Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1913-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1913) · p. Seite 106

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
9 (1913)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1913)
Article
Die Juden in Bosnien und Herzegowina
Date
1913-07-01
Page
Seite 106 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2650397-3187730-3187737-3193174--3954-3193213
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- 106 - ung von Muselmannen in ihrer Wirkung paralysiert wird. Die jüdische Bevölkerung hat sich im Verlauf der 30 Jahre nahezu verdreifacht. , Sie zählte im Jahre 1879 3 426 Personen, j im Jahre 1885 schon 5 805, 1895 8 213 und j 1910 11 868, hat also um 8 442 bezw. 250% | zugenommen. Das stärkere Wachstum der j Juden im Vergleich zur übrigen Bevölker-! ung kommt dadurch zum Ausdruck, daß sich ihr Prozentanteil an der Gesamtbevölkerung ständig vergrößert. Jm Jahre 1879 trafen j auf je 10 000 Personen 29 Juden, 1885 | 43, 1895 52, und 1910 62. j In Bosnien besitzt, wie folgende Zuj sammenstellung zeigt, keine Konfession die j absolute Majorität. j Es wurden nämlich gezählt im Jahre 1910: j Serbisch-Orthodoxe 825 418 43,49 °/o Muselmannen . . . 612 137 32,25 » Römisch-Katholiken . 434 061 22,87 » Griechisch-Orientalische : 8 136 0,43 » Sephardische Israeliten 8219 0,43 '} Andere Israeliten. . . 3 649 0,19 >) Evangelische . . . 6 342 - 0,33 n Andersgläubige . . . 82 0,01 « Zusammen 1 898 044 100 0/ /O- Die Zahl der Juden war von jeher verschwindend gering, und doch sind sie, wie aus allen Reiseberichten hervorgeht, in wirtschaftlicher Hinsicht stets von großer Bedeutung gewesen, Bis zur Okkupation gab es in Bosnien fast nur sephardische Juden, auch Spaniolen genannt, d. h. Nachkommen jener spanischen Familien, die im 15. und 16. Jahrhundert aus Spanien vertrieben wurden und teils über Konstantinopel, teils aber auch aus dem südlichen Teile Italiens kommend, sich hier niedergelassen haben. Nach der Okkupation begann eine lebhafte Zuwanderung von Aschkenasim aus Österreich-Ungarn. In den beiden Zählungen von 1879 und 1885 wurde ein Unterschied zwischen Aschkenasim und Spaniolen nicht gemacht Erst 1895 wurden beide Stämme gesondert gezählt, weil die letzteren, wie die amtliche Statistik als Grund anführt, nicht allein eine eigene Kultusorganisation besitzen, sondern sich auch nach Volkstum, Sitte und Sprache scharf von den zumeist erst seit der Okkupation eingewanderten österreichisch - ungarischen Israeliten abheben. Von den 8 213 Juden, welche 1895 gezählt wurden, waren 5 729 Sephardim und 2 484 Aschkenasim. Es waren also unter 100 Juden 70 Spaniolen. Im Jahre 1910 betrug die Anzahl der Sephardim 8 219 und die der sonstigen Israeliten 3 649. Die Zunahme der Spaniolen machte daher 2490 43,46 Prozent, die der sonstigen Israeliten 1165 — 46,90 Prozent aus. Da die sonstigen Israeliten etwas stärker zunahmen, ist auch ihr Anteil innerhalb der gesamten jüdischen Bevölkerung ein wenig gestiegen. Wir sind in der Lage, den Grund für dieses stärkere Wachstum feststellen zu können. Das statistische Departement hat nämlich für sämtliche Konfessionen von 1895—1910 die natürlich e Zunahme, d.h. die auf dem Geburtenüberschuß beruhende, der faktis chen Zunahme, d. h.der durch Vergleichungzweier aufeinanderfolgenden Volkszählungen ermittelten, gegenübergestellt, um die Wanderbewegung zu berechnen. Da hat sich nun ergeben, daß bei den sephardischen Israeliten im Laufe der 15 Jahren 108 Juden abgewandert, bei den anderen Israeliten dagegen 288 hinzugekommen sind. Es sind also äußere Gründe, welche die größere Zunahme der Aschkenasim herbeigeführt haben, denn die Fruchtbarkeit ist bei den sephardischen Juden beträchtlich höher. Der durch Geburtenüberschuß erzielte Zuwachs betrug bei ihnen 45,34%, bei den anderen Israeliten nur 35,30%. Die sephardischen Juden wiesen unter allen Konfessionen die günstigste natürliche Zu-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.