Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 9 (1913)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1913)
- Article
- Die Juden in Bosnien und Herzegowina
- Date
- 1913-07-01
- Page
- Seite 107 (sequence 4)
- Language
- German
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107 — nähme auf. Nähere Angaben über die Ge- \ burten, Sterbefälle, Eheschließungen der bos-! nischen Juden konnten wir leider nicht er-; langen. Nur für das Jahr 1885—1886; fanden wir in den statistischen Tafeln, welche; der Reisebeschreibung: Bosnien und! Herzegowina, Reisebilder und; Studien von Johann Asboth,; (Wien 1888), beigegeben waren, die j Mitteilung, daß die natürliche Zunahme bei! Mohammedanern 2,43%, Ortodoxen 6,93%, I Römisch-Katholiken 7,28%, Juden 12,95%,; überhaupt 5,35% betrug. Die Abwander-! ung der sephardischen Juden beruht, wie; die amtliche Statistik erklärt, auf der frommen; Sitte der Sephardim, den Lebensabend in Jerusalem zu verbringen. AdolfStrauß, \ der oben zitierte Verfasser des ethnographischen Werkes über Bosnien und Herzegowina, : erwähnt die Abwanderung der Spaniolen mit folgenden Worten: „Wenn der bosnische Jude alt und arbeitsunfähig wird, so entsteht in ihm die unbezwingbare Sehnsucht, weit nach Osten fortzuwandern, nach Palästina. Sein einziger Wunsch ist, sein müdes Haupt in der Nähe der heiligen Gräber zur letzten Ruhe zu legen. Wer imstande ist, tut dies; und ohne Kosten und Mühen zu scheuen, wandern sie dahin. Zumeist tun sie sich zahlreich zusammen und unternehmen in Gemeinschaft die weite Wanderung. Die Auswanderung j hat ihre eigene Ursache. Sie geschieht nicht : lediglich aus purer, blinder Frömmigkeit, sonj dem stammt daher, daß die Mohammedaner j alles, was zum Abzeichen einer fremden j Religion dienen könnte, öffentlich niemals j dulden wollten, so auch die Friedhöfe nicht." I Von den 8219 sephardischen Juden gab es noch 7 886, die das Spaniolische als ihre | Muttersprache bezeichneten, d, h. 96%. Der ■ Staatsangehörigkeit nach waren von den I Spaniolen in engerem Sinne, d. h., den Angehörigen der spanioiischen Nationalität, 6 631 Bosnier, 50 Österreicher, 26 Ungarn und 197 sonstige Ausländer. Die Juden sind fast vollständig eine städtische Bevölkerung. — An der gesamten städtischen Bevölkerung von 278 203 Personen hatten die einzelnen Konfessionen folgenden Anteil: Muselmannen . . . 141 225 50,76 "/o Römisch-Katholiken . 68 113 24,49 „ Serbisch-Orthodoxe , 55 416 19,92, Sephardische Israeliten 7 843 2,82 „ Andere Israeliten . . 3 272 1,18, Evangelische. . . . 1 641 0,59, Griechisch-Katholiken. 619 0,22 „ Andere...... 74 0,02, Im Verhältnis zu ihrer Gesamtzahl gehören der städtischen Bevölkerung an die: Sephardischen Israeliten mit 95,42% Anderen » 89,66 „ Evangelischen . . r) 25,87 . Muselmannen . . „ 23,07 „ Römisch-Katholiken V 15,69 „ Griechisch- „ H 7,61 , Serbisch-Orthodoxen » 6,71 „ Andersgläubigen . » V 90,24 „ Man findet demnach die Juden in Bosnien und Herzegowina fast nur in den Städten vor. Nur Bruchteile von ihnen bewohnen das flache Land. In der Landeshauptstadt Sarajevo wohnten 1910 6 397 Juden 12,32% der Gesamtbevölkerung und ca. 54°/o der gesamten jüdischen Bevölkerung. Der Zustrom der Juden nach Sarajevo war von 1895—-1910 ganz erheblich, denn die jüdische Bevölkerung hat sich in dieser Zeit dort mehr als verdoppelt Die Bevorzugung der Städte ist für die Juden in mehrfacher Hinsicht bedeutungsvoll gewesen. Einmal mit Bezug auf die Aneignung der Volksbildung. Es ist klar, daß die städtische Bevölkerungin einem kulturell so zu-