Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 9 (1913)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1913)
- Article
- Die Juden in Bosnien und Herzegowina
- Date
- 1913-07-01
- Page
- Seite 109 (sequence 6)
- Language
- German
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— 109 — bemüht, die Waren je wohlfeiler zu erwerben, j Sie streben nicht nach Grundbesitz und i haben geringe Ansprüche." An einer anderen j Stelle heißt es: „Der spanische Jude ist j als Geschäftsmann unermüdlich und um- \ sichtiger als der Mohammedaner. Seine j Bazare schmückt er nicht besonders aus;! er gibt nichts auf Äußerlichkeiten, er richtet j keine Aushängekästen ein und hält seine j Waren zumeist in Magazinen. Zwischen ihm j und dem mohammedanischen Kaufmann bej steht der wesentliche Unterschied darin, daß, j während der mohammedanische Kaufmann i in seine Waren nahezu verliebt ist und diej selben urnsomehr liebt, je länger sie bei ihm j bleiben, sodaß er sich von denselben kaum j trennen kann, der jüdische Kaufmann seine! Waren nur insofern schätzt, als sie einen j Wert haben, und er bemüht sich, dieselben j möglichst zu veräußern." So lagen die Verhältnisse anfangs der 80 er Jahre. W7ie es heute um die Wirtschaftslage der bosnischen Juden steht, namentlich infolge der starken Einwanderung aus Österreich-Ungarn, wissen \ wir nicht. Starke Konkurrenz boten ihnen \ von jeher die Griechisch-Orthodoxen,; auch schlechtweg „Serben" genannt. Sie sind; ein tüchtiges Handelsvolk. Sie und die j Juden beherrschen den Großhandel; der j gesamte Import und Export, das Wechselj geschäft, die Umwandlung von Rohprodukten I in Ausfuhrartikel wird von ihnen bewerkj stelligt; an Rührigkeit übertreffen sie die; Juden. Ackerbau und Handwerk wird von \ den Römisch-Katholiken betrieben. | In einer Reiseschilderung aus der Mitte \ der 90 er Jahre ist das Urteil über die j Spaniolen zusammengefaßt in die Worte: 1 Ihr Geschäftsgeist hat ihnen meist Wohlstand verschafft; auch genießen sie einen guten Ruf bei der andersgläubigen Bevölkerung. (Durch Bosnien und Herzegowina, Kreuz und Quer, von Heinrich Renner, Berlin 1896.) Einige Worte über die Verteilung nach dem Geschlecht. Im allgemeinen herrscht in Bosnien ein starkes Oberwiegen des männlichen Geschlechts infolge des bedeutenden Knabenüberschusses bei den Geburten, infolge der verschiedenen Absterbeverhältnisse beider Geschlechter, die in Bosnien und Herzegowina eine höhere Sterbeziffer des weiblichen Geschlechts zeigen, vor allem aber infolge einer starken Einwanderung von Männern, die allerdings in den letzten Jahren eine Abschwächung erfahren hat. Bei den Juden zeigt sich ein Unterschied zwischen den sephardischen und sonstigen Israeliten. Die ersterensind die einzige Religions- und Volksgemeinschaft, die einen Frauenüberschuß besitzt. Es trafen im Jahre 1910 auf 1000 sephardische Männer 1024 Frauen, während beispielsweise unter den Serbisch-Orthodoxen 1000 männlichen Personen nur 914 weibliche gegenüberstanden, bei den Muselmannen gar nur 869, bei den Griechisch-Katholiken 721. Auch bei den sonstigen Israeliten überwog das männliche Geschlecht auf 1000 Männer 969 Frauen). Der Grund für den Unterschied zwischen Sephardim und Aschkenasim liegt auf der Hand. Wir wissen, daß die älteren sephardischen Männer auswandern, daß dagegen die „sonstigen" Israeliten eine beträchtliche Vermehrung durch Zuwanderung aufzuweisen haben. Gleichwie im Jahre 1895 wurde auch bei der letzten Volkszählung die Zahl der an einem Gebrechen der Sinnesorgane oder des Intellekts erkrankten Personen, und zwar der auf beiden Augen Blinden, der Taubstummen und Geisteskranken ermittelt. Während die Juden in den westeuropäischen Ländern eine relativ viel höhere Quote von Gebrechlichen aufweisen als die übrigen