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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1913-05-01 · Heft 5 (Mai 1913) · p. Seite 71

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
9 (1913)
Issue
Heft 5 (Mai 1913)
Article
Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Württemberg von 1820 bis 1910
Date
1913-05-01
Page
Seite 71 (sequence 7)
Language
German
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— 71 württembcrgischen Volkes während der letzten 30 Jahre in folgender Weise : ..Sorgenvoll hat Rümeli» anfangs der siebziger Jahre das rasche Anwachsen der Menschenzahl in Württemberg für die Periode 1871/80 nach der Reichsgründung verkündet. Er glaubte annehmen zu dürfen, daß die Fassungskraft des Landes Württemberg für Menschen einen bedenklich hohen Stand erreicht habe, daß ein weiteres Anschwellen kaum noch anders als mit einer Herabdrückung der durchschnittlichen Lebenslage der zahlreichen Unterschicht erkauft werden könne und in der Tat verlangsamte sich auch im nächsten jahrzent die tatsächliche Zunahme der Volkszahl Württembergs zusehends, insofern zeigte sich, daß die Befürchtungen von Rümelin nicht unbegründet waren. In dem Jahrfünft 1881 bis 1885 sah sich eine Summe von */ß des erzeugten Menschenüberschusses aus dem Lande gedrückt oder „drückte" sich selbst, und zwar über 2/ö über die See nach Nordamerika. Noch im nächsten Jahrfünft und im übernächsten mußte über die Hälfte der Höhe des natürlichen Anwuchses außerLandes gehen. Hier nun verteilte sich allerdings der Strom insofern anders, als nur noch schwach die Hälfte der Auswanderer über die See fuhr, die stärkere Hälfte blieb in Europa und zwar hauptsächlich im deutschen Reich und in der Schweiz. Mit dem Jahre 1896/1900 trat sowohl in Württemberg wie im Reiche ersichtlich noch eine beschleunigtere Vorwärtsbewegung ein und gleichzeitige Ortsveränderungen der Menschenmassen. Der natürliche Überschuß schwillt auf eine nie gekannte Höhe an; trotzdem nimmt der Wanderungsverlust ab." Wenn auch .in den soeben wiedergegebenen Ausführungen nicht auf die tieferen Ursachen der Abwanderung eingegangen wird, so ist doch deutlich genug angedeutet, daß sich die Emährungsverhältnisse bedeutend verschlechtert hatten. Württemberg war eben nicht mehr in der Lage, allen seinen Landcskindern Unterhalt zu gewähren. In die richtige Beleuchtung wird die o o Losch'sche Darstellung gesetzt durch die nachfolgende Gegenüberstellung der natürlichen Zunahme, d. h. des Geburtenüberschusses, dem tatsächlichen auf Grund der Volkszählungsergebnisse festgestellten Wachstum und dem Wanderungsverlust für die ein-. zelnen Jahrfünfte von 18/ 1 bis 1910. Natürliche 'I "atsacliiiche Wamie- NVtüri. 'S 1 TT Wirk!. Zuuahine Zu nah nie vcr'wsi /. d T l. in;% in " o 1871/75 93128 62966 - - 30162 5,12 3,46 1875 80 121023 89513 31410 6,43 4,76 1880 85 1C599.T 24067 - -8)026 ^5,38 1,22 1885 90 97668 41337 - - 56331 4,90 2,07 1890/95 95479 44629 - - 50850 4,69 2.10 1895/00 131758 88320 - - 43129 6,33 4,24 1900 05 147615 132699 - - 14916 6,80 6,12 1905 10 156925 135395 -21530 G,H1 5,88 Es ist charakteristisch für die Zeit vor] 1880 bis 1895, daß die natürliche Bevölkerungszunahme im großen und ganzen nur wenig nachließ. Die Geburtenzahl ist zwar gesunken, aber nicht sehr betrieblich, auch die Sterblichkeit ist nicht gestiegen. Der ganze Verlust ist auf das Konto der Abwanderung zu setzen, die von 1880 bis 1885 die Höhe von fast 82 000 erreichte, und während der beiden folgenden Jahrfünfte mehr als die Hälfte des Geburtenüberschusses ausmachte. Daß Württemberg diesen Verlust, ohne dauernd Schaden zu erleiden, ertragen konnte, daß es trotz der übermäßig starken Abgabe von Männern in heiratsfähigem Alter bald wieder seinen Geburtenüberschuß auf eine ungewöhnliche Höhe steigerte, verdankt es dem Umstände, daß jene Bevölkerungsdichten, welche für die Eheschließung und Fortpflanzung nach der Verlustperiode in Frage kamen, Jahren entstammten, die für Württemberg gesegnete

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