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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1913-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1913) · p. Seite 108

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
9 (1913)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1913)
Article
Die Juden in Bosnien und Herzegowina
Date
1913-07-01
Page
Seite 108 (sequence 5)
Language
German
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— 108 rückgebliebenen Lande, wie es Bosnien heute noch ist, eher in der Lage sein wird, Unterj rieht genießen zu können, als die ländliche. i Vor der Okkupation war es um die Schul-! bildung in Bosnien überaus traurig bestellt, \ und die Juden unterschieden sich in ihrem j Bildungsgrade kaum von den übrigen Bej völkerungsschichten. Nach dem schon öfter | zitierten Werke von Strauß unterhielten die > Juden noch im Jahre 1883 nur eine konj fessionelle Schule in Sarajevo. In den 42 j Volksschulen waren im ganzen 295 jüdische Kinder untergebracht, und dies war schon mehrere Jahre nach der Okkupation, als j sich die Verhältnisse gebessert hatten. Vor j der Okkupation konnten die männlichen j Juden nur hebräisch schreiben, die weibj liehen Juden waren überhaupt des! Schreibens unkundig. Trotz aller Bemühungen Österreichs macht die Volksbildung in Bosnien nur langsame Fortschritte. Noch heute gibt es dort 84,84% Analphabeten unter den über 7 Jahre alten Personen; nur 11,95% können lesen und schreiben. Ein i obligatorischer Schulzwang ist erst seit 1911 j eingeführt. Die Juden haben jedenfalls die j Gelegenheit, sich elementare Kenntnisse anj zueignen, in reichem Maße benutzt, denn j die amtliche Statistik hebt hervor, daß die Juden und Evangelischen sich durch eine ausgebreitete E 1 e - j mentar schul b il dun g auszeichnen. j Es wurde nämlich festgestellt, wie viele I von den Muselmannen, Serbisch-Orthodoxen, j Römisch-Katholiken Analphabeten sind, wieviel lesen und schreiben, wieviele nur lesen können. Die Israeliten wurden mit den Evangelischen und Übrigen in eine Sammelgruppe „Sonstige" zusammengeworfen. Da hat sich nun gezeigt, daß die „Sonstigen" am besten abschneiden, indem von ihnen nur 38,27 % Analphabeten sind, während dies bei den Serbisch-Orthodoxen bei 89,92% der Fall ist, bei den Muselmannen gar bei 94,65%, bei den Römisch-Katholiken bei 77,45%. Ganz besonders deutlich zeigt sich im Kreise Sarajevo, in welch starkem Maße die Juden im Verhältnis zur anderen Bevölkerung an der Elementarbildung Anteil haben. Dort bilden nämlich die Juden 85% der „sonstigen" Bevölkerung, und 72% der „Sonstigen" konnten lesen und schreiben gegenüber 13,61% bei den Serbisch-Orthodoxen, 4,91% bei den Muselmannen und 45,26% bei den Römisch-Katholiken. Aber noch nach einer andern Richtung hin war die Agglomeration der Juden in den Städten auf ihre Entwicklung von entscheidendem Einfluß. Die Städte sind der Sitz des Handels, und die Juden waren von dem Zeitpunkt ihrer Einwanderung an bis auf den heutigen Tag ein handeltreibendes Element im Lande. Sie hatten unter den schweren Bedrückungen, welche die Nichtmohammedaner unter der ottomanischen Herrschaft zu erdulden hatten, nicht in dem Maße zu leiden wie die Christen, obwohl auch sie zu den Rechtlosen gehörten, weil sie nur eine verschwindend geringe Anzahl bildeten, weil sie sich ruhig verhielten, nicht an Aufständen sich beteiligten, sondern stets ohne zu murrenihre Steuern zahlten, vor allem aber, weil sie einen wertvollen Bestandteil der Bevölkerung ausmachten. Sie waren Träger des Binnen- und Außenhandels. Srauß erzählt uns, daß der Handel die ausschließliche Beschäftigung der Juden bildete, daß sie lange Zeit hindurch in nicht geringem Maße die verschiedensten Handelszweige betrieben. „Die spanischen Juden wenden alle ihre Fähigkeiten und ihre ganze Tätigkeit dem Geschäft zu. Durch ihre Hand geht fast alles, was von außen ins Land und was aus dem Lande hinausgeführt wird. Sie kümmern sich nicht um die Politik und widmen ihre ganze Aufmerksamkeit dem inneren Bedarf und der Nachfrage und sind

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