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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1913-05-01 · Heft 5 (Mai 1913) · p. Seite 69

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
9 (1913)
Issue
Heft 5 (Mai 1913)
Article
Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Württemberg von 1820 bis 1910
Date
1913-05-01
Page
Seite 69 (sequence 5)
Language
German
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- 69 - Jagstkreis verlor ständig, allerdings hatte der Rückgang, der in der Periode 1846 bis : 1853 17% betragen hatte, bedeutend nach-; gelassen. Zusammenfassend läßt sich sagen, j daß die Vermehrung der jüdischen Bc-; völkerung in der Zeit von 1858 bis 1880 um; 20% nur dem Neckarkreis zugute gekommen i ist. Es dürfte wohl nicht uninteressant sein,; bei dieser Gelegenheit kurz den inneren \ Zusammenhang zwischen den Wirtschaft- | liehen Verhältnissen der einzelnen Landesi teile und der Lage der Juden zu streifen. Rein j geographisch laßt sich Württemberg in eine! östliche und westliche Hälfte zerlegen, deren \ natürlicher und wirtschaftlicher Charakter von; einem Bearbeiter der Volkszählung 1880 auf j Grund sorgfältiger Untersuchungen folgender-; maßen geschildert wird: ..Der Gang der I Bevölkerung ist in der östlichen Hälfte ein i anderer als in der westlichen. In der w e s t -; liehen herrschen bei mildem Klima die j tiefer gelegenen und fruchtbaren Ackerflächen j vor, der Weinbau hat eine große Verbreitung j und es bestehen zusammenhängende große j Waldkomplexe. Auch die Teilung des landj wirtschaftlichen Grundbesitzes geht viel weiter j als in der östlichen Hälfte des Landes und j mit der dichten aber weniger vennöglichen! ländlichen Bevölkerung verbindet sich eine | verhältnismäßig größere gewerbetreibende \ Bevölkerung. Dagegen in der östlichen! Hälfte des Landes ist das Klima rauher, j es herrscht vor die Ausdehnung der hö- | heren über dem Meere gelegenen und weniger ergiebigen Ackerflächen. Den natürlichen Verhältnissen entsprechend ist beiextensivem Anbau die Teilung des landwirtschaftlichen Grundbesitzes nicht soweit fortgeschritten und der weniger dichten aber wohlhabenden Bevölkerung schließt sich eine nicht so bedeutende im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung der östlichen Landeshälfte aber gleichwohl ansehnliche gewerbliche Bevölkerung an. In der westli clien Hälfte frühzeitiges Heiraten, mittelmäßige Zahl von Geborenen, mittelmäßige Kindersterblichkeit ein größerer natürlicherBevölkerungszuwachs, ein Geburtenüberschuß von 9,29 auf 1000 Personen, dagegen in der östlichen spüies Heiraten, extreme Anzahl von Geborenen, entweder sehr hohe oder sehr niedrige Zahl, hohe Kindersterblichkeit, erheblich geringerer natürlicher Zuwachs. Von dem größeren Geburtenüberschuß der westlichen Hälfte geht ein größerer Teil durch Auswanderung ab, sodaß beide Landeshälften bezüglich der beträchtlichen v/irklichen Zunahme der Bevölkerung sich nahezu gleich stellen/ Zur westlichen Hälfte gehören der Neckar- und Schwarzwaldkreis, mit Ausnahme des Oberamts Urach und mit Einschluß der Oberämter Schorndorf und Welzheim aus dem Jagstkreis und Göppingen, Kirchheim aus dem Donaukreis, zur östlichen Hälfte alle übrigen Oberämter des Jagst- und Donaukreises. Wie wir oben gesehen haben, ist die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in den beiden ersten Kreisen, also in der westlichen Hälfte des Landes eine ganz unverhältnismäßig günstigere als in den beiden anderen Kreisen, d. h. in der östlichen Hälfte. Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung geht demnach zweifellos parallel der gesamten wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Den letzten Abschnitt der von uns zu untersuchenden Epoche, die Zeit von 1880 bis 1910, müssen wir in zwei gleiche Teile zerlegen, in die Periode von 1880 bis 1895 und von 1895 bis heute. Der Teilungspunkt ist nicht willkürlich gewählt, wir sind dazu gezwungen durch einen deutlich bemerkbaren Einschnitt, der sich in der Volkszählung von 1895 im Entwicklungsgänge der gesamten württembergischen Bevölkerung markiert. Leider ist dieser Abschnitt in der

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