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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1913-05-01 · Heft 5 (Mai 1913) · p. Seite 72

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
9 (1913)
Issue
Heft 5 (Mai 1913)
Article
Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Württemberg von 1820 bis 1910
Date
1913-05-01
Page
Seite 72 (sequence 8)
Language
German
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waren. Es waren dies die glänzenden 70 er Jahre mit ihrengroßen Geburtenüberschüssen, ihren geringen Wanderungs v erlusten. Außerdem erholt sich eine große Volksinasse viel rascher von wirtschaftlichen Schlägen als eine kleine Schicht von Personein bei der schon ein geringer Verlust empfindliche Lücken verursacht und schwere Folge Wirkungen äußert. Nach diesem Überblick wenden wir uns nunmehr der jüdischen Bevölkerung zu und lassen auch hier zunächst die rein zahlenmäßige Gestaltung in den einzelnen Jahrfünften an uns vorüberziehen. Volkszählung Zahl der Juden Zu¬ Abnahme Durchsc'nn. jährl proz. Zunahme- Abnahme 1880 13331 — — 1885 13071 — 160 — 0,02 1890 12639 - 532 ■■- 0,81 1895 11887 — 752 -1,19 1900 11916 f 29 --; - 0,05 1905 12053 -f 137 r 0,23 1910 11982 — 71 - 0,12 Bei den Juden ist die Entwicklung nicht in der gleichen Weise vor sich gegangen wie bei der Gesamibevölkcrung. Es zeigen sich Ähnlichkeiten und Unterschiede. Die Geburtenüberschüsse reichten bei den Juden j nicht aus, um die Wanderungsverluste, : welche anfangs der 80 er oder vielleicht sogar! ö & schon Ende der 70er Jahre einsetzten, zu ' decken. Es trat sofort eine absolute Abj nähme der Bevölkerung ein, allerdings nur; schwach — 0,02°/» im Durchschnitt der j Jahre 1S80/85, aber ansteigend von Jahrj fünft zu Jahrfünft, bis um die Mitte der : 90er Jahre' mehr als 1% der jüdischen! Bevölkerung im Jahre rein rechnungsmäßig j — das Land verließ. Hier macht sich der j Mangel an Material für die Betrachtung der j jüdischen Bevölkerung besonders fühlbar, j Es fehlt uns eine ähnliche Gegenüberstellung! der natürlichen und wirklichen Zunahme für die kritischen Jahrfünfte, wie wir sie oben für die Gesamtbevölkerung haben herstellen können. Dann erst würde man die genaue Größe des Bevölkerungsverlustes auf jüdischer Seite ermittein können, denn zu dem aus der Vergletchung zweier unmittelbar aufeinanderfolgenden Volkszählungen errechneten Defizit kommt noch hinzu der gesamte Geburtenüberschuß' der betreffenden Zeitstrecke, der vollständig aufgezehrt wurde. Der absolute Rückgang von 1880 bis 1895 belief sich auf 1 444 Personen, d.h. 11%. Würden wir annehmen, die natürliche Zunahme der jüdischen Bevölkerung habe von 1880 bis 1895 annähernd ebensoviel Prozent betragen als jene der Gesamtbevölkerung, nämlich ca. 15%, so würde der Verlust der jüdischen Bevölkerung sich auf ca. 25%» also ein Viertel ihrer Gesamtzahl belaufen haben. Der zweite Unterschied besteht darin, daß bei den Juden nicht von 1895 ab eine Erholung eingetreten ist, wie wir sie bei der Gesamtbevölkerung wahrgenommen haben. Es mehrte sich wohl in der ersten Zeit die Zahl der Juden um eine Kleinigkeit, aber schon von 1905 bis 1910 trat wiederum eine, wenn auch kleine Abnahme ein. Die jüdische Bevölkerung in Württemberg kann sich von der schweren Erschütterung jener 15 Jahre, ja vielleicht fast 20 Jahre — denn schon die zweite Hälfte der 70 Jahre sind, nach gewissen Anzeichen zu schließen, für die Juden ungünstig gewesen —, nicht mehr erholen. Sie krankt an ihr, und es kann darüber kein Zweifel bestehen, daß heute die jüdische Bevölkerung Württembergs sich in einer überaus ernsten Situation befindet. Der Geburtenüberschuß, aus dem sich jetzt die Regeneration wie bei der Gesamtbevöikerung vollziehen könnte, ist seinerzeit durch die Abwanderung verbraucht worden, die

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