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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1913-05-01 · Heft 5 (Mai 1913) · p. Seite 73

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
9 (1913)
Issue
Heft 5 (Mai 1913)
Article
Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Württemberg von 1820 bis 1910
Date
1913-05-01
Page
Seite 73 (sequence 9)
Language
German
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- 73 — für die Fortpflanzung m Frage kommenden Schichten sind dezimiert, — kein Wunder, wenn jetzt die natürliche Bevölkerungszunahme in Württemberg außerordentlich niedrig ist und eine Besserung "der Verhältnisse in absehbarer Zeit von innen heraus \ nicht zu erwarten ist. Daß die Juden um! die Mitte des vorigen Jahrhundert sich von j einer^ ähnlichen Krisis rasch "erholten, darf! uns nicht wundernehmen. Die damaligen j und heutigen Verhältnisse sind durchaus j verschieden. Damals gab es unter den j württembergischen Juden keine Taufen, keine j Austritte aus dem Judentum, keine Mischehen,! von nialthusianischen Ideen war ' man nicht; angekränkelt. Für das letzte Jahrzehnt 1900 bis 1910 i können wir die natürliche Entwicklung der; Juden in Württemberg verfolgen/ die Gebur-! ten- und Sterberate einander gegenüberj stellen und die Bevölkerungsbilanz ziehen.! Zu diesem Zwecke bedienen wir uns folgenj der Tabelle : CirtGewinn u „ c» w Nalür! Zu- •' Jahr Geburtea S% £e' oder Oeb rten- Sterbe- , f , f21le Veilust 7Aher 7Ahc' je JOOJud.; '';'(Yi "/rxT 18S8 204 174 30 17,14 14,61 2,53 1899 182 163 19 15,23 33,68 1,60 1900 186 171 15 15,61 14,35 1,26 1P01 182 169 13 15,25 14,16 1.09 1902 191 144 47 15,97 12,04 3,93 I 1903 195 142 53 16,27 11,85 4,42; 1904 168 170 -2 13,99 14,15 —0.16 1905 192 157 35 15,95 13.04 2.91 1906 176 148 28 14,61 12,28 2,33 1907 199 174 25 16,54 14.46 2,08 1908 185 193 -7 15,47 16,05 —0.58 1909 170 174 -4 14,15 14,48 —0,33 1910 177 155 22 14,76 12,93 1,83 Die absolute Zahl der Geburten hatte während der von uns betrachteten Zeit ihren höchsten Stand im Jahre 1898, ihren tiefsten im Jahre 1909. Die Entwicklung ist nicht gleichmäßig, es überwiegt aber die abnehmende Tendenz. Verhältnismäßig hoch ist die Sterblichkeit; sie überstieg in mehreren Jahren bereits die Zahl der Geburten, sodaß der Geburtenüberschuß sich in eine negative Größe verwandelte. Die Begründung dieser auflallenden Erscheinung ergibt sich ausfolgender einfachen Überlegung. Wie sieht gegenwärtig der Aufbau der jüdischen Bevölkerung in Württemberg nach der Altersklassenschichtung aus? Die amtliche Statistik gibt uns hierüber keine Auskunft, aber auf Grund unserer bisherigen Untersuchung sind wir auch ohne Zahlenangaben in der Lage, den Altersaufbau uns vorstellen zu können, indem wir ihn gewissermaßen konstruieren. Infolge der geringen Geburtlichkeit sind die unteren Altersklassen nur schwach besetzt, die produktiven Altersklassen von 20 bis 45 Jahren, welche für die Sterblichkeit die geringste Quote liefern, sind ebenfalls anormal vertreten, denn infolge der massenhaftenAbwanderungvon 1880 bis 1805 sind sowohl die Jahrgänge, welche in jener Zeit geboren wurden und heute die. Altersklasse 20—35 bilden würden, als auch namentlich die Altersklasse 35—45, welche damals das Kontingent zur Auswanderung stellte, wenig zahlreich. Dagegen müssen die hohen Altersklassen besser vertreten sein, denn sie bestehen aus den Jahrgängen, welche aus den 50er, 60er und 70er Jahren, also aus der günstigen Periode stammen. Sie sind von der Krisis nicht in so starkem Maße betroffen worden. Und daher kommt es nun, daß heute bei diesem so gearteten Altersaufbau das Verhältnis der Geburten zu den Sterbefällen ein durchaus notwendiges, bestimmtes ist. Die Geburten können nicht viel höher sein, denn die produktiven Altersklassen sind nur schwach besetzt, die Sterblichkeit muß hoch sein, weil die durch die Sterblichkeit am meisten bedrohten Altersklassen am stärksten überwiegen. Auch hier die Gesetzmäßigkeit im scheinbar Willkürlichen, Notwendigkeit, wo nur Zufall zu walten scheint.

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