Zuzug von außen gekommen wäre* Das sieht man am besten aus der Bevölkerungsziffer der Frankfurter Juden, wieder nach Dietz zitiert. Während sie 1611—12 auf 2300 angegeben wurde, fiel sie ständig in der Mitte des 17. Jahrhunderts bis auf 500, dann nimmt sie langsam wieder zu bis auf 800 im 6. Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts, sie stieg dann auf 1200, 1600, um am Ausgang des 18. Jahrhunderts erst wieder 2000 zu betragen. Woher rührte denn nun aber die große Sterblichkeit der Frankfurter Juden in der Zeit von 1624—1640? Wenn Theilhaber meine Arbeit vollständig gelesen hätte, und nicht bloß den Abschnitt, der sich auf die Sterblichkeit der Juden bezieht, oder bei einigem Nachdenken auch, oder, wenn er seine Geschichtskenntnisse aufgefrischt hätte, hätte er darauf kommen müssen, daß dies die Zeit des dreißigjährigen Krieges war mit allen seinen Greueln, Pest, Krieg und Hungersnot. Daß aber gerade die Pest und Hungersnot in den Jahren 1631 bis 1636 in Frankfurt mit besonders fürchterlicher Vehemenz wüteten, ist bekannt. Starben doch 1631 1132 1632 2900 1633= 762 1634 3512 1635 6943 1636 2301 1737--= 3152 Menschen bei einer Bevölkerungsziffer von 16000 anfangs der dreißiger Jahre, so daß im Jahrzehnt 1630-1640 die Sterblichkeit auf 1000 Einwohner durchschnittlich 158 betrug. Die hohe Sterblichkeit der Gettobewohner hat jetzt nichts Auffallendes mehr; wir sehen, daß die Sterbezahlen bei Juden und Christen ziemlich parallel gehen, die Sterblichkeit der Christen war 1635 am höchsten mit 6943, die der Juden mit 223, 1632 war sie bei