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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1913-05-01 · Heft 5 (Mai 1913) · p. Seite 70

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
9 (1913)
Issue
Heft 5 (Mai 1913)
Article
Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Württemberg von 1820 bis 1910
Date
1913-05-01
Page
Seite 70 (sequence 6)
Language
German
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— 70 württembergischen Wirtschaftsgeschichte nicht j in der Weise durch spezielle Untersuchungen j aufgehellt, wie die bisher behandelte! Zeit. Man hat sich in der amtlichen : Statistik damit begnügt, die Volkszählungsergebnisse rein tabellarisch zu veröffentlichen, ohne im einzelnen die Veräni derungen, die in der zahlenmäßigen Ge-; staltung und im inneren Autbau der Bej völkerung vor sich gingen, auf ihre Ursachen! hin klarzulegen. Und doch wäre gerade; die erste der beiden Teilperioden einer sorgfältigen Analyse wert, denn sie zeigt in; ihrem äußeren Verlauf viele Ähnlichkeiten j mit der Zeit von 1846 bis 1858; auch hier | ein Niedergang der wirtschaftlichen Verhält-; hältnisse und als dessen Folge eine massenhafte Auswanderung. Nur sind die Ursachen völlig verschieden. Während damals eine Agrarkrisis das Land heimsuchte, war es diesmal eine Industrie- und Handelskrisis, unter welcher das Land litt. Wir sehen au den nakten Zahlen mehr die Folgeerscheinungen derselben, als die Ursachen und es muß einer besonderen Betrachtung der deutschen Wirtschaftsgeschichte der letzten 40 Jahre, die insbesondere jeden einzelnen Bundesstaat getrennt behandelt, vorbehalten bleiben, die Zusammenhänge zwischen der Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik jener Zeit blos zu legen. Wenn aber für die Gesamtbevölkerung wenigstens durch die Fülle des tabellarischen Materials, wenn auch nicht durch textliche Erläuterungen einigermaßen die Möglichkeit geschaffen ist, den Dingen nachzuspüren, so sind wir über die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in der gesamten Zeit lediglich auf die absolute Zahl, die Verteilung nach dem Geschlecht, nach Oberämtern und Kreisen angewiesen. wiesieinjederVolkszählungfestgestellt werden. Wir kennen nicht einmal den Verlauf der Geburten und Sterbefälle von 1880 bis 1895, von einer Ausscheidung nach dem zur Erkenntnis unerläßlichen Altersaufbau. Familienstand, der Gebürtigkeit ganz zu schweigen. Es wird daher unsere Darstellung, dieser Periode nicht so ins Spezielle gehen können. Wir werden uns damit begnügen müssen, in großen Zügen an der Hand der Zahlen die Richtungsünien für die Entwicklung der Juden zu kennzeichnen. . Unserer bisherigen Methode gemäß skizzieren wir kurz die Entwicklung der Gesamtbevölkerung von 1880 bis 1910. Jahr Volkszahl Abs. Zunahme j^rJ" J proz. Zunahme 1880 1971118 — — 1885 1995185 24067 0,24 1890 2036522 41337 0,41 1895 2081151 44629 " 0,43 1900 2169480 88329 0,85 1905 2302179 132699 1,23 1910 2437574 135395 1,17 Man sieht auf den ersten Blick, daß die Volkszählung 1895 eine Grenzscheide darstellt zwischen zwei gleich langen Zeitstrecken- Die Zunahme in dem Jahrfünft 1880 bis 1885 betrug nur 3/4 der Zunahme in dem vorangegangenem Jahrfünft, wo sie 0,95ö/o ausmachte, — ein so gewaltiger Rückschlag, daß er nahezu einer Katastrophe gleichkommt. Man muß bis auf die Unglücksjahre 1846 bis 1849 und die Teuerungsepoche 1812 bis 1817 zurückgehen, um einen ähnlich niedrigen Zunahmekoeffizienten anzutreffen. In den beiden folgenden Jahrfünften aber trat eine Besserung ein, und die beiden letzten Jahrftinfte, insbesondere das Jahrfünft 1900 bis 1905 stellt die höchste Zunahme dar, die während der ganzen von uns unterj suchten Zeitspanne zu beobachten ist. | In einem zu Beginn dieses Jahrhunderts eri schienenen Werk: „Das Königreich Württemj berg" (1904) äußert sich Finanzrat Dr. Losch! bei der Betrachtung der Entwicklung des

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