Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 9 (1913)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1913)
- Article
- Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Kurhessen
- Date
- 1913-07-01
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
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- 103 — gen in den Landgemeinden die bestehen gebliebenen Beschränkt'ngen und die Abneigung j der christlichen Bevölkerung hemmender ein- \ gewirkt haben. Aber auch im Fuldaischen j und 'nanauischen hat die israelitische Be- | völkerung in jenem Zeiträume, also von ihrer j Gleichstellung mit den Christen, obschon sie in j ihrem Anwachsen gegen die Gesamtbevölj kerung zurückblieb, doch in den Städten; eine erheblich größere Zunahme gezeigt \ als auf dem Lande.; Hierbei dürfte der Umstand von Einfluß j gewesen sein, da8 eine — angesichts der : in Akhessen bereits erfolgten Emanzipation i der Juden gewiß sehr gerechtfertigte —- milde; Verwaltungspraxis öfters eine dispensaiionsi weise Verleihung des Staats- und Gemeindej Bürgerrechts an Schutzjuden, welche sich durch Bildung, Wohlstand und Geschäftsj lätigkeit hervortaten, was vorzugsweise in j den Siädten vorkam, hat eintreten lassen, wie! dies namentlich in den Städten Hanau und j Bockenheim geschehen ist. j In dem zweiten Zeitraum (LS27—52) ist dann die israelitische Bevölkerung sowohl in Althessen nach dem Wegfallen der gebliebenen Beschränkungen, als im Fuldaischen und | Hanauischen nach eingetretener Emanzipation j auf dem Lande stärker angewachsen als in l den Städten, wo dieselbe im Fuldaischen j und Hanauischen auffallenderweise sogar eine j Verminderung erlitten hat. i Sehr bemerkenswert erscheint die nach j obigen Zahlen in neuester Zeit eingetretene { Verminderung der israelitischen Bevölkerung j in Kurhessen. In der Zeit von 1852 bis 1858, j in welcher die Gesamtbevöikerung Kurhessens j erheblich zurückging (jährlich 0,63 °/0) ist die j israelitische Bevölkerung minder stark (nur j um 0,41%) zurückgegangen. Allein in der j Zähiungsperiode 1858—1861, in der die Gesamtbevölkerung wieder um jährlich 0,54% stieg, hat die israelitische Bevölkerung fast gar nicht (nur um 0,04%) zugenommen und in den 3 Jahren 186 i bis 1864 ist sie erheblich zurückgegangen (jährlich um 0,47%), während die Gesamtbevölkerung um 0,30% jährlich stieg. Die israelitische Bevölkerung (jetzt i 7 963) kam dadurch erheblich unter den Stand von 1852, wo sie 18 623 Köpfe zählte. In dem Zeitraum von 1852—1864 trat ein: Zu¬ Abnahme nahm % % J bei der Gesamtbein Allhessen ) völkerung" . — 0,17 Jb. d. israel. Bevölk. — 0,12 in den Städten . . .._ 0,29 auf dem Lande - . 0,06 - Fulda u. Hanau Gesamtbevöikerung 0,05 Israeliten ... — 0,62 in den Städten . . 0,75 auf dem Lande . . 0,56 — 0,11 Israeliten .... — 0,30 Das Zurückgehen der israelitischen Bevölkerung in der neuesten Zeit — bis 3 865 — muß der Auswanderung zugeschrieben werden. Die Zunahme der Trauungen unter den Israeliten, deren Zahl in der Zeit von 1852—1858 durchschnittlich jährlich =111,7 1859—1864 „ „ =123,3 betrug, hätte eine Zunahme der israelitischen Bevölkerung erwarten lassen. Wie die Emanzipation der Juden in Kurhessen eine besondere Zunahme der Personenzahl der israelitischen Bevölkerung nicht zur Folge gehabt hat, so hat sie auch eine erweiterte räumliche Verbreitung dieser Bevölkerung, also eine Ausdehnung derselben über eine größere Anzahl von Ortschaften nicht herbeigeführt. Wie die jüdische Bevölkerung Kurhessens in den letzten 50 Jahren sich entwickelt hat, gedenkt der Verfasser aui Qrund zuverlässiger Zahlen demnächst nachzuweisen. Schon vorweg darf gesagt werden, daß das Bild ein